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Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt Lkw-Zwischenfall in Limburg: Haftbefehl gegen Fahrer erlassen

Von dpa

Polizisten untersuchen den Lkw, mit dem in Limburg acht Menschen verletzt wurden. Foto: AFP/Yann SchreiberPolizisten untersuchen den Lkw, mit dem in Limburg acht Menschen verletzt wurden. Foto: AFP/Yann Schreiber 

Limburg. Im hessischen Limburg ist ein Lastwagenfahrer auf mehrere Autos aufgefahren. Es gibt Spekulationen über einen terroristischen Hintergrund. Die Behörden ermitteln wegen eines versuchten Tötungsdelikts.

Ein Mann stiehlt in der Innenstadt von Limburg einen Lastwagen, rammt mehrere Autos und verletzt acht Menschen: Wegen der Tatvorwürfe versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr ist am Dienstag Haftbefehl gegen einen 32-jährigen Tatverdächtigen erlassen worden.

Der Syrer sitzt in Untersuchungshaft, wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Abend sagte. Zu den Hintergründen der Gewalttat und zum Motiv des Mannes machte der Sprecher keine Angaben.

"Auch wenn der Tathergang an die schrecklichen Anschläge von Nizza oder Berlin erinnert, ist das Motiv des festgenommenen Mannes nach wie vor unklar", erklärte Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU). Der tatverdächtige Syrer habe nach derzeitigen Erkenntnissen keine Verbindungen in die gewaltbereite islamistische Szene gehabt.

Die für Terrorermittlungen zuständige Bundesanwaltschaft verzichtete am Dienstag darauf, den Limburger Fall an sich zu ziehen. Man habe das Geschehen aber im Blick und stehe in engem Kontakt mit den hessischen Strafverfolgungsbehörden, sagte ein Sprecher der Karlsruher Behörde auf Anfrage.

Was über den Tatverdächtigen bekannt ist

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur war der 32-Jährige, der seit 2015 in Deutschland lebt und seit 2016 einen subsidiären, also eingeschränkten Schutzstatus hat, bisher mit Drogendelikten und Gewaltkriminalität aufgefallen. Es lägen noch keine gesicherten Erkenntnisse dazu vor, ob der Mann vor der kurzen Fahrt mit dem Sattelzug in Limburg Drogen oder Alkohol konsumiert hatte, sagte der Sprecher der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft.

Der 32-Jährige war am späten Montagnachmittag in der hessischen Kleinstadt mit einem gestohlenen Lastwagen auf acht Autos aufgefahren und hatte sie ineinander geschoben. Dabei wurden neben dem Täter acht Menschen leicht verletzt. Der Täter hatte den eigentlichen Fahrer des Lastwagens laut Generalstaatsanwaltschaft gewaltsam aus der Fahrerkabine gezogen.

Nach dpa-Informationen besaß der Syrer eine Aufenthaltserlaubnis, die am 1. Oktober abgelaufen war. Ob er sich bei der zuständigen Behörde bereits um Verlängerung gekümmert hatte, war zunächst nicht bekannt. Angaben soll der 1987 geborene Syrer noch keine gemacht haben.

Foto: dpa/Thorsten Wagner

Der Festgenommene hatte nach Erkenntnissen der Behörden keine Kontakte zu militanten Salafisten oder anderen Extremisten. Der 1987 geborene Syrer soll bisher noch keine Aussage gemacht haben.

In der Nacht zum Dienstag durchsuchte die Polizei nach Angaben der Ermittler die Wohnung des Verdächtigen im südhessischen Langen – rund 80 Kilometer von Limburg entfernt. An der Aktion war laut Polizeipräsidium Südosthessen ein Spezialeinsatzkommando beteiligt.

Eine weitere Wohnung eines Angehörigen der Familie des Verdächtigen wurde laut Generalstaatsanwaltschaft im Kreis Limburg-Weilburg durchsucht - wo genau, wollte die Behörde nicht sagen. Es seien unter anderem Mobiltelefone und USB-Sticks sichergestellt worden. Bei dem Familienangehörigen soll es sich Ermittlerkreisen zufolge um den Cousin des 32-Jährigen handeln. Der Beschuldigte habe sich nach derzeitigem Stand vor der Tat beim Familienangehörigen aufgehalten, dieser sei wiederum am Montag ebenfalls in Tatortnähe gewesen.

