zuletzt aktualisiert vor

Keine Arrestauflagen Nach Vernehmung auf Sizilien: Kapitänin Carola Rackete bleibt frei

Von dpa und KNA

Carola Rackete war am 29. Juni festgenommen und vorläufig unter Hausarrest gestellt worden. Nun wurde wir auf Sizilien erneut verhört. Foto: AFP/Andreas SOLAROCarola Rackete war am 29. Juni festgenommen und vorläufig unter Hausarrest gestellt worden. Nun wurde wir auf Sizilien erneut verhört. Foto: AFP/Andreas SOLARO

Rom. Das Justizgerangel um Carola Rackete geht weiter. Die Sea-Watch-Kapitänin musste vor der Staatsanwaltschaft in Sizilien aussagen – bleibt aber auf freiem Fuß.

"Sea-Watch 3"-Kapitänin Carola Rackete ist von der Staatsanwaltschaft in Agrigent vernommen worden. Die 31-jährige Deutsche sollte zu den Vorwürfen der Beihilfe zu illegaler Einwanderung und des Widerstands gegen ein Kriegsschiff Stellung nehmen. Rackete sei frei und durch keinerlei Arrestauflagen gebunden, sagte ihr Anwalt Alessandro Gamberini nach der über dreistündigen Befragung am Donnerstag vor Journalisten in Agrigent.

Erneut verteidigte der Anwalt Racketes Vorgehen, die am 26. Juni entgegen einem Verbot mit 43 Migranten an Bord der "Sea-Watch 3" in italienische Hoheitsgewässer gefahren war und drei Tage später in Lampedusa angelegt hatte. Zudem verwies Gamberini auf die Forderung der designierten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach einem europäischen Ansatz für die Rettung schiffbrüchiger Migranten. "Diese Aufgabe an Freiwillige zu delegieren, ist eine Schande – und dieses Engagement zu kriminalisieren, ist eine noch größere Schande", so der Anwalt. Organisationen wie Sea-Watch zu belangen, "weil sie etwas machen, was die europäischen Staaten tun sollten, ist offensichtlich inkonsequent".

Weiterlesen: Kapitänin Rackete fordert Aufnahme von Klima-Flüchtlingen 

Gamberini sagte, die Staatsanwaltschaft habe "Klärungen" erbeten. Es sei richtig, dass es Untersuchungen gebe; der Anwalt nannte es aber abwegig, daraus "merkwüdige Ideen" von der Rettungstätigkeit von Sea-Watch zu konstruieren. Das betreffende Boot bei der letzten Hilfsaktion habe sich in einer Notlage befunden. Libyen biete keine sicheren Häfen; das habe auch Italiens Außenminister Enzo Moavero Milanesi mit Blick auf Tripolis erklärt.

Drohbriefe an Richter im Rackete-Fall

Gamberini äußerte sich auch zu Drohbriefen an eine Richterin und einen Staatsanwalt, die mit dem Fall Rackete befasst waren. Er sprach von "äußerst schwerwiegenden Einschüchterungen", zumal in einer traditionellen Mafia-Region. Diese Vorgänge ließen die Tragweite verhetzender Reden begreifen, "die in unverantwortlicher Weise auch von Amtsträgern verbereitet werden", so der Anwalt. Als Beispiel für "aggressive, unverantwortliche und falsche Erklärungen" nannte er Äußerungen von Innenminister Matteo Salvini in Sozialen Medien.

Laut Medienberichten war am Mittwoch ein Brief mit einer Patrone an die Ermittlungsrichterin Alessandra Valle sichergestellt worden; sie hatte am 2. Juli die Aufhebung des Hausarrests für Rackete verfügt. In einem anderen Umschlag an Oberstaatsanwalt Luigi Patronaggio fand sich Schießpulver. Beiden Briefen lagen laut den Berichten Schriftstücke bei, die auf das Migrationsthema verwiesen und rechtsextreme Symbole trugen.

Kehrt Rackete nach Deutschland zurück?

Das Verfahren gegen Rackete wird sich aller Voraussicht nach länger hinziehen. Staatsanwalt Salvatore Vella hatte der Deutschen Presse-Agentur zuvor erklärt, dass wohl erst nach dem Sommer eine Entscheidung fällt, ob es zu einem Prozess gegen die Kapitänin kommen soll oder ob die Vorwürfe fallen gelassen werden.

Rackete kann sich frei bewegen und könnte theoretisch auch nach Deutschland zurückkehren. Bisher hielt sie sich in Italien an einem unbekannten Ort auf. Möglicherweise teilt sie diese Tage etwas zu ihren künftigen Plänen mit. 



Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN