Warnung von Archäologen Inkastadt in Gefahr? Peru plant Flughafen bei Machu Picchu

Der Machu-Picchu-Komplex ist ein beliebtes Reiseziel. Foto: AFP/Cris BOURONCLEDer Machu-Picchu-Komplex ist ein beliebtes Reiseziel. Foto: AFP/Cris BOURONCLE

Chinchero. Peru will Touristen näher an die weltberühmte Sehenswürdigkeit heranbringen und investiert Milliarden in einen neuen Flughafen. Archäologen schlagen Alarm: Der Flugzeugverkehr würde die historische Inkastadt langsam aber sicher zerstören.

Die Bulldozer sind schon da – und Archäologen, Historiker und Einwohner schlagen die Hände über den Kopf: Die peruanische Regierung plant einen neuen internationalen Flughafen in 60 Kilometer Luftlinie von der Landesattraktion Machu Picchu entfernt. 

Rund 1,5 Millionen Touristen besuchten 2017 die Inkastadt aus dem 15. Jahrhundert. Der bisherige Flughafen in Cusco ist nach Regierungsangaben mit der hohen Touristenzahl überlastet. Bis 2023 sollen Machu-Picchu-Touristen daher in Chinchero abgefertigt werden.

Kritiker weisen in einem Bericht des "Guardian" jedoch darauf hin, dass die Flugzeuge zum Starten und Landen sehr tief über die Gebäude und Inka-Terrassen fliegen würden. Dies berge unkalkulierbare Risiken für die einzigartigen Ruinen durch Lärm, Luftverschmutzung, Verkehr und unkontrollierbare Verstädterung.

Es wirkt ironisch und auf eine Art widersprüchlich, dass sie hier einen Flughafen bauen wollen, der nur 20 Minuten vom Heiligen Tal, dem Kern der Inka-Kultur entfernt ist, wegen dem die Touristen ja überhaupt herkommen.Anthropologe Pablo Del Valle im "Guardian"

Rund 400 Historiker und andere Gelehrte hatten bereits im Januar eine Petition gestartet, die sich gegen den Flughafen in Chinchero richtet und den Erhalt des kulturellen Erbes fordert. Derzeit hat der Appell bei change.org rund 6500 Unterstützer.

Ministerium testet eingeschränkte Besuchszeiten

Die Touristenströme haben jetzt schon eine zerstörerische Wirkung auf die jahrhundertealten Steinoberflächen. Um die wachsende Zahl der Besucher unter Kontrolle zu bekommen, hat die Regierung deshalb am Freitag den Zugang zu drei wichtigen Sehenswürdigkeiten in Machu Picchu eingeschränkt. Die Unesco-Welterbe Sonnentempel, Tempel des Kondors und Intihuatana-Stein sollen nur noch von 6000 Besuchern bei dreistündigen Touren besichtigt werden. 

Die Regierung will die Besucherströme einschränken. Foto: AFP/Cris BOURONCLE

Zunächst gilt diese Beschränkung nur bis Ende Mai. Nach Evaluierung könnten sie ab Juni dauerhaft gelten. Die Maßnahmen seien "angesichts der Anzeichen des Verfalls notwendig, um Machu Picchu zu bewahren", erklärte das Kultusministerium.

Das vom Inkaherrscher Pachacútec erbaute Machu Picchu war im Juli 1911 vom US-Archäologen Hiram Bingham für die Wissenschaft entdeckt worden. Heute gehören die Ruinen zu den bekanntesten archäologischen Stätten der Welt. Im Jahr 1983 wurde die auf einem Bergrücken in 2500 Meter Höhe gelegene Inkastadt in das Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen.

(mit AFP)


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