Tatverdächtiger war der Polizei bekannt

Ende August war der 32-Jährige im nordrhein-westfälischen Moers bei der Polizei wegen eines Körperverletzungsdeliktes auffällig geworden. Nach dpa-Informationen hatte der Syrer am 31. August auf einer Kirmes eine 16-Jährige belästigt, es kam zu einem Gerangel mit der Mutter des Mädchens. Der 32-Jährige bekam daher eine Anzeige wegen Körperverletzung. Zunächst hatte bild.de über diese Ermittlungen berichtet. Zu dem Vorfall in Limburg hieß es in Sicherheitskreisen, für ein terroristisches Motiv gebe es bislang keine Hinweise. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte am Vormittag in Luxemburg auf die Frage nach möglichen Hinweisen auf einen Terroranschlag: "Da wird ermittelt, und ich kann Ihnen zur Stunde noch nicht sagen, wie diese Tat zu qualifizieren ist."

"Keine Anhaltspunkte für terroristischen Hintergrund"

"Meine letzte Information ist die, dass nach dem momentanen Stand es keine Anhaltspunkte gibt für einen terroristischen Hintergrund", erklärte Seehofer. "Ich sage ausdrücklich: nach dem momentanen Stand. Trotzdem bleibt es eine grausame Sache, wo ich nur den Verletzten wünschen kann, dass sie genesen. Wir bleiben aber natürlich dahinter und leuchten das ganze Umfeld aus."

Polizisten waren zufällig am Tatort

Drei Bundespolizisten im ersten Dienstjahr hatten den Tatverdächtigen am Montag festgenommen. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag erfuhr, leistete er bei der Festnahme Widerstand. Die Polizisten erlitten leichte Verletzungen. Der Täter hatte den eigentlichen Fahrer des Lastwagens laut Generalstaatsanwaltschaft gewaltsam aus der Fahrerkabine gezogen. Dann fuhr er mit dem Laster wenige Meter, bis er nahe einer Kreuzung ungebremst auf vor ihm stehende Fahrzeuge auffuhr. Sieben Pkw und ein Kleintransporter wurden zusammengeschoben. Bundespolizisten, die zufällig in ihrer Freizeit in der Nähe waren, nahmen den Syrer fest.

Den Angaben zufolge waren die Polizeimeisteranwärter zum Zeitpunkt des Zwischenfalls in der Freizeit zusammen unterwegs und trugen daher keine Uniform. Sie hielten sich gemeinsam mit neun anderen jungen Bundespolizisten zufällig in der Nähe des Tatorts auf. Die jungen Polizisten – elf Männer und eine Frau – leisteten auch Erste Hilfe

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) lobte den Einsatz. In einem Schreiben Seehofers an die Bundespolizisten vom Dienstag heißt es: "Für dieses entschlossene und umsichtige Eingreifen danke ich Ihnen ausdrücklich." Die schnelle Festnahme habe es ermöglicht, dass die Sicherheitsbehörden jetzt zügig die Hintergrund der Tat aufklären könnten.

Am späten Montagnachmittag war der Tatverdächtige mit einem gestohlenen Lastwagen in der Innenstadt von Limburg auf acht Autos aufgefahren und hatte sie ineinander geschoben. Neun Menschen wurden leicht verletzt – darunter auch der Fahrer, den die Polizei danach festnahm. Zuvor hieß es, es habe 17 Verletzte gegeben. 

Foto: AFP/Yann Schreiber

Bürgermeister "geschockt"

Der Bürgermeister von Limburg, Marius Hahn (SPD), sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Ich bin geschockt und in meinen Gedanken bei den verletzten Unfallopfern und deren Familien."

Die „Frankfurter Neue Presse" zitierte den eigentlichen Fahrer des Lasters: „Mich hat ein Mann aus meinem Lkw gezerrt." Als er vor einer roten Ampel wartete, habe der Unbekannte die Fahrertür des Lkw aufgerissen und ihn mit weit geöffneten Augen angestarrt, so der Fahrer. „Was willst Du von mir?", habe er den Mann gefragt. „Aber er hat kein Wort geredet. Ich habe ihn noch mal gefragt. Dann hat er mich aus dem Lkw gezerrt", heißt es weiter in dem Bericht.


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