Mangelernährung eines Säuglings Paar ernährt seine Tochter ausschließlich vegan – jetzt droht Haft

Einem Paar aus Sydney droht wegen veganer Ernährung seiner Tochter Haft. Symbolfoto: dpa/Markus ScholzEinem Paar aus Sydney droht wegen veganer Ernährung seiner Tochter Haft. Symbolfoto: dpa/Markus Scholz

Sydney. Das Kind hatte mit 19 Monaten noch überhaupt keine Zähne und wog nicht einmal fünf Kilogramm: Einem Elternpaar aus Australien droht eine Gefängnisstrafe, weil es seinem Kind mit einer streng veganen Ernährung geschadet haben soll.

Ein Paar aus Australien hat seine kleine Tochter streng vegan ernährt. Das Mädchen war mit mehr als anderthalb Jahren erst so weit entwickelt wie normale Kleinkinder im Alter von drei Monaten, wie die australische Nachrichtenagentur AAP am Donnerstag aus einem Gericht in Sydney berichtete. Nach Zeugenaussagen hatte es mit 19 Monaten noch überhaupt keine Zähne und wog nicht einmal fünf Kilogramm. Den Eltern droht nun eine Gefängnisstrafe.

Vater und Mutter drohen nun bis zu fünf Jahre Haft, weil sie die Gesundheit ihrer Tochter aufs Spiel setzten. Aus Unterlagen geht hervor, dass das Baby mit Haferflocken, Kartoffeln, Reis, Tofu, Brot, Erdnussbutter und Reismilch ernährt wurde. Zudem bekam es Obst und Rosinen. Die Eltern verzichteten auch darauf, es impfen zu lassen. Aus juristischen Gründen darf das Alter der Eltern nicht genannt werden. 

Kind noch immer entwicklungsverzögert

Der schlechte Zustand des Kindes fiel auf, als es im Mai 2018 mit einem Schüttelanfall ins Krankenhaus musste. Daraufhin wurde es zu einer Pflegemutter gegeben und unter ärztliche Kontrolle gestellt. Zuvor war es seit der Geburt nie mehr beim Arzt. Inzwischen ist das Mädchen fast drei Jahre alt, aber erst so groß wie ein Einjähriges. Dafür hat es deutlich an Gewicht zugelegt. Die Pflegemutter sagte: "Es ist, als ob ihr Körper Kalorien speichert – für den Fall, dass sie sie in Zukunft noch einmal braucht." 

Übersicht über Hauptarten vegetarischer Ernährung. Grafik: dpa

Vegane Ernährung kann Kindern schaden, wenn...

Eine vegane Ernährung ist laut Uwe Schröder, Diplom Ökotrophologe vom Deutschen Instiut für Sporternährung, immer auch mit dem Risiko verbunden, ein Defizit bei bestimmten Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen zu bekommen. "Ein Veganer muss versuchen, Mikronährstoffe wie Eisen, Vitamin B12, Vitamin B, Magnesium und Zink aus pflanzlichen Lebensmitteln zu bekommen", erklärte Schröder im März im Gespräch mit unserer Redaktion. 

Bei Säuglingen müsse vor allem auf die Vitamin-B12-Zufuhr geachtet werden. Vitamin B12 kommt in tierischen Produkten wie Fleisch, Fisch, Milch und Eiern sowie in Innereien vor. Es gibt eine Reihe von Fällen, bei denen Säuglinge durch einen Mangel an Vitamin B12 deutliche Entwicklungsverzögerungen hatten, heißt es auch in einem Bericht aus dem Ärzteblatt. Demnach könne ein B12-Mangel bei Säuglingen "schwere und zum Teil irreversible neurologische Schäden auslösen". Auch in der Dissertation von Wencke Weber-Ferro zum Thema "Maternal bedingter Vitamin B12-Mangel im Säuglingsalter als Ursache von Entwicklungsverzögerung" wird das Problem deutlich.

In Deutschland bewertet das Netzwerk Gesund ins Leben eine vegane Ernährung als ungeeignet für Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät davon ab.


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