Tickende "soziale Zeitbombe" Corona-Krise: Polizei schützt Supermärkte auf Sizilien vor Plünderungen

Von afp

Supermarkt in Italien. Foto: Claudio Furlan/LaPresse/dpaSupermarkt in Italien. Foto: Claudio Furlan/LaPresse/dpa
Claudio Furlan/LaPresse/dpa

Palermo. Nach Berichten über Plünderungen wegen zunehmender Geldnöte aufgrund der Corona-Krise haben auf Sizilien bewaffnete Polizisten vor Supermärkten Stellung bezogen.

Vor den Eingängen eines Supermarktes in Palermo standen am Samstagnachmittag vier Polizisten, wie ein AFP-Reporter berichtete. Presseberichten zufolge wächst in Italien die Hoffnungslosigkeit angesichts der Coronavirus-Pandemie und ihrer Auswirkungen auf die Wirtschaft. Ministerpräsident Giuseppe Conte kündigte am Wochenende die Ausgabe von Lebensmittelgutscheinen an.

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Mit mehr als 10.000 Todesfällen hat das neuartige Coronavirus Italien in die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg gestürzt. Gleichzeitig bricht wegen der Ausgangssperre und der Schließung aller nicht lebenswichtigen Unternehmen und Fabriken die Wirtschaft immer stärker ein. Millionen Menschen haben dadurch kein Einkommen.

"Wir haben kein Geld um zu bezahlen, wir müssen essen"

Laut der Tageszeitung "La Repubblica" verließ am Donnerstag eine Gruppe von Einheimischen einen sizilianischen Supermarkt, ohne zu zahlen. "Wir haben kein Geld um zu bezahlen, wir müssen essen", rief demnach einer von ihnen den Kassierern zu.

Der "Corriere della Sera" berichtete, in anderen sizilianischen Städten seien Inhaber kleiner Läden von Anwohnern unter Druck gesetzt worden, ihnen kostenlos Essen zu geben. Die Zeitung schrieb von einer tickenden "sozialen Zeitbombe" in der Region, in der rund fünf Millionen Menschen leben. Nach amtlichen Zahlen starben auf der Insel isher 57 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19, die durch das Coronavirus ausgelöst wird.

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Conte ist sich der zunehmenden Angst und Belastung der Bevölkerung bewusst. In einer Pressekonferenz kündigte er am Samstagabend die Ausgabe von Lebensmittelgutscheine für Menschen in akuter Geldnot an. "Wir wissen, dass vielen leiden, aber der Staat ist da", sagte er. Die Regierung gab 400 Millionen Euro für die Kommunen frei, mit denen Menschen unterstützt werden sollen, "die kein Geld haben, um Essen zu kaufen".

"Niemand wird allein gelassen", versicherte Conte. Ziel der Regierung sei es, "Barmittel für Familien, Unternehmen und Arbeitnehmer sicherzustellen".


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