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Verheerendes Feuer am Amazonas Brasiliens Regenwald brennt: Interaktive Karten zeigen Ausmaß der Katastrophe

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar 2019 sollen die Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent zugenommen haben. Foto: dpa/Leo Correa/APIn Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar 2019 sollen die Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent zugenommen haben. Foto: dpa/Leo Correa/AP 

Rio de Janeiro. Tausende Feuer brennen im Amazonasgebiet, schwarzer Regen fällt in São Paulo: In Brasilien brennt es so heftig wie seit Jahren nicht. Auf diesen Karten sehen Sie das Ausmaß der verheerenden Brände.

In Brasilien steht der Wald in Flammen. Seit Wochen wüten Tausende Feuer im Amazonasgebiet und den angrenzenden Steppengebieten. Die Flammen fressen sich durch das Unterholz, verzehren Bäume und Sträucher und hinterlassen nichts als verbrannte Erde.

Noch nie hat es so viel gebrannt. Noch nie ist es uns so schwergefallen, zu atmen. Das macht uns Angst.Sagt die Bürgermeisterin der Ortschaft Brasiléia im Bundesstaat Acre, Fernanda Hassem

Lesen Sie dazu: Sind 74.000 Waldbrände am Amazonas ungewöhnlich? Die wichtigsten Fragen und Antworten

Selbst im fast 2000 Kilometer von den Brandherden entfernten São Paulo sind die Auswirkungen zu spüren: Mitten am Tag verdunkelte sich der Himmel über der Millionenmetropole und es fiel schwarzer Regen. Untersuchungen von zwei Universitäten bestätigten, dass das Regenwasser Brandrückstände enthält, wie das Nachrichtenportal G1 berichtete.

Laut einem Bericht der Zeitung "Folha de S. Paulo" haben die Brände, Feuer und Brandrodungen in Brasilien seit Januar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent zugenommen. Insgesamt seien 72.843 Brände registriert worden. Meist seien Flächen in Privatbesitz betroffen, aber auch in Naturschutzgebieten und indigene Ländereien brenne es immer wieder.  

Alle Brände im Amazonasgebiet werden auf die eine oder andere Weise von Menschen verursacht. Ricardo Mello, Leiter des Amazonasprogramms der Umweltorganisation WWF

Häufig würden Farmer zunächst die Bäume abholzen und dann Feuer legen, um neue Weideflächen für ihr Vieh zu schaffen.  

Das Ausmaß der Brände ist verheerend. Auf den folgenden Karten können Sie sehen, wie schlimm die Feuer wüten. Die erste Karte zeigt, wie groß der CO-Gehalt (Kohlenstoffmonooxid) in der angezeigten Region ist. Die Farbe "Rot" deutet auf einen hohen Gehalt hin, was wiederum Rückschlüsse auf Brandherde zulässt, da das Gas bei Verbrennungen entsteht. 

Die Karte lässt sich rein- und rauszoomen. Außerdem ist der Wind zu erkennen und per Klick auf die Karte sehen Sie den genauen CO-Gehalt in ppbv (Einheit für Volumenanteil). Die mittlere Konzentration von Kohlenstoffmonoxid in der Erdatmosphäre beträgt etwa 90 Milliardstel Volumenanteil (ppbv). In den roten Flächen werden Werte über 1200 ppbv erreicht. 

Bereitgestellt wird der Service von "Windy.com". Die Macher nutzen für ihre Darstellungen und Vorhersagen das Modell vom "Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage". "Windy.com" kooperiert zum Beispiel auch mit dem Team von Greta Thunberg und zeigt an, wo sich das Schiff "Malizia" aktuell befindet.

Karte zeigt Brandherde

Die zweite Karte stammt vom Projekt "InfoAmazonia" und zeigt die aktuellen sowie historischen Brandherde im und um den Amazonas. Dem Projekt zufolge stammen die Daten von der Nasa. Die roten Punkte auf der Karte zeigen aktuelle Brandherde aus den vergangenen 24 Stunden. Darüber hinaus ist auf der Heatmap die Feuerfrequenz zwischen 2000 und 2012 zu erkennen. An den gelben Stellen brannte es in diesem Zeitraum besonders häufig. Stern.de nutzte die Karte zuerst.

Wegen der derzeitigen Dürre in der Region breiten sich die Brände immer weiter aus. "Das Feuer greift von den offenen Flächen auf noch intakte Waldgebiete über", sagt Mello. "Das bedeutet, die Brände haben einen doppelten negativen Effekt."  

Rauch steigt aus dem Wald in einer Region des Amazonas nahe der kolumbianischen Grenze. Foto: dpa/Chico Batata

Die meisten Brände wurden zuletzt im Bundesstaat Mato Grosso gemeldet. Die Löscharbeiten gestalten sich schwierig, da es in der Region nur wenige Straßen gibt und sich die Einsatzkräfte deshalb mit Booten auf Flüssen bewegen müssen. Zudem gibt es unterirdische Feuer, die lange unentdeckt bleiben. "Wir geben unser Bestes", sagte Umweltminister Ricardo Salles. "Es kommt im Moment häufiger zu Bränden, weil es zuletzt sehr trocken war."  

Tatsächlich hat die Trockenzeit in der Region gerade erst begonnen. Im August und September wirden im Amazonasgebiet unterdurchschnittliche Niederschläge erwartet. "Das sind nicht gerade beruhigende Aussichten", sagte der Koordinator der Brandbeobachtung der Nationalen Weltraumagentur INPE, Alberto Setzer, dem Portal Infoamazonia.


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