Sicherheitsvorkehrungen im Osnabrücker Dom Brand in Notre-Dame: Wie gefährdet sind deutsche Kathedralen?

Nach dem Brand in der Pariser Notre-Dame, stellt sich die Frage, ob auch deutsche Kirchen wie der Osnabrücker Dom Opfer eines Brandes werden könnten. Foto: Michael GründelNach dem Brand in der Pariser Notre-Dame, stellt sich die Frage, ob auch deutsche Kirchen wie der Osnabrücker Dom Opfer eines Brandes werden könnten. Foto: Michael Gründel

Paris/Berlin. Am Montag stand in Paris die Kathedrale Notre-Dame lichterloh in Flammen. Könnte so ein Brand in einer deutschen Kirche ausbrechen?

Es waren dramatische Bilder, die nicht nur Paris und ganz Frankreich, sondern auch viele andere Länder der Welt erschütterten: Notre-Dame, ein Wahrzeichen im Herzen von Paris, brannte am Montagabend lichterloh. Erst am Dienstagmorgen war das Feuer vollständig gelöscht worden. Zur Zeit fanden Reinigungsarbeiten an der Fassade der Kirche statt. Nach Einschätzung der Feuerwehr könnte das Feuer mit den Arbeiten zusammenhängen. 

Bereits Ende März hatte es in einer weiteren bedeutenden Kirche Frankreichs gebrannt: In der Saint-Sulpice, die zweitgrößte Kirche in Paris, brach aus noch ungeklärter Ursache ebenfalls ein Feuer aus. Der Brand konnte allerdings nach einer Viertelstunde gelöscht werden.

Doch wie steht es um die Sicherheit deutscher Kathedralen? Könnten auch sie einem Feuer zum Opfer fallen?

Die katholische und evangelische Kirche in Niedersachsen sehen ihre Gebäude gut gegen Brände gerüstet. „Der Hildesheimer Dom verfügt über ein flächendeckendes Brandmeldesystem, und wenn ein Brand auftreten würde, würde er früh erkannt werden und könnte auch früh gelöscht werden", sagte am Dienstag ein Sprecher des Bistums Hildesheim. Der im Krieg zerstörte Dom sei beim Wiederaufbau mit einer Stahldachkonstruktion versehen worden. „Im Falle eines solchen Brandes wie in Paris würde die Dachkonstruktion stehen bleiben."

Regelmäßige Brandschauen in Osnabrück

Auch im Osnabrücker Dom gebe es nach einer vor einigen Jahren vorgenommenen Renovierung Steigleitungen für Löschwasser, sagte ein Bistumssprecher. Außerdem gebe es in regelmäßigen Abständen Brandschauen durch Experten der Feuerwehr – das gelte für alle Gebäude der Kirche, auch in den Gemeinden. 

Foto: Michael Gründel

In der Hannoverschen Landeskirche müssen die Kirchengemeinden jedes Jahr eine Baubegehung in den Kirchen durchführen und Mängel kurzfristig beheben, sagte der Baudirektor der Landeskirche, Werner Lemke. Im Turnus von drei Jahren führen auch die Ämter für Bau- und Kunstpflege eine Baubegehung durch und listen alle erkannten Mängel auf. Hinzu kommen Prüfungen von der evangelischen Fachstelle für Arbeitssicherheit (EFAS). Bei diesen Begutachtungen sollen auch Mängel an elektrischen Anlagen erkannt werden.   

Vorkehrungen für Kölner Dom

Nach dem verheerenden Brand von Notre-Dame wollen die Verantwortlichen des Kölner Doms ihr Brandschutzkonzept noch einmal unter die Lupe nehmen. Natürlich werde man prüfen, ob man Lehren aus Notre-Dame ziehen könne, sagte der Kölner Dombaumeister Peter Füssenich am Dienstag. Auch im Kölner Dom könne ein Feuer ausbrechen, das gelte für jedes Gebäude, in dem brennbare Stoffe verbaut seien. "Wir in Köln haben regelmäßige Begehungen mit der Feuerwehr und bereiten uns auch auf solche Szenarien vor." 

