Tödlicher Unfall auf der A6 Polizist platzt der Kragen wegen Gaffern: "Wollen Sie die Leiche sehen?"

Gaffer haben auf der A6 einen tödlichen Unfall gefilmt. Ein Polizist rastet daraufhin aus. Symbolfoto: imago images/Jochen TackGaffer haben auf der A6 einen tödlichen Unfall gefilmt. Ein Polizist rastet daraufhin aus. Symbolfoto: imago images/Jochen Tack

Nürnberg. Ein Polizist ist nach einem tödlichen Unfall auf der A6 bei Nürnberg ausgerastet. Er konfrontierte Gaffer, die Fotos vom Unfall machten, direkt mit dem Unglück. Im Video stellt der Polizist die Gaffer zur Rede.

Die Polizei kämpft weiterhin mit Gaffern auf Autobahnen. Nach einem tödlichen Unfall auf der Autobahn 6 bei Nürnberg platzte einem Beamten nun der Kragen. (Weiterlesen: Nach Unfall auf A1: Polizei stellt Gaffer mit Fotos an Pranger)

Bei dem Unglück, bei dem ein Lkw-Fahrer ums Leben gekommen war, bildete sich auf der Gegenfahrbahn ein kilometerlanger Stau. Viele Lkw-Fahrer filmten am Dienstagnachmittag die Unfallstelle bei Roth mit ihrem Handy. Dem Einsatzleiter der Verkehrspolizei, Stefan Pfeiffer, reichte es irgendwann. Er schrie in Richtung der filmenden Lkw-Fahrer, forderte sie auf auszusteigen und mit ihm zur Leiche zu gehen. "Sie wollen tote Menschen sehen? Fotos machen? (...) Schämen sollten Sie sich", sagte Pfeiffer zu den Gaffern.

Pfeiffer stellte die Schaululstigen direkt zur Rede. Einen ausländischen Transporter-Fahrer raunzte er auf Englisch an: 

Wo kommst du her? Steig aus und ich zeige dir was. Willst du den Toten sehen? Für Fotos? Komm mit. Da liegt er, willst du ihn sehen? Willst du nicht? Warum machst du dann Fotos? Wenn du willst, kannst du hingehen und Fotos machen. Das kostet dich 128 Euro, weil du das hier fotografierst. Schämen solltest du dich! Stefan Pfeiffer, Einsatzleiter der Verkehrspolizei

Für viele Gaffer schien Pfeiffers Konfrontation wie eine Schocktherapie. "Das ist durchaus mal eine Möglichkeit, die Leute mit ihrem Verhalten zu konfrontieren", sagte der Polizist anschließend. "Einfach bloß 128,50 Euro zu verlangen und sie wieder weiterzuschicken, da bin ich mir relativ sicher, dass der Lerneffekt gering ist. Die müssen mal merken, was sie eigentlich tun", sagt er über die Gaffer.

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Bei dem Unfall auf der A6 war am Dienstagnachmittag ein Lkw mit einem Sattelschlepper kollidiert. Der Lkw-Fahrer habe zwischen der Ausfahrt Roth und dem Autobahnkreuz Nürnberg-Süd nicht mehr rechtzeitig bremsen können. Der Mann wurde beim Aufprall in seiner Fahrerkabine eingeklemmt und starb noch an der Unfallstelle.

Das sind die Strafen für Gaffer

Gaffer, die Verletzte und verunglückte Autos fotografieren oder filmen, müssen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder mit einer Geldstrafe rechnen. Es ist dabei egal, ob die Aufnahmen weitergegeben oder veröffentlicht werden. Was zählt, ist allein die Anfertigung, die laut Strafgesetzbuch "die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt".  Erst vor wenigen Tagen hatte Bundesrat zudem dazu aufgefordert, ein Gesetz zu erlassen, dass das Fotografieren von toten Unfallopfern verbietet. Bislang sind nur lebende Personen vor den bloßstellenden Aufnahmen geschützt. 

Seit 2018 können Gaffer, die Rettungseinsätze behindern, zudem wegen unterlassener Hilfeleistung bestraft werden. Im Jahr 2017 hatte der Bundestag beschlossen, dass eine vorsätzliche Behinderung von Einsatzkräften eine Straftat ist. 


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