Drei Millionen Menschen ohne Strom Notstand in Kalifornien: Verheerende Waldbrände in Weinbauregion

Die Flammen fressen sich über die Weinberge. Foto: AFP/Josh EdelsonDie Flammen fressen sich über die Weinberge. Foto: AFP/Josh Edelson
AFP/Josh Edelson

San Francisco. Seit Tagen wüten Waldbrände in Kalifornien: Dutzende Häuser wurden bislang zerstört, Zehntausende Menschen mussten vor den Flammen fliehen, Millionen wurde sicherheitshalber der Strom abgeschaltet. Entwarnung gibt es keine.

Verheerende Waldbrände, die durch Hitze, Trockenheit und die Santa-Ana-Winde angefacht werden, fressen sich weiter durch Teile Kaliforniens. Die seit Tagen wütenden Brände haben bereits Dutzende Häuser zerstört und Zehntausende Menschen in die Flucht getrieben. 

Am verheerendsten sei derzeit das "Kincade"-Feuer in Sonoma County, einer Weinbauregion rund 120 Kilometer nördlich von San Francisco, teilten die Behörden mit. Die Flammen breiteten sich auf einer Fläche von mehr als 100 Quadratkilometern aus – größer als die Fläche Manhattans. Am Sonntag waren die dortigen Brände nur zu zehn Prozent unter Kontrolle. 

Rund 185.000 Menschen waren aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen. Rund 80 Anwesen und mindestens zwei Weingüter brannten ab. Mehr als 3000 Helfer waren im Einsatz.

Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom hat am Sonntag (Ortszeit) den Notstand für den gesamten US-Bundesstaat ausgerufen. Die Behörden erwarten, das Feuer nicht vor dem 7. November vollständig eingedämmt zu haben.

Am Sonntag war nur etwa ein Fünftel des Feuers unter Kontrolle. Foto: AFP/ Josh Edelson

Fast eine Million Haushalte ohne Strom

Wegen der hohen Waldbrandgefahr begann der Energieversorger Pacific Gas & Electric (PG&E) am Samstagabend, fast einer Million Haushalte, das entspricht rund drei Millionen Menschen, in Nord- und Zentral-Kalifornien den Strom abzustellen. 940.000 Kunden müssen nach Angaben von PG&E bis Montag ohne Elektrizität auskommen – 90.000 mehr als zunächst geplant.

Gouverneur Gavin Newsom warf dem privaten Versorger PG&E vor, die Blackouts seien das Ergebnis von "jahrelanger Gier, jahrelangem Missmanagement". PG&E habe es versäumt, seine Anlagen zu modernisieren und sicherer zu machen, etwa durch Investitionen in unterirdische Kabel. Newsom kündigte an, das Unternehmen für die wirtschaftlichen Schäden und für die Kosten zur Kasse zu bitten.

Defekte Hochspannungsleitung als Brandursache?

Im vergangenen November hatten marode, beschädigte Stromleitungen von PG&E den verheerendsten Waldbrand in Kaliforniens Geschichte ausgelöst. Damals fielen insgesamt 86 Menschen den tödlichen Feuerwalzen zum Opfer. Ein Vorfall an einer Hochspannungsleitung des Energieversorgers könnte auch Auslöser des "Kincade"-Feuers im Bezirk Sonoma sein.

Mehr als 3000 Feuerwehrleute versuchen, den Waldbrand zu bremsen. Foto: dpa/Noah Berger/AP

Weitgehend Entwarnung gaben die Behörden unterdessen für den Süden des Bundesstaates. Rund 50.000 Menschen, die wegen des "Tick"-Feuers ihre Häuser rund um Santa Clara bei Los Angeles verlassen mussten, konnten am Wochenende wieder zurückkehren. 

Auch im mexikanischen Bundesstaat Baja California – mehrere Hundert Kilometer weiter im Süden – wüteten Waldbrände. Am stärksten betroffen war die Gemeinde Ensenada an der Pazifikküste, wie Mexikos Zivilschutzbehörde am Samstag mitteilte. Am Freitag waren bei Bränden in der Region drei Menschen ums Leben gekommen, vier wurden verletzt. Hunderte Soldaten waren zur Brandbekämpfung im Einsatz. 


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