Größe, Ursache, Auswirkungen Sind 74.000 Waldbrände am Amazonas ungewöhnlich? Die wichtigsten Fragen und Antworten

Ein Feuer brennt im Bundesstaat Tocantins in der Nähe von Palmeiropolis. Foto: dpa/Dida Sampaio/AGENCIA ESTADOEin Feuer brennt im Bundesstaat Tocantins in der Nähe von Palmeiropolis. Foto: dpa/Dida Sampaio/AGENCIA ESTADO

Rio de Janeiro. Seit Beginn des Jahres wurden am Amazonas mehr als 74.000 Waldbrände gezählt. Was hat die Feuer ausgelöst, welche Auswirkungen haben sie – und sind sie überhaupt ungewöhnlich? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Seit Wochen steht der brasilianische Regenwald in Flammen, die Rede ist von den schwersten Bränden seit Jahren. Unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron wollen das Thema am Wochenende mit auf die Agenda des G7-Gipfels nehmen, Macron spricht von einer "internationalen Krise". 

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Doch sind Feuer im Amazonas grundsätzlich ungewöhnlich? Wie groß sind sie, was ist die Ursache und welche Auswirkungen sind zu befürchten? Die wichtigsten Fragen und Antworten. 

Sind die Waldbrände ungewöhnlich?

Im tropischen Regenwald sind Waldbrände aufgrund der hohen Feuchtigkeit eher ungewöhnlich. Doch mit Beginn der Trockenperiode im Juli und August steigt das Risiko und so kommt es um diese Zeit auch jedes Jahr zu Bränden. Die meisten davon verlöschen in der Regel im November.

Wie groß sind die Feuer?

Die Brände haben in diesem Jahr vergleichsweise früh ein enormes Ausmaß angenommen: Das National Institute for Space Research registrierte anhand von Satellitenbildern seit Anfang des Jahres mehr als 74.000 Feuer – und damit die höchste Zahl seit 2013. Im vergangenen Jahr gab es insgesamt knapp 40.000. 

Dieses Satelliten-Foto zeigt die Brände im brasilianischen Bundesstaat Pará. Foto: dpa/picture alliance/Planet Labs Inc.

Betroffen sind vor allem die brasilianischen Bundesstaaten Roraima und Rondônia, außerdem wurden Brände aus Mato Grosso und Pará sowie den Nachbarländern Paraguay und Bolivien gemeldet. Laut Schätzungen von Experten liegt die Entwaldungsrate der vergangenen zwölf Monate im Amazonas zwischen 20 und 30 Prozent höher als in den vorangegangenen zwölf Monaten. 

Spielt der Klimawandel eine Rolle? 

Wie der Klimaforscher Carlos Nobre von der Universität São Paulo sagt, verlaufe die Trockenperiode in der Region normal, ebenso seien die Winde nicht ungewöhnlich. Anders ist es beispielsweise in Sibirien, wo eine ungewöhnliche Trockenheit und Hitze die Brände begünstigt hätten. In beiden Fällen aber hätten die Feuer einen messbaren Verstärkungseffekt auf die Erderwärmung. 

Was ist der Auslöser für die Brände?

Die meisten Brände werden von Landwirten gelegt, um Acker- und Weideland zu gewinnen. Bei der Brandrodung werden zunächst Bäume gefällt und nachdem diese dann zwei bis drei Monate ausgetrocknet sind, werden sie angezündet. In einigen Bundesstaaten ist das allerdings während der Zeit von Mitte Juli bis Mitte September verboten. 

Gab es bereits Todesopfer?

Offizielle Meldungen über menschliche Todesopfer gab es bislang nicht, aber die Feuer haben sich inzwischen sehr nah bewohnten Gebieten genähert. Zudem sterben in den Flammen zahlreiche Tiere, die nicht rechtzeitig vor den Flammen fliehen können. 

Ist die Politik mitverantwortlich? 

Carlos Nobre und andere Experten beklagen, dass Brasiliens Staatspräsident Jair Bolsonaro die Landwirte dazu ermutigt, Brandrodung zu betreiben und so den Wald zu zerstören. Er hatte nach seinem Amtsantritt angekündigt, dass die Amazonasregion stärker für Landwirtschaft und Bergbau erschlossen werden soll. Zudem sollen Verstöße gegen Rodungsverbote unter seiner Präsidentschaft nicht so stark geahndet werden. 


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