2016 mit Kindern zurückgekehrt IS-Witwe lebt in Hamburg: Frau des Terroristen Deso Dogg

Von Markus Lorenz

Erst Gangsta-Rapper, später IS-Terrorist: Dennis Cuspert soll Anfang 2018 in Syrien getötet worden sein. Dass seine Witwe inzwischen in Hamburg lebt, dazu halten sich die Behörden bedeckt. Foto: imago/Sven LambertErst Gangsta-Rapper, später IS-Terrorist: Dennis Cuspert soll Anfang 2018 in Syrien getötet worden sein. Dass seine Witwe inzwischen in Hamburg lebt, dazu halten sich die Behörden bedeckt. Foto: imago/Sven Lambert

Hamburg. Die Witwe des deutschen IS-Terroristen Denis Cuspert – alias Deso Dogg – hält sich offensichtlich völlig unbehelligt in Hamburg auf. Omaima A. (34) lebe im Stadtteil Neugraben-Fischbek und bezeichne sich selbst als freischaffende Übersetzerin und Event-Managerin, berichtet die libanesische TV-Journalistin Jenan Moussa auf Twitter.

Nach ihren Recherchen war Omaima A. Anfang 2015 ihrem damaligen Ehemann, dem Frankfurter Dschihadisten Nadir Hadra, nach Syrien nachgereist. Nach dem Tod Hadras habe sie dort Cuspert geheiratet, der als Gangsta-Rapper Deso Dogg in Deutschland bekannt war und sich dann radikalisierte; er soll 2018 im Bürgerkrieg gefallen sein.


Die deutsche Staatsbürgerin A. kehrte vermutlich schon 2016 über die Türkei in ihre Heimatstadt Hamburg zurück, wo sie bis heute mit ihren Kindern lebt.

Moussa hat die Geschichte der IS-Dschihadistin für den arabischen Nachrichtensender Al Aan TV recherchiert. Sie stützt ihre Erkenntnisse wesentlich auf Tausende Fotos und Dokumente von Omaima A.’s Handy, das in Syrien in die Hände der Journalistin gelangt war.

Die gespeicherten Fotos zeigen A. mit Cuspert und anderen bekannten IS-Terroristen. Zu sehen sind auch die Kleinkinder der Frau, wie sie in IS-Uniform mit Waffen posieren. Auf einer Aufnahme aus dem März 2015 trägt A. selbst eine Waffe. Während ihre Ehemänner für den IS kämpften, habe Omaima A. aus Syrien heraus Online-Propaganda für die Terrormiliz betrieben, sagt Moussa.


Sie zeigt das heutige Linkedin-Profil der Rückkehrerin, auf dem eine selbstbewusste Frau mit schwarzem Blazer und weißer Bluse zu sehen ist. Die Social-Media-Auftritte vom A. sind inzwischen gelöscht.

Alle Versuche der Journalistin, die Gesuchte in Hamburg zu sprechen, scheiterten. Bei einem Besuch in der Neugrabener Reihenaussiedlung war A. nicht zu Hause. Als Moussa diese später anrief und ihr sagte, sie wolle mit ihr über deren IS-Vergangenheit sprechen, legt diese auf.


Die Behörden halten sich auf Nachfrage ungewöhnlich bedeckt. Die Hamburger Polizei postete auf Moussa Twitter-Profil lediglich: „Der Sachverhalt ist uns bereits bekannt.“ Die Generalstaatsanwaltschaft in Karlsruhe wollte sich zu dem Fall ebenso wenig äußern wie der Hamburger Verfassungsschutz.

Unklar bleibt damit einstweilen, ob das nun veröffentliche Material für ein Strafverfahren oder gar einen Haftbefehl gegen die Witwe ausreicht. Dem Vernehmen nach prüfen die Behörden derzeit, ob sich der Verdacht auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung belegen lässt.

Jenan Moussa kann die bisherige Tatenlosigkeit der deutschen Behörden nicht nachvollziehen. Dem „Spiegel“ sagte sie: „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand mit dieser Geschichte in Deutschland herumläuft.“​


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