Stahlmanufaktur in der Kritik "Paddel für den Weg nach Afrika": Rassistisches Video sorgt für Aufregung

Von vim

Laut dem Geschäftsführer ist der junge Mann nicht der erste Flüchtling, den er bei sich ausbildet. (Symbolbild) Foto: picture alliance/Andreas Arnold/dpaLaut dem Geschäftsführer ist der junge Mann nicht der erste Flüchtling, den er bei sich ausbildet. (Symbolbild) Foto: picture alliance/Andreas Arnold/dpa
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Sinsheim. Es sei nur ein dummer Scherz unter Kollegen gewesen: Ein Unternehmen aus Baden-Württemberg muss sich im Internet der Kritik vieler Menschen stellen. Anlass ist ein Video aus dem Betrieb.

Im Internet sorgt ein Video aus der Stahlmanufaktur Hammer in Baden-Württemberg für Aufregung. Darin zu sehen ist ein dunkelhäutiger Mann, der in dem Unternehmen arbeitet, und sich mit einem Kollegen, der die Szene filmt, unterhält. Nach Schwetzingen möchte er mit seinem Kollegen fahren, zu Decathlon, dort gäbe es Sportbekleidung und Zubehör, so der Mann hinter der Kamera. Nein, sagt der junge Mann immer wieder. Er brauche nichts, er habe genug. "Wir kaufen dir zwei Paddel. Irgendwie musst du ja zurück von Italien nach Afrika", so der Ersteller des Videos. Sein Kollege scheint ihn nicht richtig zu verstehen, sagt nur noch zu allem ja und arbeitet weiter. Beginnen soll das Video angeblich mit einem "Hey Buschmann", was online aber nicht zu hören ist.

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Auf Twitter sind viele geschockt von dem deutlichen Rassismus, der aus den Worten herausklingt. In den Kommentaren mischen sich ernste Befürchtungen zum Umgang mit dem jungen Flüchtling mit Gewaltandrohungen und Hasstiraden. Die Telefonnummer des Unternehmens aus Sinsheim wird verbreitet, in der Google-Bewertung bekommt die Firma nur noch einen von fünf möglichen Sternen – eine typische Entwicklung, wenn auf die Fehltritte eines Unternehmens aufmerksam gemacht wurde. 

Nur ein Scherz unter Kollegen?

"Derzeit kursiert in den Social-Media-Kanälen ein Video mit diskriminierenden Aussagen in Bezug auf einen unserer Mitarbeiter", schreibt der mittelständische Handwerksbetrieb in einer Stellungnahme auf seiner Homepage. "Wir distanzieren uns in aller Form von den Inhalten dieses Videos. Wir verurteilen das Erstellen, sowie die Verbreitung, der im Video gezeigten Inhalte. Das Video gibt in keiner Weise die Unternehmenskultur wieder, die in unserem Unternehmen seit Unternehmensgründung gelebt wird."

Gegenüber der "Heilbronner Stimme" bestätigt Geschäftsführer Thomas Hammer, dass der entsprechende Mitarbeiter abgemahnt worden sei. Der von ihm gedemütigte Mitarbeiter sei seit einem Jahr im Unternehmen und mache eine Ausbildung zum Metallbau-Konstruktionstechniker, so Hammer. Eigentlich hätten die Kollegen ein gutes Verhältnis zueinander. Der Urheber des Videos sei "am Boden zerstört". 

Angeblich sei die Situation aus einem Spaß heraus entstanden: Der Auszubildende habe im Scherz gesagt, er brauche neue Schuhe, um zurück nach Afrika laufen zu können. Der Geschäftsführer bestätigte gegenüber der Zeitung, dass der Angesprochene aufgrund seiner Deutschkentnisse wahrscheinlich den Sinn der an ihn gerichteten Worte gar nicht verstanden habe. 


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