Rechtsextremes Terrornetzwerk Neue Erkenntnisse zu "Todesliste" mit 25.000 Namen

Von dpa

Weil sie Munition aus Polizeibeständen beiseite geschafft und einem Mann mit Kontakten in die "Prepper"-Szene überlassen haben sollen, nahm die Polizei drei ehemalige Mitglieder des Spezialeinsatzkommandos (SEK) Mecklenburg-Vorpommern und einen aktiven Beamten fest. Foto: dpa/Jens BüttnerWeil sie Munition aus Polizeibeständen beiseite geschafft und einem Mann mit Kontakten in die "Prepper"-Szene überlassen haben sollen, nahm die Polizei drei ehemalige Mitglieder des Spezialeinsatzkommandos (SEK) Mecklenburg-Vorpommern und einen aktiven Beamten fest. Foto: dpa/Jens Büttner

Berlin. Die rechte "Prepper"-Gruppe "Nordkreuz" hat eine "Todesliste" mit 25.000 Namen und Adressen erstellt. Der Verdacht hat sich nun erhärtet. Linken-Politikerin Katja Kipping fordert Informationen für Betroffene.

Die Linken-Vorsitzende Katja Kipping fordert eine Information jener Menschen, deren Namen bei der "Prepper"-Gruppe "Nordkreuz" gefunden wurden. "Opferschutz geht vor", sagte Kipping dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Bei einer Anti-Terror-Razzia in Mecklenburg-Vorpommern war 2017 eine Liste mit etwa 25.000 Namen gefunden worden.

Linken-Politikerin Katja Kipping fordert Informationen für Betroffene. Foto: AFP/Michele Tantussi

Die Bundesanwaltschaft hatte damals Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat aufgenommen. "Prepper" bereiten sich auf schwere Krisen oder einen Zusammenbruch des Staats vor. Die Beschuldigten sollen damaligen Angaben zufolge einen solchen Fall als Chance gesehen haben, "Vertreter des politisch linken Spektrums" zu töten.

Verdacht hat sich erhärtet

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet nun unter Berufung auf Protokolle des Bundeskriminalamts, Vernehmungen eines "Nordkreuz"-Angehörigen hätten diesen Verdacht erhärtet. Er habe ausgesagt, die Listen mit "linken Persönlichkeiten" hätten dazu gedient, diese "im Konfliktfall" zu liquidieren. 

Lesen Sie dazu: "Nordkreuz"-Gruppe soll weitere Morde vorbereitet haben

Die Bundesanwaltschaft geht offenbar auch davon aus, dass die Rechtsextremisten aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg nicht nur Personendaten aus ihren Regionen sammelten. Laut den Angaben verfügt "Nordkreuz" demnach über mindestens zwei weitere Ableger: "Südkreuz" und "Westkreuz". Auch in und um Berlin soll eine Unterstützergruppe tätig sein. 

Nach früheren Regierungsangaben stammte die Liste mit den rund 25.000 Personen aus einem Datendiebstahl bei einem Onlineversand von 2015. Die "taz" berichtete, dass BKA-Ermittler zuletzt 29 Zeugen befragt hätten, in deren Fällen Meldeadressen oder Geburtsdaten ergänzt worden seien. Kipping sagte: "Ich fordere, dass die 25.000 Personen, die auf den Todeslisten des rechten Terrornetzwerkes stehen, umgehend informiert werden."

Vier Festnahmen

Im Juni wurden laut Staatsanwaltschaft Schwerin drei ehemalige Mitglieder des Spezialeinsatzkommandos (SEK) Mecklenburg-Vorpommern und ein aktiver Beamter festgenommen. Sie sollen Munition aus Polizeibeständen beiseite geschafft und sie einem Mann mit Kontakten in die "Prepper"-Szene überlassen haben. Auch diese Festnahmen standen im Zusammenhang mit der Gruppe "Nordkreuz".


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