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Rund 400 Vorschläge "Klimahysterie" ist "Unwort des Jahres" 2019 – Lob aus der Politik

Die Fridays-for-Future-Bewegung prägte das vergangene Jahr – das "Unwort" des Jahres verteidigt ihren Zweck. Foto: imago images/IPON/Stefan BonessDie Fridays-for-Future-Bewegung prägte das vergangene Jahr – das "Unwort" des Jahres verteidigt ihren Zweck. Foto: imago images/IPON/Stefan Boness
imago images/IPON/Stefan Boness

Darmstadt. Die Klimadebatte rückte in den Fokus für das "Unwort des Jahres" 2019. Die Jury wendet sich gegen die Kritiker von Klimaschutzbemühungen. Unter den Kandidaten waren einige Öko-Begriffe – das war zuletzt anders.

Jahrelang stand die Flüchtlingspolitik und der gesellschaftliche Umgang damit im Fokus, nun rücken Ökologie und die Klimadebatte zunehmend in den Mittelpunkt. Das zeigen unter anderem Vorschläge wie "Bauernbashing", "Verschmutzungsrechte" und "Ökodikatur". Nach Angaben der sprachkritischen Aktion "Unwort des Jahres" sind 671 Einsendungen mit 397 Vorschlägen eingereicht worden. 

Das "Unwort des Jahres" 2019 lautet "Klimahysterie". (Weiterlesen: Der Bauer, das Opfer – Warum der Bauernprotest so emotional ist) 

Mit dem Wort "Klimahysterie" würden Klimaschutzbemühungen und die Klimaschutzbewegung diffamiert und wichtige Debatten zum Klimaschutz diskreditiert, sagte die Sprecherin der Jury der sprachkritischen Aktion, Nina Janich, am Dienstag zur Begründung. Der Begriff pathologisiere pauschal das zunehmende Engagement für den Klimaschutz als Art kollektiver Psychose.

Vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Klimawandel ist das Wort zudem irreführend und stützt in unverantwortlicher Weise wissenschaftsfeindliche Tendenzen.Nina Janich, Sprecherin der unabhängigen, sprachkritischen Aktion

Der Begriff sei gleich von mehreren Vertretern von Politik, Wirtschaft und Medien benutzt worden. Beispielsweise AfD-Politiker Alexander Gauland hatte im Juni vergangenen Jahres gesagt: "Die Klimahysterie der anderen Parteien wird die AfD nicht mitmachen." 

Kommentar: Das richtige Unwort, die falsche Bedeutung

Protestbewegung gegen Erderwärmung "hysterisch"?

An Belegen für die Erderwärmung und ihre dramatischen Folgen fehlt es schon lange nicht mehr. Wetterextreme nehmen zu. Deutschland hat im vergangenen Jahr den zweiten Dürre-Sommer in Folge erlebt. In manchen Teilen der Welt facht die Trockenheit immer größere Wald- und Buschbrände an – so wie derzeit in Australien. Die Ozeane werden immer wärmer. Die Politik in Deutschland und Europa schmiedet auch vor dem Hintergrund Hunderttausender demonstrierender junger Menschen der "Fridays-for-Future"-Bewegung um die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg milliardenschwere Klimaschutzprogramme. Einige Kritiker finden das – "hysterisch".

Weiterlesen: "Heißzeit" ist "Wort des Jahres 2018"

Umweltschützer und Linke froh über Wahl

Andere sehen in der Wahl der Jury indes den genau richtigen Fingerzeig. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) lobte insbesondere die Begründung der Jury: Es könne nicht sein, dass man notwendige Dinge als Hysterie bezeichnet – "also so tut, als wären wir krank". Auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) reagierte erfreut: "Klimahysterie hat es geschafft und ist das Unwort des Jahres. Die Jurybegründung unterschreiben wir", twitterte der Verein.

"Klimahysterie" als Unwort treffe den Nagel auf den Kopf, urteilte der klimapolitische Sprecher der Linken im Bundestag, Lorenz Gösta Beutin. Historisch verheerende Waldbrände von Australien bis Brasilien zeigten, die die Klimakrise Fakt und eine Bedrohung für den Großteil der Menschheit sei

Die "Unwörter" seit 1991

Zum "Unwort des Jahres" wird seit 1991 jedes Jahr ein Begriff gekürt, der gegen das "Prinzip der Menschenwürde" oder gegen "Prinzipien der Demokratie" verstößt, weil er gesellschaftliche Gruppen diskriminiere oder "euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend" sei. Die sprachkritische Aktion möchte damit auf unangemessenen Sprachgebrauch aufmerksam machen und so sensibilisieren. Reine Schimpfwörter zählen nicht. Die Jury richtet sich nicht nach der Menge der Vorschläge für ein einzelnes Wort.

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