Kampf gegen Umweltverschmutzung 20 Cent pro Kippe: Pfandsystem für Zigarettenstummel gefordert

Achtlos weggeworfene Zigarettenstummel sind ein massives Umweltproblem. Foto: imago images / Jochen TackAchtlos weggeworfene Zigarettenstummel sind ein massives Umweltproblem. Foto: imago images / Jochen Tack

Berlin. Häufig landen Zigarettenstummel einfach auf der Straße. Eine Berliner Initiative fordert ein neues Pfandsystem, um dem massiven Wegwerfproblem endlich Herr zu werden. Ein weiterer Vorschlag kommt von Umweltministerin Svenja Schulze.

Es ist eine Umweltverschmutzung sondergleichen: ein weggeworfener Zigarettenstummel verseucht durch seine Schadstoffe bis zu 200 Liter Grundwasser. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) landen dennoch drei Viertel der täglich gerauchten Zigaretten nicht in einem Aschenbecher, sondern auf dem Boden. Bei jährlich mehreren Billionen falsch entsorgter Kippen ist das Ausmaß fatal. Die Berliner Initiative "Die Aufheber" hat sich dem Kampf gegen die Zigarettenstummel verschrieben. 

In den mit Papier überzogenen Filtern aus Kunststoff sammeln sich beim Rauchen viele Schadstoffe wie etwa Nikotin, Arsen und Blei. Werden die Glimmstängel einfach auf den Boden geworfen, sickern die Schadstoffe bei Regen ins Grundwasser.

Pfandsystem ab 2023 gefordert

Um die Umweltverschmutzung zu stoppen, fordern die "Die Aufheber" in einer Petition ein Pfandsystem auf Zigarettenstummel ab 2023. Der Vorschlag: Zu jeder verkauften Schachtel sollte ein Taschenaschenbecher mitgegeben werden. Wenn dieser voll zurückgebracht wird, erhält der Käufer seinen Pfand zurück. Die Berliner Initiative organisiert sich über eine Facebook-Gruppe. Die Mitglieder starten immer wieder Müllsammelaktionen und rufen auch dazu auf, jeden Tag mindestens drei Müllstücke in den nächsten Abfalleimer zu bringen.

Tabakhersteller sollen für Aufräumkosten zahlen

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will die Tabakindustrie an den Kosten für die Entsorgung der Kippen beteiligen. Die Ministerin kündigte in der "Bild"-Zeitung an, eine entsprechende EU-Richtlinie schnell in nationales Recht umzusetzen. Die Richtlinie zur Vermeidung von Plastikmüll überträgt den Zigarettenherstellern auf Basis der erweiterten Herstellerverantwortung Aufräumkosten.

"Mit der neuen EU-Richtlinie haben wir endlich die Chance, die Zigarettenindustrie stärker in die Verantwortung zu nehmen", sagte die Ministerin der Zeitung. Zigarettenkippen trügen massiv zur Verschmutzung der Umwelt bei. Künftig würden die Hersteller sich an den Kosten der Reinigung von Parks oder Stränden beteiligen müssen. "Ich finde das fairer, als wenn alle Steuerzahler gleichermaßen dafür aufkommen müssen."

Das EU-Parlament hatte die Richtlinie zum Kampf gegen Plastikmüll Ende März verabschiedet. Neben der Beteiligung der Tabakindustrie und auch der Luftballonhersteller an den Entsorgungskosten sieht die Richtlinie auch ein Verbot von Einweggeschirr und -Besteck, Trinkhalme, Wattestäbchen, Luftballonstäbe sowie Becher und Lebensmittelverpackungen aus aufgeschäumtem Polystyrol vor.

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Bereits jetzt gilt das achtlose Wegwerfen einer Kippe als unzulässige Abfallentsorgung und ist eine Ordnungswidrigkeit. Die Höhe von Bußgeldern kann jede Stadt oder Kommune selbst festsetzen. Geholfen hat es bisher wenig.

Mit Material von afp


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