zuletzt aktualisiert vor

Mutmaßliche Nazi-Attacke Türsteher auf Mallorca brutal attackiert: Zwei Leipziger in Haft

Von dpa und mma

Der Biergarten im "Megapark", wo die brutale Attacke auf den Türsteher geschah. Foto: imago images / MiSDer Biergarten im "Megapark", wo die brutale Attacke auf den Türsteher geschah. Foto: imago images / MiS

Palma de Mallorca. Zwei brutale Schläger verprügeln einen Türsteher am "Ballermann". Es wird ein rassistischer Hintergrund vermutet. Das Opfer könnte bleibende Schäden davontragen. Zwei Deutsche wurden festgenommen.

Die brutale Attacke soll nur einige Sekunden gedauert haben. Das Opfer wird sie wohl aber nie im Leben vergessen: Plötzlich und offenbar ohne jeden Grund traktierten zwei Urlauber aus Deutschland auf Mallorca einen afrikanischen Türsteher – nach Aussagen von Zeugen mit vielen Faustschlägen und Fußtritten.

Die jungen Männer sitzen deshalb seit Montagabend auf der spanischen Insel hinter Gittern. Gegen sie wird wegen schwerer Körperverletzung ermittelt. Der zuständige Richter habe nach der Vernehmung Untersuchungshaft angeordnet, sagte ein Justizsprecher der Deutschen Presse-Agentur. Nach Angaben der Polizei wird ein "rassistischer Hintergrund" vermutet.

Nun steht auch die genaue Herkunft der beiden Urlauber fest: Sie stammen aus Leipzig und seien beide 20 Jahre alt, sagte am Donnerstag ein Sprecher der Leipziger Polizei. 

Querschnittlähmung bei Opfer nicht ausgeschlossen

Die Attacke ereignete sich am späten Samstagabend vor einem Biergarten am sogenannten "Ballermann", der auch als Freiluftdiskothek fungiert. Nach Angaben von Angestellten und Besuchern des Lokals, die von Medien zitiert wurden, wurde der afrikanische Türsteher plötzlich und offenbar ohne jeden Grund attackiert. Der 44 Jahre alte Senegalese sei brutal verprügelt worden, habe geblutet und sei vorübergehend ohnmächtig geworden. Er habe seine Beine nicht mehr bewegen können und schwere Verletzungen an der Wirbelsäule davongetragen. 

Am Montag sei der Mann im Krankenhaus Son Espases in Palma operiert worden, berichteten Medien. Am Dienstag habe das Opfer noch auf der Intensivstation gelegen, sagte Tomás Ibarz, Sprecher der Discotheken-Gruppe Cursach gegenüber der "Mallorca Zeitung". Folgeschäden wie eine Querschnittslähmung seien nicht ausgeschlossen. Zur Zeit bestehe aber keine Lebensgefahr.

Tatverdächtige waren nicht auffällig

Ibarz verurteilte den Angriff: "Wir verabscheuen diese und jede andere Gewalttat", sagte er. Laut seinen Angaben hätten sich die mutmaßlichen Täter zuvor nicht auffällig verhalten, "sonst hätten wir sie nicht hineingelassen". Zeugenaussagen sollten nun klären, wie es genau zu dem Vorfall kam.

Andere Mitarbeiter und Gäste des Lokals an der Schinkenstraße waren dem Opfer den Berichten zufolge schnell zur Hilfe geeilt. "Es hätte sonst eine Tragödie geben können", sagte ein Mitarbeiter der Deutschen Presse-Agentur am Telefon. Die beiden Angreifer seien bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten worden. Wie ein Justizsprecher mitteilte, werden die beiden der schweren Körperverletzung beschuldigt. Die Identität der Verdächtigen und woher sie aus Deutschland stammen, wurde nicht mitgeteilt.

Verdächtige schienen auf Schlägerei aus

Wie die Regionalzeitungen "Diario de Mallorca" und "Última Hora" unter Berufung auf die mallorquinische Polizei berichteten, fanden die Ermittler auf dem Handy eines der beiden Verdächtigen Bilder von Hakenkreuzen sowie des rechtsextremen und als gewalttätig geltenden Ku-Klux-Klans. Nazi-Symbole offen zur Schau getragen, hätten die beiden Tatverdächtigen aber nicht, sagte Tomás Ibarz.

Lesen Sie auch: Trotz neuer Auflagen: Am Ballermann wird gefeiert wie bisher

Auf Mallorca machte sich schnell Empörung breit – besonders unter deutschen Bewohnern und Besuchern der Insel. Kurz nach dem Angriff sagte ein deutscher Augenzeuge einem Reporter von "Última Hora": "Diese Menschen repräsentieren nicht unser Land." Es handele sich um Hooligans und Neonazis, vor allem junge Leute und Fußballfans, die "nur auf Randale" aus seien. Ein Fund der Polizei bestätigt diese letzte These: In den Hosentaschen der Festgenommenen seien Mund- und Zahnschützer entdeckt worden, die beim Kampfsport benutzt würden, so ein Behördensprecher. 

Angriff weckt schlimme Erinnerungen

"Ultima Hora", die meistgekaufte Zeitung der Balearen, betonte, dass deutsche Besucher des Lokals am Samstag die Angreifer lautstark beschimpft und "Nazis raus!" gerufen hätten. Man wisse, dass nicht alle Deutschen so wie die Täter seien, betonte der Ladenbesitzer. Auf der Insel werden jedoch unweigerlich schlimme Erinnerungen an den Sommer 2017 wach. Neonazis aus Deutschland sorgten vor zwei Jahren für viel Ärger, vor allem am Ballermann. 

Besonders großes Aufsehen erregte ein Eklat im Kultlokal "Bierkönig", als eine Gruppe von rund 15 Neonazis dort eine Reichskriegsflagge ausrollte, "Ausländer raus!" skandierte, Frauen belästigte und einen dunkelhäutigen Mann anpöbelte. Es gab zudem immer wieder auch Schlägereien unter Deutschen sowie zwischen Deutschen und afrikanischen Straßenhändlern. Gäste eines Hotels klagten, dass Deutsche am Pool rechtsradikale Lieder gehört hätten.

Im Zuge der Maßnahmen zur Einschränkung des Sauf-Tourismus war es zuletzt auf der Insel zwar ruhiger um Neonazis geworden. Der Angriff vom Samstag weckt aber neue Ängste – noch bevor der Sommer richtig angefangen hat.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN