Aufruf auf Instagram Influencerin fragt nach Spenden für BahnCard 100 – und erntet Shitstorm

Von aj

Die Influencerin Louisa Dellert befasst sich auf ihrem Instagram-Account mit den Themen Nachhaltigkeit und Politik. Foto: imago images/Future ImageDie Influencerin Louisa Dellert befasst sich auf ihrem Instagram-Account mit den Themen Nachhaltigkeit und Politik. Foto: imago images/Future Image

Hamburg. Die Nachhaltigkeitsbloggerin Louisa Dellert bittet auf ihrem Instagram-Kanal um finanzielle Unterstützung. Nicht bei jedem kommt dieser Aufruf gut an.

"Ich habe mir ein finanzielles Unterstützungskonto eingerichtet", mit diesen Worten wendet sich die Nachhaltigkeitsbloggerin Louisa Dellert auf ihrem Instagram-Kanal an ihre Follower. In einem Video erklärt die 29-Jährige, dass sie mit ihrer Arbeit derzeit nicht genug Geld verdiene, um ihre Miete und Reisen zu bezahlen.  

Aus ethischen Gründen lehne sie viele Kooperationsanfragen von Unternehmen ab, wolle sich auch nicht von einer Partei abhängig machen und müsse für Recherchereisen, ihren Kameramann und Übernachtungen viel aus eigener Tasche bezahlen. "Mit dem, was ich auf Instagram mache, verdiene ich nicht viel Geld", so Dellert.  Ihren Unterhalt zu bezahlen, werde so immer schwieriger.

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Ich hatte wirklich Angst dieses Video zu veröffentlichen. Angst vor Unverständnis, Shitstorm und einem „Influencer- Klischee“. Ich habe mir ein finanzielles Unterstützungskonto eingerichtet, damit ich in Zukunft weiterhin im Bundestag Interviews führen kann, im Zoo ne Reportage mache oder auf Helgoland über den Klimawandel berichte. Durch meinen Themenwechsel und immer „engeren“ Weg im Bereich Nachhaltigkeit, kommen für mich nicht mehr viele Kooperationen in Frage. Gleichzeitig wollen viele Unternehmen am liebsten nichts bezahlen, weil ich ja eh die Welt rette. Miete, Versicherungen, die Fahrten nach Berlin, Übernachtungen, Kameramann, etc. - das alles schaffe ich nicht finanziell zu wuppen, wenn ich nicht viel verdiene. Ich möchte weiterhin aber unabhängig und neutral bleiben, über wichtige Themen sprechen und keine Sorgen haben müssen, ob ich nach einer Fahrt in den Bundestag noch Geld auf dem Konto habe. Das ist kein Muss. Und ich werde monatlich transparent auflisten, was ich mit dem Geld bezahlt habe. Erstmal soll es aber eine BahnCard 100 werden und Hilfe beim Video schneiden. Wenn ihr wollt, könnt ihr mich unterstützen. Wenn nicht, ist das auch VÖLLIG okay. ❤️ Kontoinhaberin: Louisa Dellert IBAN: DE20 2595 0130 0056 3628 60 BIC: NOLADE21HIK // Paypal: kontakt@louisadellert.com oder der Link in meiner Bio 🍃- Danke, für jede Unterstützung!

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"Such dir einen richtigen Job"

Doch viele können die Bitte der Influencerin nicht verstehen und reagieren wütend: "Wenn man von einem Job nicht leben kann, dann sollte man sich einen anderen suchen", meint eine Frau in den Kommentaren. "Das ist das bisher Unangenehmste, was ich von Influencern sehen musste."

"henry_thegoldie" findet: "Ganz ehrlich, kein Verständnis dafür. Dann musst du dir – wie wir alle hier – einen richtigen Job suchen." 

Auch die Userin "fashionista_and_love" reagiert mit Unverständnis: "Du sagst, du lehnst viele Kooperationen aus ethischen Gründen ab, aber findest es in Ordnung, "normale' Leute, die 5-6 Tage unter der Woche hart für ihr Geld arbeiten, anzuhauen einer 'Bloggerin' Geld zu überweisen? Also Deinen Ethik Grundsatz verstehe ich nicht..."

