Im Live-Stream Auftakt zur europäischen Leuchtturm-Route

Von Anja Bölck


Imago Images (2), M. Pointud/Societe Nationale des Phares (2)

Mecklenburg-Vorpommern. Sylvia Völzer und Bettina de Cosnack bringen gemeinsam die Europäische Route der Leuchttürme auf den Weg. Wir übertragen die Auftaktveranstaltung live im Stream.

Willkommen auf der Europäischen Leuchtturmroute! Erleben Sie hunderte faszinierende Leuchttürme, eingebettet in eine idyllische Küstenlandschaft mit malerischen Hafenstädten... Solch appetitanregende Werbung könnte in Mecklenburg-Vorpommern die Übernachtungszahlen befeuern. Denn wer kann sich einer Europäischen Leuchtturmroute schon entziehen? Kaum haben wir die Riesen entdeckt, wollen wir zu ihnen.

Doch die Betonung liegt auf könnte. Noch gibt es nämlich keine Europäische Route der Leuchttürme. Dafür alle möglichen anderen verlockenden, länderübergreifenden Wege. Zum Beispiel die Europäische Route der Backsteingotik, den Europäischen Mühlenradweg, die Europäischen Mozart-Wege oder die Europäischen Routen des Weins und der Oliven. Es war nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf die Idee kommen würde, dem Ganzen eine Leuchtturmroute hinzuzufügen.

Leuchtturmroute stößt auf großes Interesse

Und dieser jemand sind gleich zwei: Sylvia Völzer und Bettina de Cosnack. Die eine hat in Rostock studiert und arbeitet heute bei der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern bei der Europäischen Union in Brüssel, die andere lebt als Journalistin und Kulturschaffende in Frankreich und ist viel in der Bretagne unterwegs. Die Idee kam ihnen, nachdem sie schon das eine oder andere Projekt zwischen den Regionen angeschoben hatten. Doch das hier war ein ganz anderer Schnack. Eine Europaroute! Warum nicht, dachten sie sich. Überall gibt es diese langen Lulatsche. Überall sind sie unverzichtbare Helfer der Seefahrt. Überall klettern Menschen hinauf, um ihren Blick übers Meer schweifen zu lassen. Überall geben sich Liebende auf solchen Türmen das Jawort. Wenn das nichts Verbindendes hat. Ahoi, wir kommen!

Und zwar mit Volldampf. Sylvia Völzer nahm Kontakt zum Europäischen Institut für Kulturrouten in Luxemburg auf und erfuhr, dass es noch keine solche Route gibt. Dafür aber 38 andere. „Die Institutsmitarbeiter fanden unsere Idee so toll, dass sie fast über den Tisch gesprungen sind vor Freude“, erinnert sie sich. Indes weiteten sich bei Sylvia Völzer die Pupillen, als sie einen 207-Seiten umfassenden Antrag zugeschickt bekam. „Ein Riesenaufwand, aber dennoch kein Hexenwerk“, stellt sie im Nachhinein fest.

Mühelos gelang es ihnen hingegen, erste Partner für das Projekt ins Boot zu ziehen. „Die Franzosen waren flott dabei“, erinnert sich Bettina de Cosnack. „Auch der französische Leuchtturmverein. Dessen Präsident hatte selbst schon mit dem Gedanken gespielt, in Frankreich eine derartige Route zu beleben. Frankreichs Küsten sind voll mit Leuchttürmen.“ In der Bretagne gibt es die weltweit größte Leuchtturmdichte. Viele von ihnen werden regelmäßig vom Meer verschlungen.

Da sind die Leuchttürme in Mecklenburg-Vorpommern weit weniger Stress ausgesetzt. Und auch hier wurden die beiden Damen mit offenen Armen empfangen. Als Sylvia Völzer bei Klaus Möller anrief, dem Vorsitzenden des Leuchtturmvereins Warnemünde, vernahm sie mit breitem Grinsen die Worte: „Auf so einen Anruf hab ich schon gewartet.“ Auch beim Leuchtturm Dornbusch auf Hiddensee ließ man sich nicht lange bitten. Insgesamt gehen die Initiatorinnen nun mit vier Leuchttürmen aus der Bretagne und zwei Leuchttürmen aus MV an den Start.

Weitere Mitstreiter sind willkommen

Weil Europäische Routen nicht nur aus einer Sache gestrickt werden, sondern sich zusätzlich noch mit Leuchttürmchen aus Kunst, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft schmücken, haben Sylvia Völzer und Bettina de Cosnack geschaut, was noch so im Hinterland leuchtet. In Frankreich sind sie auf die Geschichte der Leinweber gestoßen, auf Hiddensee auf das Gerhart-Hauptmann-Haus und in Warnemünde auf das Robbenforschungszentrum. „Mit diesen Akteuren lässt sich später das Gesamtpaket Leuchtturmroute besser vermarkten“, weiß Sylvia Völzer. „Natürlich können sich weitere Vereine, Privatpersonen und Einrichtungen auf unserer Website https://lighthouse-route.eu anmelden.“ Auch werden Frankreich und Deutschland mit ihren Leuchttürmen nicht allein auf weiter Flur bleiben. Es sind alle Länder herzlich eingeladen mitzumachen. „Anfang des nächsten Jahres wollen wir dann den Antrag in Luxemburg stellen“, so Bettina de Cosnack. „Das wird der Leuchtturmverein Warnemünde übernehmen. Es ist wichtig, dass die Route von den Akteuren selbst getragen wird. Wir beide sind nur die Lokomotive, die das ganze Projekt angezogen haben. Wir koppeln uns dann langsam ab. “

Tipp: Heute wird es eine unterhaltsamen Sendung zum Thema geben. Die SVZ übernimmt als Medienpartner die Übertragung des Livestreams.


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