Just One, LAMA und Werwörter Spiel des Jahres 2019: Diese drei Spiele sind nominiert

Von Karsten Grosser und Hauke Petersen

L.A.M.A. (Amigo), Just One (Repos Production) und Werwörter (Ravensburger) sind die nominierten Spiele für den Preis Spiel des Jahres 2019. Foto: Karsten GrosserL.A.M.A. (Amigo), Just One (Repos Production) und Werwörter (Ravensburger) sind die nominierten Spiele für den Preis Spiel des Jahres 2019. Foto: Karsten Grosser

Osnabrück. Die drei Kandidaten für den Preis Spiel des Jahres 2019 stehen fest: Just One, LAMA und Werwörter wurden von einer Kritikerjury für die weltweit wichtigste Auszeichnung für Gesellschaftsspiele nominiert. Wie gut sind diese Spiele? Und welche weiteren Titel hoben die Experten noch hervor?

Die drei Nominierten sind Spiele in eher kleinen Schachteln. LAMA (Amigo) von Reiner Knizia ist ein schnelles Kartenablegespiel. Sein Name steht als Abkürzung für „Lege alle Minuspunkte ab“. Den besonderen Reiz sieht die Jury in der feinen taktischen Note, die mittels einer besonderen Lama-Mathematik aus einer beinahe trivialen Aufgabe ein Spiel mit Klassiker-Potenzial mache.

L.A.M.A. von Amigo. Foto: Karsten Grosser

Beim kooperativen Wortratespiel Just One (Repos Production) von Ludovic Roudy und Bruno Sautter schreibt jeder Spieler ein Wort auf, das auf den Suchbegriff hindeutet. Bevor der Rater diese Wörter jedoch sehen darf, werden mehrfach genannte Begriffe aussortiert. Das sollte das Team natürlich vermeiden. „Ein Geistesblitz kommunikativer Spielfreude“, urteilt die Jury.

Just One von Repos Production. Foto: Karsten Grosser

Um Wörter geht es auch bei Werwörter (Ravensburger) von Ted Alspach. Die Gruppe der Dorfbewohner muss ein Zauberwort erraten, um sich vor Werwölfen zu schützen. Der Bürgermeister, der das Wort kennt, darf Fragen nur mit ja und nein beantworten. Das Besondere nun: Jeder Spieler hat eine geheime Rolle. Die Seherin, die das Wort ebenfalls kennt, sollte mit ihren Fragen die Runde in die richtige Richtung lenken. Die Werwölfe indes, die auch das Wort kennen, wollen falsche Fährten legen. "Dass hier manche Spieler zur Vertuschung ihrer Identität scheinbar ahnungslos nach der Lösung fragen müssen, die sie längst kennen, klingt auf den ersten Blick absurd, erweist sich aber als fabelhafter Kniff", meint die Jury.

Werwörter von Ravensburger. Foto: Karsten Grosser

Welches Spiel am Ende den begehrten Preis erhalten wird, gibt die Jury vom Verein Spiel des Jahres am 22. Juli während der Preisverleihung in Berlin bekannt. Die Auszeichnung wird dort im Beisein der Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, vergeben. Als erstes Spiel des Jahres wurde vor 40 Jahren „Hase und Igel“ gewählt. Im vergangenen Jahr hatte das Legespiel Azul (Next Move) von Michael Kiesling gewonnen.

Kennerspiel des Jahres 2019

Neben dem Spiel des Jahres 2019 wird in Berlin auch der Preis Kennerspiel des Jahres 2019 verliehen. Kennerspiele richten sich an Menschen, die schon eine etwas fortgeschrittene Spielerfahrung haben. Für diesen Preis hat die Jury ebenfalls drei Spiele nominiert. Darunter sind Carpe Diem (alea/Ravensburger), Detective (Portal Games/Pegasus Spiele) und Flügelschlag (Feuerland).

Nominiert für das Kennerspiel des Jahres 2019: Carpe Diem (alea/Ravensburger), Detective (Portal Games/Pegasus Spiele) und Flügelschlag (Feuerland. Foto: Karsten Grosser

Bei Carpe Diem gestalten die Spieler Stadtviertel im Alten Rom. Plättchen werden so auf den eigenen Plan gelegt, dass möglichst viele der persönlichen und allgemeinen Aufgaben erfüllt werden. Die Jury lobt die Autorenleistung von Stefan Feld: Er habe einen Auswahlmechanismus entwickelt, der planerische Überlegungen erfordert und dennoch schnelle Züge erlaubt. Selten habe ein strategisches Kennerspiel so viel Tempo gehabt. Schön sei das Spiel zwar nicht, spieltechnisch aber ein Glanzstück.

Detective ist sicherlich das innovativste Spiel unter den drei nominierten Kennerspielen. Als Ermittler tauchen die Spieler in eine Kampagne ein, in der sie gemeinsam fünf miteinander zusammenhängende Kriminalfälle zu lösen haben. Es beginnt mit der Frage, warum eine im Zweiten Weltkrieg in Polen verschwundene Uhr plötzlich in den USA wieder auftaucht. Auf der Suche nach Antworten helfen nicht nur viele Karten mit Spuren, sondern auch eine eigens eingerichtete Online-Datenbank. "Die immersive Wirkung ist enorm und wird nicht von unnötigem mechanischen Ballast gestört", lobt die Jury.

Bei Flügelschlag locken die Spieler Vögel in artgerechte Lebensräume und nutzen deren Fähigkeiten wie Eier legen, Jagen oder das Bilden von Schwärme. Dabei überzeigt dieses Optimierspiel mit einer fantastischen Ausstattung. Allein die 170 unterschiedlichen Vogelkarten laden ein, viel über die nordamerikanische Vogelwelt zu lernen. Die Jury befindet: "Eingängige Spielmechanismen, ein schnörkelloser Ablauf und eine hohe Taktung wichtiger Entscheidungen machen Flügelschlag zu einem wahren Überflieger."

Kinderspiel des Jahres 2019

Bereits am 24. Juni wird in Hamburg das Geheimnis gelüftet, welcher Titel den Preis Kinderspiel des Jahres 2019 gewinnen wird. Die Jury des Vereins Spiel des Jahres hat auch für diesen Preis drei Spiele nominiert: 

Bei Fabulantica geht es für die Kinder darum, Märchenfiguren zusammenzubringen. Dieses Unterfangen wird zu einer Gedächtnisprobe, denn die Figuren sind kreuz und quer im Märchenreich versteckt – und nur mit ganz speziellen Fortbewegungsmitteln zu erreichen. Eine Mischung aus den bekannten und preisgekrönten Spielen Sagaland und Elfenland. Kinderspielexperten kennen Fabulantica von Marco Teubner schon etwas länger. Der litauische Verlag Logis hatte es schon vor rund anderthalb Jahren auf den Markt gebracht, allerdings war es in Deutschland noch nicht flächendeckend zu bekommen. Das ändert sich jetzt mit der von Pegasus überarbeiteten Version. 

Nach einigen Jahren Pause ist der Zoch-Verlag wieder unter den letzten Drei im Rennen um das Kinderspiel des Jahres. Zoch zeichnet verantwortlich für einen der größten Dauerbrenner in dieser Kategorie: Da ist der Wurm drin. Und der Aufbau des diesjährigen Anwärters Go Gecko Go von Jürgen Adams erinnert merkbar an das Wurmspiel: vier Bahnen, auf denen ein Rennen stattfindet. Doch das war es auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Denn diesmal haben die Mitspieler deutlich mehr Einfluss auf das Geschehen. Jedes Kind muss versuchen, sein Tierquartett, bestehend aus Krokodil, Schildkröte, Frosch und Gecko, als erster ins Ziel zu bringen. Dabei wird gezogen, geschoben und Huckepack getragen.  

Gekegelt wurde schon vor rund 3500 Jahren in Ägypten. Ob es auch die Wikinger taten, ist nicht überliefert. In Tal der Wikinger von Wilfried und Marie Fort müssen sie Fässer mit einer Kugel umwerfen, um sich den größten Anteil am Goldschatz zu sichern. Doch viel hilft hier nicht immer viel. Denn fällt das eigene Fass zu oft, landet die Spielfigur im Wasser und geht bei der Verteilung der Schätze leer aus. Mit Taktik und Geschick müssen die Kinder also vorgehen bei diesem imposanten und innovativen Spiel aus dem Hause Haba, bei dem es – ganz zum Setting passend – auch mal rau zugeht, wenn der Mitspieler absichtlich versenkt wird.

Die Empfehlungslisten 2019

Neben den jeweils drei nominierten Spiele gibt die Jury zudem eine Liste mit weiteren Spiele-Empfehlungen heraus. Darauf sind in diesem Jahr zu finden:

Spiel des Jahres – Empfehlungsliste 2019

  • Belratti (Mogel-Verlag) von Michael Loth
  • Dizzle (Schmidt Spiele) von Ralf zur Linde
  • Imhotep – Das Duell (Kosmos) von Phil Walker-Harding
  • Krasse Kacke (Pegasus Spiele) von Jonathan Favre-Godal
  • Reef (Next Move) von Emerson Matsuuchi
  • Sherlock (Abacusspiele) von Josep Izquierdo und Marti Lucas

Kinderspiel des Jahres – Empfehlungsliste 2019

  • Bauernhof-Bande (Haba) von Justin Lee
  • Concept Kids (Repos Production) von Alain Rivollet und Gaetan Beaujannot
  • Magic Maze Kids (Sit Down!/Pegasus Spiele) von Kasper Lapp
  • Monster-Bande (Drei Hasen in der Abendsonne) von Florian Biege
  • Monster Match (Kosmos) von Ken Gruhl und Quentin Weir
  • Octopus (Djeco) von Grégory Kirszbaum und Alex Sanders
  • Voll verwackelt (Queen Games) von Wolfgang Dirscherl und Manfred Reindl

Kennerspiel des Jahres – Empfehlungsliste 2019

  • Architekten des Westfrankenreichs (Schwerkraft) von Shem Phillips und Sam Macdonald
  • Das tiefe Land (Feuerland) von Claudia und Ralf Partenheimer
  • Newton (Cranio Creations/Asmodee) von Simone Luciani und Nestore Mangone
  • Paper Tales (Frosted Games/Pegasus Spiele) von Masato Uesugi

Die Auszeichnung „Spiel des Jahres“ sorgt in der Regel für deutliche höhere Verkaufszahlen eines Spiels als im Normalfall. Um das entsprechende Logo, einen roten Pöppel, nutzen zu dürfen, zahlen Verlage eine Lizenzgebühr an Spiel des Jahres. Dieser Verein ist ein Zusammenschluss unabhängiger Spielekritiker. Zu den Mitgliedern der Jury zählen auch die Autoren dieses Beitrags.


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