Auch interessant: Was Influencer mit Werbung auf Instagram & Co. wirklich verdienen

Dellert erhält auch viel Zuspruch

Doch Dellert erfährt auch viel Zuspruch und Unterstützung: "Was soll das ganze Unverständnis? Bekommt ihr alle euer Netflix Abo geschenkt, zahlt keine Rundfunkgebühren und kriegt kostenlose Zeitungen am Kiosk?", fragt "mirellativegals". Viele raten ihr außerdem, sich nicht für ihren Aufruf zu rechtfertigen. "Bei all dem Hate, etwas Liebe: Das ist genau der richtige Weg, lass dir nichts einreden. Das ist der Job, für den du dich entschieden hast. Der dich viel Zeit und Kraft und Nerven gekostet hat", schreibt "milenskaya". (Weiterlesen: Warum eine zwölfjährige Osnabrückerin beim Laufen Müll aufsammelt)

Mittlerweile hat sich Dellert in einem weiteren Video zu den vielen Kommentaren geäußert, bedankt sich für die konstruktive Kritik und stellt klar: "Ich habe kein Geld verlangt, sondern nur gefragt und niemanden genötigt." Sachlich und ruhig erklärt sie, dass sie die Aufregung zwar verstehen könne, man auf Instagram mit den Themen Nachhatigkeit und Politik aktuell aber sehr schwer Geld verdienen könne. Zu einem Dauerzustand solle der Spendenaufruf aber nicht werden.

In Kürze 7000 Euro gespendet

Dass viele von Dellerts 381.000 Followern ihre Arbeit für unterstützenswert halten, zeigt dann auch ein aktueller Beitrag der Influencerin: "Mit den 7.300 Euro werden folgende Dinge bezahlt: eine BahnCard100 mit welcher ich ausschließlich zu Terminen fahre wie Schulbesuche, Recherchearbeiten oder Interviews wie z.B. mit der Verpackungsindustrie."

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Vielen vielen vielen Dank an alle, die meinen Aufruf vor zwei Tagen nicht negativ aufgefasst haben und mir vertrauen. Ich will euch natürlich über die nächsten Schritte auf dem Laufenden halten. Mit den 7.300€ werden folgende Dinge bezahlt: eine BahnCard100 mit welcher ich ausschließlich zu Terminen fahre wie Schulbesuche, Recherchearbeiten oder Interviews wie z.B. mit der Verpackungsindustrie. Parallel habe ich weiterhin meine BahnCard 50 für private Reisen. Im Herbst sind die Landtagswahlen. Bereits gestern habe ich mich mit zwei tollen Menschen zusammengesetzt, weil wir eine Kampagne auf die Beine stellen möchten. Wie dafür das Geld genutzt wird, zeige ich dann transparent. Mit dem restlichen Geld wird ausschließlich für politische Themen ein Kameramann bezahlt was Zugfahrten oder Übernachtungen, das Filmen und schneiden angeht, wenn wir z.B. in Brandenburg vor Ort Aufnahmen machen. Außerdem war ich heute bei meiner Steuerberatungsgesellschaft und werde mir Ende des Jahres einmal ganz offiziell auswerten und testieren lassen, was von eurem Geld bezahlt wurde. Das wird dann auch veröffentlicht. Nochmal: damit bezahle ich keine Miete, Versicherungen oder ähnliches. Ich habe ja glücklicherweise schon noch 1-2 andere Jobs im Monat mit denen ich das bestreiten kann. Viele von euch sagen, dass diese politische Arbeit mein Hobby ist. Ja, vielleicht ist sie das, wenn ihr das so seht. Aber dann stehe ich gerne zu 100% dahinter, dass ich für dieses Hobby nach finanzieller Unterstützung gefragt habe. Jetzt habe ich die Möglichkeit da noch mehr Arbeit reinstecken zu können. Also Danke! Auch die Frage, was ich mit dem Geld mache, dass jetzt nach den Projekten übrig bleibt, kann ich verstehen. Und wenn ich damit ein Politik- Event für euch als Dankeschön auf die Beine stelle oder eine Schulklasse nach Brüssel einladen kann, um ihnen die EU näher zu bringen. Ich verwende dieses Geld NICHT, um mein „Influencer“ Dasein zu finanzieren. Und zum Schluss: ich finde es schade, dass wir besonders hier in Deutschland so misstrauisch, böse und skeptisch „neuen“ oder Dingen die anders sind, gegenüberstehen. ✌🏽

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