Umweltaktivisten zufrieden Nach Besetzung des Steinkohlekraftwerk Datteln 4: Polizei beginnt mit Räumung

Aktivisten hatten am Sonntag das umstrittene Steinkohlekraftwerks Datteln 4 besetzt. Foto: dpa/Caroline SeidelAktivisten hatten am Sonntag das umstrittene Steinkohlekraftwerks Datteln 4 besetzt. Foto: dpa/Caroline Seidel

Datteln. Aktivisten sind am Sonntag in das das umstrittene Steinkohlekraftwerk Datteln 4 in Nordrhein-Westfalen eingedrungen.

Die Polizei hat begonnen, die Besetzung des Kraftwerksgeländes in Datteln durch Aktivisten zu beenden. Das hat die Polizei am Sonntag mitgeteilt. Sie hatte die Demonstranten aufgefordert, die besetzten Anlagen zu verlassen. Etliche Aktivisten seien dieser Aufforderung bereits freiwillig nachgekommen, sagte ein Polizeisprecher. Von den Menschen würden nun die Personalien festgestellt. Bislang sei alles friedlich verlaufen. Der Kraftwerksbetreiber Uniper hatte Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs gestellt.

Eine Sprecherin von "Ende Gelände" sagte, die Besetzung sei eine "sehr erfolgreiche" Auftaktaktion gewesen. Man werde verhindern, dass das Kraftwerk ans Netz gehe.

Zuvor waren die Aktivisten auf das Gelände des neuen Steinkohlekraftwerks Datteln 4 im Ruhrgebiet vorgedrungen und hatten Teile der Anlage besetzt. Die mehr als 100 Menschen entrollten Transparente auf zwei Verladeanlagen. Laut Polizei Recklinghausen gelangten die Aktivisten gewaltsam auf das Gelände. Ein Tor sei aufgebrochen worden.

Aufgerufen zu dem Protest hatten die Aktionsbündnisse "Ende Gelände" und "DeCOALonize Europe". Laut ihnen sind rund 150 Aktivisten auf dem Gelände. Die Polizei sprach von 120. Sie sondierte die Lage zunächst mit einem Hubschrauber und zog "starke Kräfte" zusammen.

Gegen 8 Uhr habe sich die Gruppe Zugang zum Betriebsgelände verschafft. Das 1100-Megawatt-Kraftwerk soll entgegen der Empfehlung der Kohlekommission noch im Sommer dieses Jahres ans Netz gehen. Das Kraftwerk liegt am Dortmund-Ems-Kanal.

Friday-for-Future-Frontfrau Luisa Neubauer twitterte Bilder der Aktion:

Vor Ort ist auch ein Bundestagsabgeordneter der Partei Die Linke – als parlamentarischer Beobachter, wie er sagt. Lorenz Gösta Beutin bezeichnet die Aktion als "wichtig und legitim". Sie sei "komplett fröhlich und friedlich verlaufen" und als Auftakt zu einem Jahr des Protests gegen die Klimapolitik der Bundesregierung zu verstehen, so Lorenz Gösta Beutin.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (beide CDU) sind der Ansicht, dass es sinnvoller sei, im Gegenzug ältere und schmutzigere Steinkohlekraftwerke früher abzuschalten. Der Energiekonzern Uniper betreibt das Kraftwerk derzeit zeitweise im Probebetrieb.

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"Wir können es nicht zulassen, dass mit Datteln 4 ein neues Steinkohlekraftwerk ans Netz geht. Wir rasen gerade auf eine Welt vier bis sechs Grad heißer zu. Wir müssen alle Kohlekraftwerke abschalten und kein neues anschalten", sagte eine Sprecherin von "Ende Gelände" am Sonntag. Die Gruppe war bereits federführend bei der Besetzung des Hambacher Forstes. Unter den Besetzern in Datteln seien auch einige aus dem Hambacher Wald, sagte sie.

Bereits vor rund einer Woche hatten rund 350 Menschen in Datteln protestiert. Aufgerufen zu der Demonstration unter dem Motto "Datteln 4? Nicht mit mir!" hatten die Klimabewegung "Fridays for Future" sowie anderen Organisationen.


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