TV-Skandal Betrugsverdacht: Finale von "The Voice Kids" in Russland wird wiederholt

Von dpa

Sängerin Alsou bei einem Auftritt. Foto: imago images/Mikhail JaparidzeSängerin Alsou bei einem Auftritt. Foto: imago images/Mikhail Japaridze

Moskau. Aufregung in Russland: Das Finale der Castingshow "The Voice Kids" muss wiederholt werden. Es gibt Hinweise auf einen möglichen Betrug.

Weil die Ergebnisse bei einem Kinder-Gesangswettbewerb im russischen Fernsehen manipuliert worden sein sollen, wird das Finale annulliert und wiederholt. Nach dem erdrutschartigen Sieg der zehn Jahre alten Tochter der russischen Popsängerin Alsou bei der Castingshow "The Voice Kids" hatte es Zweifel am Ergebnis gegeben.

Der russische Sender Perwy Kanal teilte am Donnerstag mit, auf Grundlage von Ermittlungen werde das Finale für nichtig erklärt. Es gebe Hinweise auf einen "externen Einfluss, der sich auf das Ergebnis der Show ausgewirkt hat". Der Abschlussbericht werde bis Ende Mai erwartet. In einer Woche soll das Finale neu angesetzt werden. Der Sender sprach von einer "beispiellosen Entscheidung".

Automatisierte SMS?

Das russische Staatsfernsehen hatte nach eigenen Angaben ein auf die Verhinderung und Aufklärung von Cyberangriffen spezialisiertes Unternehmen aus den Niederlanden mit der Prüfung beauftragt. Dieses teilte mit, es habe automatisierte SMS bei der Telefonabstimmung gegeben.

Die russische Boulevardzeitung "Komsomolskaja Prawda" berechnete anhand der mutmaßlichen Kosten für die eingegangenen Stimmabgaben, der Sieg des Mädchens müsse fast sieben Millionen Rubel (etwa 96 500 Euro) gekostet haben.

Sorge um Gewinnerin

Nach dem Finale vor gut drei Wochen hatte es heftige Kritik gegeben. Die Boulevardzeitung schrieb danach: "Alsous Tochter hat gewonnen, aber das Land war dagegen". Als Favorit war ein anderes Kind gehandelt worden. Die Sängerin Alsou hatte im Jahr 2000 beim Eurovision Song Contest den zweiten Platz geholt.

Zugleich gab es in Russland aber Sorgen um das Befinden des Mädchens im Zuge der Diskussion um einen möglichen Betrug. Die Sendung solle Kindern schließlich "nur positive Erfahrungen" bringen, hieß es beim Staatsfernsehen. Kinder sollten nicht für die Handlungen anderer verantwortlich gemacht werden. Der Sender versprach, das Abstimmungsverfahren künftig zu verbessern.


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