Rahmennummern in Datenbanken Kampf dem Fahrraddiebstahl - mit europaweiter Fahndung?

Von dpa

Der Polizeilichen Kriminalstatistik zufolge wurden im vergangenen Jahr bundesweit 271.500 Fahrräder gestohlen, die Aufklärungsquote lag bei 9,2 Prozent.Der Polizeilichen Kriminalstatistik zufolge wurden im vergangenen Jahr bundesweit 271.500 Fahrräder gestohlen, die Aufklärungsquote lag bei 9,2 Prozent.
Martin Gerten/dpa

Berlin. Mehr als eine Viertelmillion Fahrräder werden pro Jahr in Deutschland geklaut. Gut 90 Prozent der Fälle kann die Polizei nicht aufklären. Für den Kampf gegen Diebe gibt es verschiedene Ideen. Eine davon: Fahrräder ähnlich zu behandeln wie gestohlene Autos.

Das Rad festgeschlossen, das Schloss angeblich extra-sicher - und trotzdem geklaut: Millionen Fahrradfahrer kennen diesen Ärger nur zu gut.

Manchmal gelingt es der Polizei, gestohlene Räder wiederzufinden, doch in den meisten Fällen bleiben sie verschwunden. Um das zu ändern, schlagen die Grünen nun vor, nicht nur bundesweit, sondern in ganz Europa die Rahmennummern der verschwundenen Räder zur Fahndung zu nutzen. Wäre das sinnvoll und machbar - und was könnte außerdem helfen?

„Während gestohlene Autos europaweit gesucht werden, hört die Fahndung nach gestohlenen Fahrrädern an den Grenzen auf“, sagte der radpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Stefan Gelbhaar, der Deutschen Presse-Agentur. Organisierte Fahrraddiebe hätten so leichtes Spiel. „Analog zum Austausch gestohlener Autodaten müssen auch Rahmennummern gestohlener Fahrräder wenigstens europaweit ausgetauscht werden“, forderte er. „Dass durchschnittlich nicht einmal zehn Prozent der Fahrraddiebstähle aufgeklärt werden, ist ein riesengroßes Problem.“

Der Polizeilichen Kriminalstatistik zufolge wurden im vergangenen Jahr bundesweit 271.500 Fahrräder gestohlen, die Aufklärungsquote lag bei 9,2 Prozent. Im elektronischen Informationssystem des Bundeskriminalamts (Inpol), auf das auch die Bundespolizei, der Zoll und die Polizeibehörden der Länder Zugriff haben, sind derzeit knapp 1,5 Millionen gestohlene Fahrräder registriert. Auf Anfrage der Grünen hatte das Bundesinnenministerium mitgeteilt, dass Rahmennummern zu in Deutschland gestohlenen Fahrrädern im gemeinsamen Fahndungsverbund, dem Schengener Informationssystem, nicht erfasst werden und für Ermittlungsbehörden damit nicht EU-weit abrufbar sind.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hält die Forderung der Grünen für nachvollziehbar, hat aber auch Bedenken. „Immer mehr Menschen steigen auf immer wertvollere Bikes“, sagte der GdP-Vize-Vorsitzende Jörg Radek. Polizei-Kollegen im In- und Ausland hätten es oft mit gut organisierten Diebesbanden zu tun. „Diese Kriminellen nutzen offene Grenzen sowie Reibungsverluste unterschiedlicher Polizeistrukturen und -Ausstattungen, nicht ausreichend harmonisierte Gesetzgebung – und auch Personallücken.“ Die Polizeien in Europa würden aber immer besser und könnten etwa bei der Kinderpornografie oder Drogen- und Menschenhandel durchaus Erfolge aufweisen.

Klar sei, dass die dafür notwendigen, aufwendigen Ermittlungen viele Ressourcen verbrauchten, erklärte Radek. „Und die hat die Polizei zumindest hierzulande nicht in ausreichendem Maße. Angesichts dessen bin ich skeptisch, dass eine Einspeisung der Radrahmennummern in europäische Polizeidatenbanken einen mittelfristig erkennbaren Effekt erzielen würde.“ Sinnvoller sei zunächst, das Rad mit möglichst wirksamen Diebstahlsperren zu sichern.

Vom Fahrradclub ADFC kam Unterstützung für die Forderung nach einer EU-weiten Fahndung. „Fahrraddiebstahl ist leider ein Massenphänomen, die Aufklärungsquoten sind niedrig, der Wert der gestohlenen Fahrräder steigt – und der Markt für gestohlene Fahrräder geht weit über die Grenzen Deutschlands hinaus“, sagte ADFC-Verkehrsexpertin Stephanie Krone. Damit Fahrräder in internationale Sachfahndungsdateien übernommen werden könnten, brauche es allerdings eine Vereinheitlichung des Kennziffer-Systems und eine erheblich beschleunigte Erfassung in Deutschland. „Das funktioniert nur mit mehr Personal bei der Polizei.“

Bahnhöfe seien ein Schwerpunkt für Fahrraddiebstahl, erläuterte Krone. Das liege auch daran, dass es an kaum einem deutschen Bahnhof ausreichend große und sichere Fahrrad-Abstellanlagen gebe. „Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen sind deshalb eine wichtige ADFC-Forderung zur Eindämmung des Fahrraddiebstahls“, sagte sie. „Die Bundesregierung will das Radfahren fördern, dazu gehört dann auch mehr Sicherheit vor Fahrraddiebstahl.“

Das sehen die Grünen auch so - Rad-Politiker Gelbhaar fordert ein Sonderprogramm für Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen von mindestens 100 Millionen Euro pro Jahr. Auch der FDP-Politiker Christian Jung hatte in dieser Woche vor allem für Pendler bundesweit noch mehr Fahrrad-Parkhäuser und abschließbare Boxen an wichtigen Haltestellen und Bahnhöfen gefordert. Nach Angaben der Bundesregierung gibt es rund 100 Fahrradparkhäuser und Radstationen an Bahnhöfen. Schon jetzt gibt es vom Bund Fördergelder für Kommunen, die Fahrradparkhäuser, Sammelgaragen und andere Rad-Abstellplätze planen und bauen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN