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Unwetter in Deutschland Hagelkörner zerstören Autoscheiben - Überschwemmungen in Norddeutschland

Von dpa

Gefährlicher Hagelschauer: Tennisballgroße Eisbrocken schlugen wie Gewehrsalven ein. Foto: dpa/Slavomír KubeGefährlicher Hagelschauer: Tennisballgroße Eisbrocken schlugen wie Gewehrsalven ein. Foto: dpa/Slavomír Kube 

München/Schwanewede. Schwere Unwetter und Hagelstürme treffen besonders den Raum München. Bei Twitter posteten zahlreiche User Bilder und Videos. Auch in Norddeutschland gibt es vollgelaufene Keller und überschwemmte Straßen.

Gewitter mit starken Regen- und Hagelschauern sind in der Nacht zum Dienstag vor allem über den Süden und Osten Deutschlands gezogen. In Bayern gab es laut Deutschem Wetterdienst (DWD) dazu Orkanböen von bis zu 120 Stundenkilometern und große Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu sechs Zentimetern. Hier seien auch die Blitze besonders stark gewesen. (Weiterlesen: So entsteht der gefährliche Riesen-Hagel) 

Ergiebige Regenfälle im Nordwesten Niedersachsens bescherten der Feuerwehr Großeinsätze wegen vollgelaufener Keller und überschwemmter Straßen. "Betroffen war vor allem der Ort Schwanewede", erklärte ein Polizeisprecher in Oldenburg. Nach seinen Angaben gab es allein im Landkreis Oldenburg innerhalb kürzester Zeit 28 Feuerwehreinsätze, im Landkreis Osterholz musste die Feuerwehr bis zum Morgen zu 26 Einsätzen ausrücken. Es blieb jedoch bei geringfügigen Schäden, wie der Sprecher mitteilte. Verletzt wurde niemand.


Im Video: Überschwemmungen im nördlichen Niedersachsen – Anwohner berichten


In mehreren Orten im Großraum München seien durch den Hagel Autoscheiben und Dachfenster zu Bruch gegangen, sagten Sprecher von Polizei und Feuerwehr. Häuser stünden unter Wasser. Im Stadtgebiet von München wurden rund 550 Einsätze gezählt.

Laut Deutscher Bahn kam es zwischen Landshut und München durch Bäume auf den Gleisen zu Einschränkungen. Die Züge konnten jedoch Umleitungen fahren. Deswegen gab es auch im Fernverkehr bis in die frühen Morgenstunden keinen kompletten Ausfall. Zu leichten Verzögerungen kam es im Güterverkehr zwischen Berlin und Dresden.

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"Eisbrocken schlugen wie Gewehrsalven auf uns ein"

Augenzeugen berichteten, dass auf der Autobahn 96 nahe des Ammersees tennisballgroße Hagelkörner niedergingen und reihenweise Autos beschädigten. Bei einigen Fahrzeugen wurden Front- und Heckscheiben eingeschlagen, bei anderen Autos Seitenspiegel und Schiebedächer in Mitleidenschaft gezogen.

Eine durch Hagel beschädigte Fensterscheibe eines Autos. Foto: dpa/Felix Hörhager

"Eisbrocken schlugen wie Gewehrsalven auf uns ein", sagte eine Autofahrerin aus München. "Wir fuhren von der Autobahn ab, in den Orten lagen vereinzelt Dachziegel auf der Straße. Die Straßen waren grün vor lauten abgerissenen Ästen und Blättern." 

Das Unwetter wirkte sich auch auf den S-Bahnverkehr in und um München aus. Es gebe erhebliche Beeinträchtigung im gesamten Netz, teilte die Bahn mit. An mehreren Stellen stürzten Bäume ins Gleis, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn sagte. Züge wurden zeitweise in Bahnhöfen zurückgehalten.

Bei Twitter teilten einige User Videos und Bilder von den schweren Unwettern:

Stark betroffen von den Unwettern war auch Sachsen. Im Süden des Bundeslandes fielen 30 bis 50 Liter Regen pro Stunde, der DWD registrierte über Radargeräte Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu vier Zentimetern. Im Erzgebirgskreis meldete die Polizei mehrere überflutete Straßen. Diese seien zwischenzeitlich nicht passierbar gewesen, hieß es bei der zuständigen Polizeidirektion in Chemnitz.

In Steinbach in Sachsen brennt nach einem Blitzeinschlag ein Hausdach. Foto: dpa/Bernd März

Weniger schlimm war laut Deutschem Wetterdienst die Lage in weiten Teilen Norddeutschlands. Im Kreis Oldenburg und Bremen gab es jedoch auch größere Regenmengen. In Schleswig-Holstein traf es besonders die Waldgemeinde Großhansdorf im Kreis Stormarn. Strassen wurden überflutet, Keller liefen voll und Gullydeckel der Kanalisation drückten das Abwasser hoch. Zeitweise stand das Wasser dort auf der Hoisdorfer Landstraße einen halben Meter hoch.

Auch in Nordrhein-Westfalen war es im Vergleich zu Ost und Süd eher ruhig. In Mönchengladbach liefen allerdings Straßen über und Keller voll.

Unwetter auch am Dienstag möglich

Gelöscht ist der große Waldbrand auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz nahe Jüterbog in Brandenburg: Die sogenannte Großschadenslage wurde aufgehoben, wie der Landkreis Teltow-Fläming mitteilte. Seit Tagen hatten die Einsatzkräfte gegen die Flammen des Großbrandes gekämpft.

Ähnlich wie am Montag kann es auch am Dienstag laut DWD zu Unwettern kommen, vor allem in einem Streifen vom östlichen Alpenrand bis zur Ostsee. Der bundesweit große Temperaturunterschied bleibt: Die Temperaturen liegen im Südosten und Osten voraussichtlich zwischen 25 und 32 Grad, während es in der Mitte und im Norden Deutschlands mit 21 bis 25 Grad merklich kühler sein dürfte. Im Westen und Südwesten werden sogar nur 16 bis 20 Grad erwartet.


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