zuletzt aktualisiert vor

Nach Wohnungsdurchsuchung Tödlicher SUV-Unfall in Berlin: Anwalt des Fahrers gibt Erklärung ab

Von dpa

Ein Auto war an der Ecke Invalidenstraße/Ackerstraße auf einen Gehweg gefahren und hat vier Menschen überrollt. Foto: dpa/Jörg CarstensenEin Auto war an der Ecke Invalidenstraße/Ackerstraße auf einen Gehweg gefahren und hat vier Menschen überrollt. Foto: dpa/Jörg Carstensen

Berlin. Auch der Anwalt des SUV-Fahrers spricht von einem akuten gesundheitlichem Problem. Zuvor hatte die Polizei die Wohnung des Mannes durchsucht.

Nach dem SUV-Unfall mit vier Toten in Berlin hat der Anwalt des Fahrers der Berliner Staatsanwaltschaft einem Bericht zufolge eine erste Stellungnahme vorgelegt. "Die Hinweise und Spekulationen, wie sie von Anfang an bestanden, haben sich derzeit weiter konkretisiert", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft am Montagabend der RBB-Abendschau. Der Anwalt habe in dem Schreiben "in der Tat bestätigt, dass eine akute gesundheitliche Problematik Ursache des Unfall gewesen sein könnte".

Die Polizei hatte zuvor die Wohnung des Fahrers durchsucht. Die Durchsuchung erfolgte bereits am Freitag, wie eine Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft am Montag der Deutschen Presse-Agentur sagte. "Dabei wurden Beweismittel sichergestellt. Sie müssen jetzt ausgewertet werden." 

Die Durchsuchung hängt mit dem Hinweis auf einen epileptischen Anfall des Fahrers am Steuer zusammen. Die Beifahrerin hatte diesen direkt nach dem Unfall der Polizei gegeben. An die Patientenakte des Mannes kommt die Polizei nicht heran, weil für die Akte wegen der ärztlichen Schweigepflicht ein sogenanntes Beschlagnahmeverbot gilt. Der Fahrer könnte die Akte freigeben – was er bislang aber nicht getan hat.

Fahrer wohnt in der Nähe der Unfallstelle

Ob die Staatsanwaltschaft Medikamente oder auch Computer oder Handys beschlagnahmte, wurde nicht gesagt. Die Wohnung des Fahrers liegt nicht sehr weit von Unfallstelle in Berlin-Mitte entfernt, wie der Sender RTL berichtete.

Eine Ermittlungsgruppe der Polizei soll im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Umstände des Unfalls an der Kreuzung Invalidenstraße und Ackerstraße aufklären.

Am 6. September war das Auto an einer Kreuzung in Berlin über die Gegenfahrbahn hinweg von der Straße abgekommen. Der SUV rammte eine Ampel, überfuhr vier Menschen auf dem Gehweg und durchbrach einen Bauzaun. Unter den vier Todesopfern war auch ein dreijähriger Junge.

Zehntausend Berliner für Verkehrsberuhigung

Einen Aufruf im Internet, in dem die Einrichtung einer Tempo-30-Zone, Zebrastreifen und Ampeln zur Verkehrsberuhigung für die Umgebung des Unfallortes gefordert wird, unterzeichneten bis Montagmittag fast 10.000 Menschen.

Der Verkehr in der Invalidenstraße habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen, schrieb der Initiator, ein mehrfacher Vater und Anwohner. Sichere Wege für Schul- und Kita-Kinder seien dringend nötig.

Am Sonntag hatte die Polizei in der Invalidenstraße in der Nähe der Unfallstelle eine der neuen mobilen Radarfallen aufgestellt. Die Blitzgeräte, die in große Anhänger eingebaut sind, können über viele Stunden autonom den Autoverkehr überwachen und zu schnell fahrende Autos fotografieren, ohne dass Polizisten dafür eingesetzt werden müssen.

An der Unfallstelle lagen auch am Wochenende weiterhin Blumen und standen Kerzen. Trauernde hatten ein Foto der beiden jungen Männer aufgehängt, die getötet wurden. Darunter stand auf katalanisch "Per sempre més enamorats" (deutsch: Für immer verliebt).


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN