Auswertung des Deutschen Wetterdienstes "Vielerorts ein Totalausfall": Nur ein Winter war wärmer als dieser

Von dpa

Schwere Stürme, ungewöhnlich viel Regen und immer wieder extrem hohe Temperaturen prägten den Februar. Foto: dpa/Mohssen AssanimoghaddamSchwere Stürme, ungewöhnlich viel Regen und immer wieder extrem hohe Temperaturen prägten den Februar. Foto: dpa/Mohssen Assanimoghaddam
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Offenbach. Mild war er, sonnig und auch nass. Von einem richtigen Winter konnte in diesem Jahr nicht gesprochen werden.

Nach einem Sommer mit Hitzerrekorden ist auch der Winter deutlich zu warm ausgefallen. Die nun zu Ende gehende Jahreszeit lag knapp vier Grad über dem Vergleichswert, damit handelt es sich nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) um den zweitwärmsten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881.

Nasser, aber auch sonniger

Schnee und Eis gab es kaum, dafür frühlingshafte Temperaturen. Vielerorts habe es "einen "Totalausfall" des Winters" gegeben, erklärte der DWD in Offenbach nach einer ersten Auswertung der Ergebnisse von rund 2000 Messstationen. Demnach war er nasser, dafür aber auch sonniger, als es die Soll-Werte vorsehen.

Nur 2006/2007 war wärmer

Bundesweit betrug der Temperaturschnitt der drei Monate 4,1 Grad und lag damit 3,9 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode von 1961 bis 1990. Wärmer war demnach bisher nur der Winter 2006/2007 mit einem Plus von 4,4 Grad. In Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin war der Winter 2019/2020 der wärmste seit Messbeginn. In Hamburg und Bremen könnte dies den vorläufigen Werten zufolge ebenfalls der Fall gewesen sein.

Der Wetterdienst registrierte wegen der "unentwegt einströmenden milden Meeresluft" von Dezember bis Ende Februar nur selten Temperaturen, die sich winterlich nennen ließen. Stattdessen herrschten häufig frühlingshafte Werte über 15 Grad. Den höchsten Wert erreichte am 16. Februar Müllheim südwestlich von Freiburg mit 21,5 Grad. Am kältesten war es in Oberstdorf am 20. Januar und am 6. Februar mit jeweils minus 14,7 Grad. Das Nordseebad List auf Sylt erlebte keinen einzigen Frosttag.

Die Entwicklung zeige, wie auch die der vergangenen 10 bis 20 Jahre, dass die Klimaerwärmung an Fahrt aufgenommen habe, sagte DWD-Sprecher Andreas Friedrich. Die Jahreszeiten mit deutlichen Abweichungen häuften sich. Auch der nun zu Ende gehende Februar war der zweitwärmste seit 1881.

Immer wieder Extremwetterbedingungen

Schwere Stürme, ungewöhnlich viel Regen und immer wieder extrem hohe Temperaturen prägten der Auswertung zufolge den Monat. Mehr Niederschlag sei im Februar bisher nur 1946 gemessen worden. Wegen des Orkantiefs "Sabine" blieben Schulen geschlossen, der Zugverkehr wurde eingestellt und Flüge annulliert.

Der Winter war ungewöhnlich schneearm und gleichzeitig zu nass. Dies sei sehr willkommen gewesen, erklärte der DWD mit Blick auf den Dürresommer 2019. Die Menge an Niederschlägen überstieg mit rund 225 Litern pro Quadratmeter den Vergleichswert von 181 Litern um fast ein Viertel (23 Prozent). Schnee fiel im Flachland meist erstmals vergangenen Donnerstag – kurz vor Ende des meteorologischen Winters an diesem Wochenende. Im Wintersportort Oberstdorf lag an 54 Tagen kein Schnee, wie der DWD erklärte.

Viele Sonnenstunden

Am meisten Niederschlag fiel mit bis zu 810 Litern pro Quadratmetern im Schwarzwald. Von dort wurde auch die höchste Tagessumme gemeldet: 105,5 Liter am 2. Februar in Baiersbronn-Ruhestein. Im Osten Deutschlands kam diese Menge gebietsweise im ganzen Winter nicht zustande. In Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen kamen einige Stationen über 90 Liter nicht hinaus.

Immerhin war es sehr sonnig: Die Sonnenscheindauer überstieg der Bilanz zufolge ihr Soll mit rund 185 Stunden um gut ein Fünftel. Am meisten Sonne gab es rund um den Starnberger See mit bis zu 345 Stunden, am wenigsten im Norden mit örtlich weniger als 100 Stunden.

Mit Schauern, Wind und bis zu 17 Grad verabschiedet sich der Winter an diesem Samstag aus Deutschland. Am mildesten wird es der Vorhersage zufolge am Alpenrand, am Oberrhein und nördlich der Schwäbischen Alb. Auch zu Beginn des meteorologischen Frühlings am Sonntag bleibt es mild mit bis zu 14 Grad, dazu blitzt immer wieder die Sonne hervor. Wechselhaft beginnt auch die neue Woche, dazu sinken die Temperaturen in den einstelligen Bereich. Ein Winterrückfall sei aber nicht zu erwarten, erklärte der DWD.


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