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Eilantrag gegen Schließung Wilke-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs – Bericht über dritten Toten

Von dpa

Der hessische Wursthersteller Wilke musste seinen Betrieb schließen. Foto: imago images/Olaf DöringDer hessische Wursthersteller Wilke musste seinen Betrieb schließen. Foto: imago images/Olaf Döring 

Korbach/Berlin. Wegen tödlicher Keime in der Wurst muss die Firma Wilke schließen. Das Unternehmen wehrt sich gegen seine Schließung.

Im Skandal um mit Keimen belastete Wurst geht Hessens Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne) jetzt von drei Todesopfern aus. "Seit gestern wissen wir von drei Todesfällen", sagte sie am Freitag in Darmstadt. Nach einem Bericht des Robert-Koch-Instituts sind Patienten in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt "direkt oder indirekt an der Listeriose" verstorben. Der nordhessische Landkreis Waldeck-Frankenberg, der für die Überwachung und die Schließung der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH in Twistetal-Berndorf verantwortlich war, sprach bislang von zwei Opfern aus Südhessen.

Die Zukunft der 200 Beschäftigten des geschlossenen Fleischherstellers Wilke bleibt ungewiss. "Aktuell ist es das Wichtigste, dass die Mitarbeiter an ihr Geld kommen", erklärte Andreas Kampmann von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) am Donnerstag. So stünden noch viele Septemberlöhne aus. Wie und ob es für Wilke weitergehe, sei völlig unklar. Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet.

Zudem gibt es Berichten zufolge ein drittes Todesopfer. Spiegel online beruft sich dabei auf Informationen des Robert Koch-Instituts. Bei den drei Verstorbenen soll es sich um Menschen aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt handeln.

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Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung

In Wilke-Wurst waren wiederholt Listerien nachgewiesen worden. Die Keime können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem tödlich sein. Zwei Todesfälle in Hessen werden mit Waren der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH in Twistetal-Berndorf in Verbindung gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen des Verdachts fahrlässiger Tötung gegen den Geschäftsführer.

"Selbst mit ganz viel Wohlwollen fällt es mir schwer sich vorzustellen, wie man den Markennamen Wilke künftig noch platzieren will." Andreas Kampmann von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)

Laut Gewerkschaft ist die Geschäftsführung für Mitarbeiter nicht zu erreichen. Auf Presseanfragen reagiert Wilke nicht. Die Firma hat vorläufige Insolvenz angemeldet. "Aktuell ist die Gefahr groß, dass die Mitarbeiter ihre Jobs verlieren, wenn sich nicht schnell etwas was verändert", sagte NGG-Geschäftsführer Kampmann. Ein Investor könne den Betrieb wohl nur unter neuem Namen fortführen: "Selbst mit ganz viel Wohlwollen fällt es mir schwer sich vorzustellen, wie man den Markennamen Wilke künftig noch platzieren will."

Firma Wilke wehrt sich gegen Schließung

Unterdessen wehrt sich die Firma gegen die Schließung: Wilke habe am Donnerstag beim Verwaltungsgericht Kassel einen Eilantrag eingereicht, sagte ein Gerichtssprecher. Dieser richte sich gegen die Anordnung des Landkreises Waldeck-Frankenberg, der die Produktion gestoppt hatte. Ziel sei, den Betrieb fortführen zu können.

Im Juni noch mit IFS-Prüfzertifikat ausgezeichnet

Noch im Juni ist das Unternehmen offenbar legal an ein IFS-Prüfzertifikat des Lebensmittelhandels gekommen. Wilke habe der Prüfungsgesellschaft DQS die nötigen Unterlagen wie Laboranalysen, Inspektionsberichte und Besuchsprotokolle der Lebensmittelaufsicht vorgelegt, sagte Stephan Tromp, Geschäftsführer der Dachorganisation IFS-Management: "Insofern gehen wir nach derzeitigem Sachstand nicht davon aus, dass DQS von Wilke getäuscht wurde."

Allerdings nutzte das Unternehmen laut Tromp eine legale Möglichkeit, sich auf den Besuch der Prüfer vorzubereiten: Es wählte eine Prüfvariante, bei der sich die Kontrolleure anmelden.


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