17 oder 70 Millionen? Chaos bei Sotheby's: Porsche-Auktion platzt nach Leinwand-Panne

Der Porsche Typ 64, auch als Berlin-Rom-Wagen bekannt, sollte am vergangenen Wochenende bei Sotheby's versteigert werden – dazu kam es allerdings nicht. Foto: Ian West/PA Wire/dpaDer Porsche Typ 64, auch als Berlin-Rom-Wagen bekannt, sollte am vergangenen Wochenende bei Sotheby's versteigert werden – dazu kam es allerdings nicht. Foto: Ian West/PA Wire/dpa 

Monterey. Mit dem Porsche Typ 64 sollte ganz besonderes Auto versteigert werden. Am Ende wurde die Auktion selbst zum Spektakel.

Am Samstag stand bei der Car Week in Monterey ein Porsche Typ 64 aus dem Jahr 1939 bei RM Sotheby's zur Versteigerung. Von dem ältesten Auto, das jemals den legendären Porsche-Schriftzug getragen hat, gibt es laut Beschreibung des Auktionshauses nur drei Modelle weltweit. Zum Verkauf kam es allerdings aufgrund eines kuriosen Patzers im Rahmen der Versteigerung nicht.

Was war passiert?

Erwartet wurde bei der Auktion ein Mindestverkaufspreis in Höhe von 20 Millionen Dollar, wie die amerikanische Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Auktionator Maarten ten Holder eröffnete das Bieterspiel um den silberfarbene Coupé mit 13 Millionen Dollar. Oder meinte er 30 Millionen Dollar? Im Englischen unterscheidet sich die Aussprache der beiden Summen lediglich durch ein n am Ende des Wortes.

Dann wurde die Summe auf der Leinwand angezeigt: 30 Millionen Dollar. Tatsächlich hatte sich der Bediener des Bildschirms bei der Aussage ten Holders verhört. Und das sollte sich wiederholen, ohne dass der Auktionator davon Wind bekam: Beim folgenden Gebot von 14 Millionen Dollar, erschien die Zahl 40 Millionen auf der Leinwand. Im Raum breitete sich Unruhe aus. Beim Gebot von 17 Millionen Dollar bildete die Anzeige 70 Millionen ab. Erst an dieser Stelle bemerkte das Auktionshaus das Durcheinander.

Die Summe wurde umgehend auf der Leinwand korrigiert, doch im Saal herrschte ob der Verwirrung längst Unruhe. Die Saalbieter gaben keine weiteren Gebote ab.

"Sie haben viel Glaubwürdigkeit verloren. Mein Vater hätte vor einigen Jahren das Auto für fünf Millionen Dollar kaufen können. Es wird seit Jahren herumgereicht und niemand will es haben", gab unter anderem der südkalifornische Sammler Johnny Shaughnessy später bei Bloomberg zu Protokoll. 

Wie geht es weiter?

Aufgrund der bis dato wohl einzigartigen Auktionspanne wurde der zuvor vom Verkäufer vereinbarte Mindestpreis nicht erreicht – der Verkauf war geplatzt. Bei Sotheby's wird der Porsche, der von Gründer Ferdinand Porsche sowie dessen Sohn Ferry gefahren worden war, nach wie vor zum Verkauf gelistet. „Es ist schwer, einem so einmaligen und historischen Artefakt einen Preis zu geben, und trotz des Interesses von anspruchsvollen Sammlern waren wir nicht in der Lage, einen gemeinsamen Nenner zwischen Verkäufer und Käufer zu finden", zitiert die Zeitung "Die Welt" das Auktionshaus.

In Fachkreisen wird allerdings gemutmaßt, dass die ganze Aktion auch ein PR-Spektakel gewesen sein könnte, um den Preis des Fahrzeugs in die Höhe zu treiben. Erst vor einigen Monaten war Sotheby's in die Schlagzeilen geraten, nachdem sich ein Banksy-Werk nach dem Zuschlag selbst zerstört hat. Der Porsche-Faux-Pas indes war „in keiner Weise absichtlich“, heißt es aus dem Auktionshaus. Stattdessen sei es ein „unglückliches Missverständnis verstärkt durch die Aufregung im Saal“ gewesen.

(Weiterlesen: Banksy-Kunstwerk zerstört sich nach Auktion von selbst)

Kritik an niederländischem Auktionator

In den englischsprachigen Medien wird des Weiteren spekuliert, dass das Durcheinander Resultat des Akzents des niederländischen Auktionators Maarten ten Holder gewesen sein könnte. Der Niederländer arbeitet laut Sotheby's seit Anfang der Neunzigerjahre beim Auktionshaus. Seit März 2018 gehört er demnach zum Spitzenmanagement, ist zudem Leiter der Europageschäfte und Chef-Auktionator.  


Schon im Vorfeld hatte es einige Diskussionen um das legendäre Auto gegeben, denn der Porsche Typ 64 sei eigentlich kein echter Porsche, heißt es bei Bloomberg. Der Motor sowie die meisten Bauteile wurden von Volkswagen geliefert, zudem seien Fiat-Teile verbaut. Die Geburtsstunde der Marke Porsche datiert der Autohersteller selbst auf das Jahr 1948 und das 356 Roadster-Modell. Die Porsche AG sowie das Porsche Museum sollen sich laut Bloomberg im Vorfeld der Auktion vom Verkauf distanziert und nicht zur historischen Bedeutung des Typ 64 haben äußern wollen.


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