Nach Protesten gegen Braunkohle Zertrampeltes Möhrenfeld: Landwirt "Willi" wütend auf Klimaaktivisten

Klimaaktivisten des Bündnisses "Ende Gelände" stürmen bei ihren Demo am Tagebau Garzweiler über ein Feld. Foto: imago images / Tim WagnerKlimaaktivisten des Bündnisses "Ende Gelände" stürmen bei ihren Demo am Tagebau Garzweiler über ein Feld. Foto: imago images / Tim Wagner

Rommerskirchen. Klimaaktivisten von Ende Gelände trampeln bei den Protesten im rheinischen Kohlerevier achtlos über Äcker und Felder. Auch über die von Willi Kremer-Schillings. Der Landwirt macht seinem Ärger Luft – und bekommt Hohn von den Grünen.

Landwirt Willi Kremer-Schillings aus Rommerskirchen in Nordrhein-Westfalen ist gar nicht zufrieden mit den Klimaaktivisten von "Ende Gelände": "Wenn 500 Klima-Aktivisten bei Dir am Hof vorbeimarschieren, Overalls und Mundschutz dort entsorgen, dann quer über ein Feld mit Petersilie und dann mit Möhren laufen, fragst Du dich, ob du als Bauer nichts mehr wert bist", twitterte Kremer-Schillingsam am Sonnabend. Sein Tweet wurde seitdem tausendfach geteilt.

"Ende Gelände" hatte mit Hunderten Teilnehmern am Samstag unter anderem den Tagebau Garzweiler gestürmt. Die dadurch entstandene Zerstörung auf seinem Möhrenfeld dokumentierte Kremer-Schillings anhand von Bildern, die er auch in einem Beitrag auf seinem Blog veröffentlichte.

Auch ein Video von "Ende Gelände" soll den Lauf durch das Möhrenfeld gezeigt haben, dieses wurde aber mittlerweile gelöscht. 

Ihm gehe es nicht nur um Entschädigung für den Schaden, schreibt Kremer-Schillings, sondern eher um die Zerstörung von Lebensmitteln und eine Missachtung der Arbeit, das schmerze ihn vielmehr als ein finanzieller Schaden. 

Grünen-Politiker verhöhnt Landwirt

Wie blanker Hohn muss ein Tweet des Grünen Georg P. Kössler aus Berlin-Neukölln auf Kremer-Schillings gewirkt haben. Der Politiker schrieb: "Deine Möhren sind nicht wichtiger als unser Klima. Sorry."

Unbemerkt bliebt die Verwüstung auf den landwirtschaftlichen Flächen auch nicht von der Polizei. Die Beamten twitterten: "Während der #EndeGelaende-Demonstrationen ist es zu zahlreichen Flurschäden auf Feldern ortsansässiger #Landwirt|e [sic] gekommen." Die Polizei empfahl zur Wahrung von Schadensersatzansprüchen, Strafanzeige zu erstatten.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner warf den Demonstranten mangelnde Glaubwürdigkeit vor. "Wer achtlos über Gemüsefelder trampelt, Ernte und damit Eigentum zerstört, der geht respektlos mit Lebensmitteln um, und der hat ein Glaubwürdigkeitsproblem bei seinem Kampf für das Klima", teilte die CDU-Politikerin am Dienstag mit.

Lebensmittel und damit einen Teil der "Grundlage von Bauern" zu zerstören, sei "elitäres, ignorantes Verhalten", sagte Klöckner weiter. "So kann sich nur jemand benehmen, der keine ordentliche Kinderstube hat und die ehrliche, harte Arbeit von Bauern nicht kennt  aber sonst sofort eine Meinung dazu hat."

"Ende Gelände" macht Versprechen

Klöckners Ministerium schrieb, sie kritisiere damit "die Ignoranz so genannter Umweltaktivisten" gegenüber dem Eigentum von Bauernfamilien, da die Demonstranten am Wochenende in Nordrhein-Westfalen Petersilien- und Karottenfelder niedergetrampelt hätten. 

Die Initiative "Ende Gelände" reagierte unter anderem auf Twitter auf die Vorwürfe. Die Aktivisten seien manchmal "gezwungen", Feldwege zu verlassen, um der Polizei auszuweichen. Für Schäden auf den Feldern werde man sich entschuldigen und die Bauern entschädigen.

Mit Material von dpa


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