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Schulen geschlossen Nordfrankreich: Großbrand in als gefährlich geltendem Chemiewerk

Über der Fabrik und dem angrenzenden Gebiet stand eine riesige Rauchwolke. Foto: afp/Jean-Jacques GanonÜber der Fabrik und dem angrenzenden Gebiet stand eine riesige Rauchwolke. Foto: afp/Jean-Jacques Ganon
afp/Jean-Jacques Ganon

Rouen. In einem als besonders gefährlich geltenden Chemiewerk in der nordfranzösischen Stadt Rouen ist am Donnerstag ein Großbrand ausgebrochen, der auch die Wasserqualität der Seine bedroht.

Riesige schwarze Rauchwolken über Rouen in der Normandie: Wegen eines Feuers in einer Chemiefabrik haben die Behörden in der nordfranzösischen Stadt sowie umliegenden Gemeinden Schulen und Kinderkrippen geschlossen. Das Innenministerium forderte die Bürger auf, so weit wie möglich in Gebäuden zu bleiben und sich nicht dem Rauch auszusetzen. Menschen kamen zunächst nicht zu Schaden.

Französische Medien berichteten von riesigen Flammen und Explosionen in der Fabrik des Unternehmens Lubrizol, das Zusatzmittel für Öle herstelle. Der Brand sei inzwischen unter Kontrolle, aber noch nicht gelöscht. Die Produktionsanlage liegt wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.

Die Fabrik gehört nach Behördenangaben in die sogenannte Seveso-Kategorie von gefährlichen Standorten, die besonders überwacht werden. Im italienischen Seveso bei Mailand war es 1976 zu einem verheerenden Chemieunfall gekommen.

Eine Frau in Rouen schützt sich vor der durchs Feuer verschmutzten Luft. Foto: afp/Lou Benoist

Über der Fabrik und dem angrenzenden Gebiet, in dem rund 500.000 Menschen leben, stand eine riesige Rauchwolke. In der Luft lag ein beißender Gestank, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Nicht der erste Zwischenfall in der Fabrik

"Oberste Priorität haben die Innenanlagen des Unternehmens", sagte Feuerwehrchef Jean-Yves Lagalle. Es handele sich um ein "extrem gefährliches Feuer für die Einsatzkräfte", das nur mit einem Schaumkonzentrat gelöscht werden könne. Einige Chemikalien seien vorsichtshalber aus der Fabrik entfernt worden, sagte Einsatzleiter Marc Vitalbo. Die Feuerwehr war mit rund 200 Löschfahrzeugen im Einsatz.

Der Präfekt der Region Normandie, Pierre-André Durand, sagte dem Nachrichtensender Sender BFMTV, es sei zunächst keine "hohe Giftigkeit" in Proben festgestellt worden. Eine Verschmutzung des nahe gelegenen Flusses Seine könne aber nicht ausgeschlossen werden.

Der Brand sei am frühen Morgen gegen 02.40 Uhr ausgebrochen, berichteten die Behörden. Die Ursache blieb zunächst unklar. Rauchwolken zogen in nordöstliche Richtung. Es könnte auch in benachbarten Gemeinden ein unangenehmer Geruch auftreten. Rouen ist eine regionale Metropole und liegt an der Seine zwischen Paris und der Hafenstadt Le Havre.

In dem Werk arbeiten rund 400 Menschen. Die Chemiefabrik sorgte bereits in der Vergangenheit für Schlagzeilen, etwa als 2013 durch ein Leck das Gas Methanthiol entwich und die Umgebung weitreichend nach faulen Eiern roch. Im Jahr 2015 flossen nach einem Betriebsunfall rund 2000 Liter Mineralöl ins Abwassersystem der Stadt.


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