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Sportschütze in U-Haft Tödliche Schüsse in Rot am See: Ein Opfer noch in Lebensgefahr

Von dpa

Bei der Gewalttat in einem Wirtshaus in Rot am See starben sechs Familienangehörige des Verdächtigen. Foto: imago images/onw-images/Marius BullingBei der Gewalttat in einem Wirtshaus in Rot am See starben sechs Familienangehörige des Verdächtigen. Foto: imago images/onw-images/Marius Bulling 

Rot am See. In der baden-württembergischen Gemeinde Rot am See soll ein 26-Jähriger seine Familie ausgelöscht haben. Es gibt sechs Tote, ein Opfer schwebt noch in Lebensgefahr. Der verdächtige Sportschütze sitzt in U-Haft.

Nach den tödlichen Schüssen auf sechs Menschen in Rot am See schwebt ein angeschossener Mann immer noch in Lebensgefahr. An dem kritischen Zustand des 68-Jährigen habe sich nichts verändert, sagte ein Sprecher der Polizei am Sonntag. Eine Frau, vermutlich die Ehefrau des Schwerstverletzten, wurde ebenfalls wegen Schussverletzungen im Krankenhaus behandelt.

Ein 26-Jähriger soll in dem kleinen Ort im Nordosten Baden-Württembergs am Freitag seine Eltern, einen Onkel, eine Tante und zwei Stiefgeschwister erschossen sowie die beiden weiteren Verwandten angeschossen haben. Die Polizei gab nicht bekannt, ob der in Untersuchungshaft sitzende Mann sich zu den Vorwürfen des sechsfachen Mordes und des zweifachen versuchten Mordes geäußert hat. Der Sportschütze soll mit seiner halbautomatischen Waffe überdies zwei 12 und 14 Jahre alte Jungen bedroht haben. Diese brachten sich bei Nachbarn in Sicherheit.



Die Ermittlungen zu dem Fall gehen weiter. Die Beamten wollen nach Motiven für das Verbrechen suchen. Auch der Anlass für das Aufeinandertreffen der Verwandten in Rot am See (Kreis Schwäbisch Hall) sei noch unklar, sagte der Polizeisprecher. Nach dpa-Informationen war der Hintergrund die für Samstag geplante Beerdigung der Großmutter des 26-Jährigen mütterlicherseits in Leipzig. Der mutmaßliche Täter hatte am Freitag der Polizei die Tat gemeldet. Er wurde kurz darauf vor dem Gebäude festgenommen, in dem und vor dem zwei beziehungsweise vier Leichen entdeckt wurden. Der Mann, der in dem Haus mit seinem Vater lebte, war bislang strafrechtlich nicht aufgefallen. Der Deutsche ließ sich ohne Widerstand festnehmen.

Weiterer SEK-Einsatz nur 24 Stunden nach Familientragödie

Am Sonnabend musste die Polizei in Rot am See nur 24 Stunden nach der Familientragödie zum zweiten Mal mit Spezialkräften ausrücken. Per Notruf waren die Beamten am Samstagvormittag auf Geräusche aufmerksam gemacht worden, die aus einer Waffe stammen könnten. Nach dem Eintreffen bei einer Wohnung stellte die Polizei nach eigenen Angaben fest, dass sich ein Verdächtiger verbarrikadiert hatte. Schließlich habe ein Spezialeinsatzkommando den Mann unverletzt festnehmen können.



Tatmotiv weiter unklar

Einen Zusammenhang zu dem Verbrechen mit sechs Toten im selben Ort am Freitag gibt es laut der Polizei nicht. Es sei noch nicht einmal klar, ob die Schüsse aus einer Waffe gekommen seien. Möglich sei, dass ein Trittbrettfahrer nach der Bluttat vom Vortag die Aufmerksamkeit auf sich habe ziehen wollen, sagte der Beamte.


Grafik: dpa

Debatte über schärferes Waffenrecht

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) riet angesichts erster Forderungen nach einem schärferen Waffenrecht zu Besonnenheit. "Das Waffenrecht ist vom Bundesgesetzgeber erst vor kurzem geändert, es ist verschärft worden", sagte er am Freitagabend am Rande der CDU-Klausur in Schöntal (Hohenlohekreis). "Man muss sich jetzt ganz genau, sorgfältig und sorgsam anschauen, ob und wie man hier möglicherweise noch nacharbeiten muss."

Der Deutsche Schützenbund (DSB) befürchtete eine erneute Debatte um ein schärferes Waffenrecht. "Wenn mit einer legalen Waffe so etwas passiert, ist immer die Diskussion da, wie man die Schraube noch weiter anziehen kann", sagte Walter Wolpert, DSB-Vizepräsident für den Bereich Recht, am Samstag. Dabei habe Deutschland schon eines der strengsten Waffengesetze der Welt, das zudem gerade erst verschärft worden sei.

In einer Gaststätte hat der Schütze sechs Familienmitglieder getötet. Foto: dpa/Tom Weller


"Solche Taten kann man mit Waffengesetzen nicht verhindern", erklärte Wolpert. Es gebe genug Kontrollen für Sportschützen: Diese müssten mindestens ein Jahr Vereinsmitglied sein, würden von den Vereinsvorsitzenden überprüft. Erst dann dürften sie eine Waffenbesitzkarte beantragen. Ob diese erteilt werde, entscheide das Ordnungsamt nach Zuverlässigkeitsprüfung, bei der polizeiliches Führungszeugnis und das Register der Staatsanwaltschaft berücksichtigt würden. Wer unter 25 Jahre sei und eine Großkaliberwaffe haben wolle, werde zudem psychologisch begutachtet.

Der mutmaßliche Schütze hatte laut Polizei bei seinem Anruf auf der Wache keinen Grund für seine Tat genannt. Der 26-jährige Deutsche aus Rot am See habe eine Waffenbesitzkarte gehabt und selbst in dem Haus gelebt, in dem er die Tat verübt habe. Auch einige der Opfer hätten in dem Gebäude gewohnt.

Menschen haben Kerzen vor dem Tatort, wo sechs Menschen erschossen wurden, aufgestellt. Foto: dpa/Tom Weller

Die Gemeinde Rot am See hat knapp 5400 Einwohner und liegt zwischen Crailsheim (Baden-Württemberg) und Rothenburg ob der Tauber (Bayern). Jährlich im Oktober findet dort die "Muswiese" statt, einer der ältesten und größten Jahrmärkte in Hohenlohe.


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