Auftritt bei "Bits & Pretzels" Barack Obama in München: "Es gibt überall Gretas"

Von dpa

Barack Obama bei der Gründermesse "Bits & Pretzels" 2019. Foto: AFP/Christof StacheBarack Obama bei der Gründermesse "Bits & Pretzels" 2019. Foto: AFP/Christof Stache

München. Der einst mächtigste Mann der Welt, Barack Obama, war zu Gast in München. Bei einem Auftritt auf der Gründemesse "Bits & Pretzels" verteilte der ehemalige US-Präsident Lob für Klimaaktivistin Greta Thunberg.

Ob die Münchner nach dem Besuch von Barack Obama (58) wohl enttäuscht sind? Der ehemalige US-Präsident sprach am Sonntag bei der Gründerkonferenz "Bits & Pretzels" in der bayerischen Landeshauptstadt. Ein Versprechen, das Obama noch zu aktiven Regierungszeiten abgegeben hatte, löst er allerdings nicht ein. Erfreut dürften hingegen die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg und ihre Mitstreiter sein: erneut erhielten sie Lob vom Trump-Vorgänger. 

Obama behauptete, dass er vermutlich vor allem deshalb in München sei, weil sein Team gerne auf das Oktoberfest gehen wolle. Für ihn selbst sei der Besuch des Festes schwierig. "Der Secret Service wird etwas nervös", sagte er. Aber vielleicht könne er sich verkleiden – mit einem falschen Bart beispielsweise.

Obama trägt Lederhose

Entgegen der Hoffnung vieler Münchner besuchte Obama das Oktoberfest aber nicht. Der ehemalige US-Präsident habe Deutschland am Sonntagnachmittag wieder verlassen, hieß es von der Münchner Polizei. 

Immerhin hatte Obama aber schon in bayerischer Kluft posiert – zumindest vor dem eigenen Spiegel. "Man hat mir eine Lederhose gegeben, und ungestört in meinem Hotel habe ich sie anprobiert", sagte Obama bei der Eröffnung der Gründermesse "Bits & Pretzels". "Ich fand, ich sah ziemlich gut aus. Ich werde sie für Michelle tragen." 

Clintons beim Oktoberfest

Obama, der von 2009 bis 2017 Präsident der Vereinigten Staaten war, hatte vor drei Jahren angekündigt, das größte Volksfest der Welt nach seiner Amtszeit besuchen zu wollen. "Ich bin noch nie beim Oktoberfest in Deutschland gewesen, das heißt: Ich muss noch mal wiederkommen. Wahrscheinlich macht es mehr Spaß, wenn ich kein Präsident mehr bin", sagte er im Jahr 2016. 

Obama wäre nicht der erste Ex-Präsident auf der Wiesn gewesen. Im vergangenen Jahr hatte Bill Clinton (73) zusammen mit Ehefrau Hillary (71) das Oktoberfest besucht. Bill in der Lederhose und Hillary ohne Tracht im Blazer waren abgeschirmt in das bei Prominenten traditionell beliebte Käferzelt eskortiert worden.

Foto: imago images/Overstreet

Rede bei "Bits & Pretzels"

Zwei Jahre hatten die Veranstalter von "Bits & Pretzels" nach eigenen Angaben dafür gekämpft, Obama nach München zu holen. Sie haben den Vorgänger von Donald Trump eingeladen, in einem moderierten Gespräch über seine Zeit im Amt und über Führung in der Welt sprechen.

Als Obama vor der Wahl stand, weiter für seine Gesundheitsreform zu kämpfen oder angesichts des heftigen Gegenwindes von Seiten der Republikaner die Segel zu streichen, da fragte ein Mitarbeiter ihn: "Mr. President, sind Sie zuversichtlich?" Er habe ihn daraufhin daran erinnert, wie er mit vollem Namen heiße: Barack Hussein Obama nämlich. "Wenn Dein Name Barack Hussein Obama ist und Du im Weißen Haus bist, dann musst Du optimistisch sein." Ohne Optimismus, so der frühere US-Präsident, wäre er niemals dorthin gekommen.

Obama hatte die Geschichte schon öfter erzählt. Ihm liegt vor allem eine Botschaft am Herzen: In Zeiten antidemokratischer Tendenzen in westlichen Demokratien, in Zeiten von Rechtsruck und Populismus gibt es aus seiner Sicht noch immer genug Grund zu hoffen, genug Grund, ein Optimist zu bleiben.

Lob für Greta Thunberg

Der Grund, das macht Obama bei "Bits & Pretzels" erneut deutlich, sei nicht seine Generation oder die seines Nachfolgers Donald Trump, den er – mal wieder – mit keiner Silbe direkt erwähnt. Es ist die Generation Greta Thunberg. Die junge Schwedin habe sich einer "monumentalen" Aufgabe gestellt, die eigentlich andere bewältigen müssten. "Sie ist sehr jung, um diese Bürde zu tragen. Eine 16-Jährige sollte das nicht tun müssen", sagt Obama. "Wir sollten es jungen Leuten nicht so schwer machen." Sie würden immer wieder aufgehalten – "von alten Leuten wie mir".

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Greta erinnere daran, "dass diejenigen unter uns, die behaupten, Erwachsene zu sein, unserer Verantwortung oft nicht gerecht werden". Und das gelte nicht nur für die Schwedin, sondern für Idealisten überall auf der Welt.  "Ich sehe Mut, und ich sehe Innovation, und ich sehe Idealismus", sagt Obama. Die jungen Leute wüssten, dass es auf sie ankomme. "Darum zähle ich auf sie."

"Es gibt überall Gretas."Barack Obama

Trump als pinker Elefant im Raum

Er beobachte, dass Ideale wie Humanismus und Menschenwürde heute infrage gestellt würden. "Wir müssen die Idee von Demokratie und Menschenrechten wiederbeleben", fordert er. Ebenso den Glauben an die Gleichheit der Geschlechter, der freien Rede. Das Wichtigste sei aber, den Wert von Fakten wiederherzustellen. Was passiere, wenn der Staat keine Regeln habe, sehe man an sogenannten failed states. Wie es gut laufe, sehe man in Singapur, in Norwegen "und in den USA als wir noch – Sie wissen schon – die richtigen Dinge getan haben". Wieder kein Wort über Trump direkt, und doch ist er an diesem Vormittag der pinke Elefant im Raum, wie meistens wenn sein Vorgänger öffentlich spricht.

Als Grund für den Rechtsruck in westlichen Demokratien sieht Obama auch Versäumnisse der Politik. "Eine gewisse Arroganz hatte sich eingeschlichen, bei denjenigen, die in westlichen Demokratien verantwortlich waren", ist er überzeugt. Sie hätten die Ängste einiger Menschen nicht ernst genommen. Aber: "So hart wie die Dinge sind, wir waren nie besser ausgebildet, reicher, gesünder, weniger gewalttätig, toleranter." Skandinavische Länder seien da besonders gut. Auszuwandern sei für ihn trotzdem keine Alternative: "Ich muss die Vereinigten Staaten dazu bringen, es besser zu machen."


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