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Das bestätigt auch Marc David, Sprecher der Kölner Feuerwehr: "Die zuständige Innenstadt-Wache und die umliegenden Wachen haben die Vorgabe, dass jeder Feuerwehrmann mindestens einmal im Jahr den Dom kennenlernt." Es gebe viele kleine Türen und im Brandfall falle die Orientierung noch schwerer. Doch die Feuerwehr hat noch weitere Maßnahmen entwickelt: "Außen am Dom sind Löschwasserleitungen bis hoch zum Dach. Wir haben dann schnell Wasser oben", erklärt David. Zudem sei der Dom in Brandabschnitte mit Abtrennungen zwischen den Dächern unterteilt. An vier Punkten um den Dom werden außerdem Plätze für Drehleitern freigehalten – selbst wenn Weihnachtsmarkt ist. 

Foto: dpa/Henning Kaiser

Die Zerstörung des Dachstuhls von Notre-Dame sei ein besonders großer Verlust, weil er überwiegend noch aus dem 13. Jahrhundert stamme, sagt Füssenich. Der Kölner Dom besitze einen Dachstuhl aus Eisen aus dem 19. Jahrhundert. "Im Vergleich zu einem hölzernen brennt der nicht direkt. Wenn aber ein großes Feuer auf ihn einwirkt, dann hat das auch Folgen. Dann verzieht sich so ein eiserner Dachstuhl." 

Gefahr am Aachener Dom sehr groß

Auch im Aachener Dom herrscht nach Angaben des zuständigen Dombaumeisters ein hohes Brandrisiko. Der Dachstuhl aus dem Jahr 1656 bestehe wie derjenige der Pariser Kathedrale Notre-Dame aus Holz, sagte Helmut Maintz der "Rheinischen Post" vom Dienstag. "Die Gefahr ist sehr, sehr groß." Daher gebe es im Dom eine Sprinkleranlage, zudem bestehe ständiger Kontakt zur Feuerwehr. 

Foto: dpa/Marius Becker

Bei Bauarbeiten an der Kirche der nordrhein-westfälischen Stadt gelten demnach auch besondere Sicherheitsvorkehrungen, um Brände zu verhindern. Unter anderem wird nach Feierabend der Strom für die Handwerker abgeschaltet.

Berliner Dom gerettet

Der Berliner Dom hatte bereits einmal einen Brand überlebt: Die Kirche wurde Ende 1994 saniert, als am 26. Oktober bei Dachdeckerarbeiten Feuer am Fuß der Kuppel ausbrach und sich unter dem Kupferblech in die Höhe fraß. Damals kämpfte die Feuerwehr mehrere Stunden lang gegen die Flammen und konnte die Kuppel schließlich vor dem Einsturz bewahren.

Foto: dpa/Paul Zinken

Löscharbeiten in Essen sehr schwierig

Auch in Essen geriet der höchste Kirchturm der Stadt in Brand: Anfang Januar 2014 zog ein Unwetter über Essen, ein Blitzschlag traf den 74 Meter hohen Turm der Pfarrkirche St. Hubertus und Raphael. Wie auch bei der Notre-Dame gestalteten sich die Löscharbeiten als schwierig und waren erst am Tag darauf erfolgreich abgeschlossen. Die Feuerwehr musste damals speziell einen Teleskopmast anfordern und das Dach von außen aufsägen, um an das Feuer zu gelangen. 

Foto: dpa/Caroline Seidel

Parallelen zu Brand in Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar

Der Brand der Pariser Kathedrale weckte Erinnerungen bei Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow. In einem Interview mit "MDR aktuell" am Dienstagmorgen sagte er: "Das ist wie der Brand an der Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Ich hab den Geruch noch heute in der Nase."

Foto: dpa/Jan-Peter Kasper

Im September 2004 war ein Feuer im Dachstuhl des Weimarer Bibliotheksgebäudes ausgebrochen. Ursache war vermutlich ein defektes Elektrokabel gewesen. Weit mehr als 100.000 Bücher wurden durch Flammen und Wasser beschädigt oder vernichtet. Drei Jahre später wurde das sanierte Gebäude wiedereröffnet. 

Wiener Stephansdom weniger gefährdet

Ein Blick zu unseren Nachbarn nach Österreich: Wie die Pariser Kathedrale wird auch der Wiener Stephansdom jährlich von mehreren Millionen Menschen pro Jahr besucht. Dieser ist nach Aussage von Kardinal Christoph Schönborn allerdings viel weniger brandgefährdet als die Notre-Dame. Das in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstörte Gebäude besitze seitdem eine Dachkonstruktion aus Stahl und nicht aus Holz, sagte der Wiener Erzbischof am Montagabend in der Nachrichtensendung "ZiB2".

Foto: dpa/Helmut Fohringer/apa

(mit dpa und AFP)


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