Sexuelle Belästigung und Drogenkonsum Bericht: Facebook-Moderatoren leiden unter desaströsen Arbeitsbedingungen

Bei einem Facebook-Dienstleister in den USA, der sich um das Löschen von problematischen Videoinhalten kümmert, sollen schlimme Arbeitsbedingungen herrschen. Foto: imago images / ZUMA PressBei einem Facebook-Dienstleister in den USA, der sich um das Löschen von problematischen Videoinhalten kümmert, sollen schlimme Arbeitsbedingungen herrschen. Foto: imago images / ZUMA Press

Hamburg. Damit Videos von Kindesmisshandlung oder Enthauptungen nicht auf Facebook landen, gibt es Dienstleister, die sich um das Löschen solcher Inhalte kümmern. Doch die Mitarbeiter leiden unter schlimmen Arbeitsbedingungen, wie ein US-Reporter herausgefunden hat.

Damit Videos von schweren Gewalttaten oder Tierquälerei nicht auf Facebook landen, gibt es tausende Moderatoren, die diese vorab sichten und gegebenenfalls löschen. Die meisten sind bei externen Dienstleistern angestellt – bei einem von ihnen sollen die Mitarbeiter unter desaströsen Arbeitsbedingungen leiden, wie ein Journalist jetzt herausgefunden hat.

Drogenkonsum gegen die psychischen Belastungen

Der "The Verge"-Reporter Casey Newton berichtet über die Firma "Cogniziant" in Tampa im US-Bundesstaat Florida. Aktuelle und ehemalige Moderatoren haben mit ihm offen über die schlimmen Zustände vor Ort gesprochen. Demnach seien die Toiletten verdreckt, sexuelle Belästigung und Gewaltandrohungen würden vom Management ignoriert  und es sei offensichtlich, dass die Mitarbeiter Drogen konsumieren würden, um den psychischen Belastungen durch die Arbeit standhalten zu können. 

Im März war sogar ein 42-jähriger Mitarbeiter an seinem Schreibtisch kollabiert und im Krankenhaus an einem Herzinfarkt gestorben. Im Büro gab es keinen Defibrilator. 

"Alles Show"

Dem Reporter sei auch gestattet worden, das Büro zu besichtigen. Vor Ort sei alles sauber gewesen, es habe nach Reinigungsmitteln gerochen er wurde durch einen Yoga- und Pausenraum geführt. Nach der Stippvisite versicherte ihm ein Angestellter: "Das war alles Show."

Immer wieder neue Mitarbeiter findet die Firma, weil sie mindestens 15 Dollar pro Stunde zahlt, der Mindestlohn in Florida aber eigentlich nur 8,46 Euro liegt. 

Facebook kündigt Maßnahmen an

Vergangenes Jahr zeigte der Dokumentarfilm "The Cleaners", wie schlecht bezahlte Moderatoren auf den Philippinen in teilweise Zehnstundenschichten grauenhafte Videos etwa über Kindesmissbrauch prüfen müssen. Auch am "Cogniziant"-Standort in Phoenix sollen schlimme Zustände herrschen .

Facebook soll sich nun angeblich bemühen, die Zustände zu verbessern. Es sollen mehr unangekündigte Besuche stattfinden und die Firmen nicht mehr auf Basis ihrer Zahlen bewertet werden. Auftragsarbeiter in den USA sollen ab Mitte 2020 zudem mindestens drei Dollar mehr pro Stunde erhalten.


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