Max-Planck-Institut Forschung zeigt: Wer in Deutschland das höchste Sterberisiko hat

Arme und arbeitslose Menschen haben ein höheres Sterberisiko. Foto: dpa/Stephanie PilickArme und arbeitslose Menschen haben ein höheres Sterberisiko. Foto: dpa/Stephanie Pilick

Schwerin/Rostock. Wissenschaftler haben ermittelt, wie stark die Sterblichkeit in Deutschland von Bildung, Einkommen und Beschäftigungsstatus abhängt.

Dass arme und arbeitslose Menschen das höchste Sterberisiko haben, klingt nicht neu. Doch belastbar berechnet worden ist es erst jetzt: Wissenschaftler des Rostocker Max-Planck-Instituts für demografische Forschung haben aus Daten der Deutschen Rentenversicherung von 27 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ermittelt, wie stark die Sterblichkeit in Deutschland von Bildung, Einkommen und Beschäftigungsstatus abhängt.

Danach verdoppelt sich das Sterberisiko, wenn die oder der Betroffene seine Arbeit verliert. Noch wichtiger ist das Einkommen, vor allem für Männer, so die Rostocker Forscher Pavel Grigoriev, Rembrandt Scholz und Vladimir M. Shkolnikov: Die Sterblichkeit des am schlechtesten verdienenden Fünftels lag um 150 Prozent über dem jenes Fünftels der Männer, die am besten verdienen. Sehr viel geringer ist dagegen der Einfluss der Bildung auf die Wahrscheinlichkeit zu sterben: Er liegt bei lediglich 30 Prozent.

Erstmals sichere Datenbasis

"Zum ersten Mal stehen wir auf sicherer Datenbasis, wenn wir die einzelnen Faktoren und ihren Einfluss auf die Sterblichkeit in Deutschland bewerten", so Grigoriev. Ähnliche Untersuchungen für Deutschland nutzten bisher wesentlich kleinere Datensätze, die aus Forschungsumfragen stammten und daher weniger aussagekräftig waren.

Einen verschwindend geringen Einfluss auf das Sterberisiko hat die Wohnregion, haben Grigoriev und Kollegen ermittelt. Zwar sei die Wahrscheinlichkeit zu sterben für Männer im Osten um ein Viertel höher als für ihre Geschlechtsgenossen im Westen. Rechne man aber die Einflüsse von Arbeitslosigkeit, Bildung, Einkommen und Nationalität heraus, verschwinde die Differenz aber: Dass die Sterblichkeit bei Männern hier höher ist, liegt ganz einfach daran, dass es im Osten mehr Arbeitslose, Arme und geringer Gebildete gibt. Hier zählen 14 Prozent der Männer zur untersten Bildungs- und Einkommensschicht, ihr Sterberisiko ist mehr als achtmal so hoch wie das der Männer in der höchsten Einkommens- und Bildungsschicht. In Westdeutschland ist die am stärksten benachteiligte Gruppe der Männer mit rund elf Prozent Bevölkerungsanteil kleiner, sie ist mit einem gut fünfmal so hohen Sterberisiko weniger benachteiligt.

Bei Frauen, so die Max-Planck-Forscher, sind die Einflüsse des Einkommens auf das Sterberisiko weniger stark ausgeprägt. Die Faktoren Arbeitslosigkeit und Bildung wiegen aber genauso schwer wie bei Männern.


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