In Gewächshaus in Schleswig-Holstein Grünes Licht für Cannabis-Anbau in Neumünster

Von Hannes Harding

Symbolfoto: dpaSymbolfoto: dpa

Neumünster. Dem Anbau von medizinischem Cannabis in großem Stil in Neumünster (Schleswig-Holstein) steht fast nichts mehr im Wege. Die deutsche Tochter des kanadischen Unternehmens Aphria (ehemals Nuuvera) hat den Zuschlag für einen Teil der ausgeschriebenen Mengen für den deutschen Markt erhalten.

Sollten bis zum 17. April keine Einsprüche gegen die Vergabe beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eingehen, kann Aphria Deutschland auf grüne Hanfpflanzen statt auf rote Chilischoten setzen.

Letzte Unsicherheit

Am 17. April endet die Frist, bis zu der unterlegene Bewerber um die begehrten Cannabis-Anbau-Lizenzen rechtliche Schritte einreichen können. Das war bereits im März 2018 geschehen, als das Oberlandesgericht Düsseldorf die Ausschreibung durch das BfArM aus formalen Gründen gestoppt hatte. Aufgrund der dadurch eingetretenen zeitlichen Verzögerung plante Aphria vorübergehend als Alternative den Anbau von medizinischem Chili in Neumünster für die Verwendung in Wärmepflastern.

Am Mittwoch vergangener Woche aber entschied das BfArM zugunsten zweier kanadischer und eines deutschen Unternehmens. Neben Aphria Deutschland kamen Aurora Cannabis aus Kanada und das Berliner Unternehmen Demecan zum Zuge. Insgesamt hatten sich 79 Bieter und Bietergemeinschaften an dem Ausschreibungsverfahren beteiligt.

Vier Tonnen Cannabis

Drei von insgesamt 13 Losen gingen an die Berliner, je fünf an Aurora Cannabis und Aphria. Pro Los dürfen jährlich 200 Kilogramm Cannabisblüten geerntet werden. Für Aphria Deutschland und die Plantage in Neumünster heißt das: Im Industriegebiet Süd könnte vorerst vier Jahre lang je eine Tonne Cannabis pro Jahr ausgeliefert werden.

Aphria-Deutschland-Geschäftsführer Hendrik Knopp betont in einer Unternehmensmitteilung, die Kanadier seien stolz darauf, im deutschen Ausschreibungsverfahren als erfolgreicher Bewerber ausgewählt worden zu sein. „Die Entscheidung des BfArM ist eine Bestätigung des strategischen Ansatzes zur Unterstützung des deutschen Marktes für medizinisches Cannabis, einschließlich einer qualitativ hochwertigen heimischen Produktion, um die Versorgung der Patienten mit lebenswichtigen Mitteln sicherzustellen“, so Knopp.

XXL-Gewächshaus

Unterdessen wächst zwischen Bundesstraße 205 und Donaubogen in direkter Nachbarschaft des Milchtrocknungswerks das größte Cannabis-Gewächshaus Deutschlands. Ein großer Kran hievt Betonteile an ihren Platz, die als Wände zwischen etlichen tragenden Stützen befestigt werden. Wenn der Rohbau fertig ist, umschließen sie eine Fläche von 8000 Quadratmetern. Das ist größer als ein Fußballfeld (gut 7100 Quadratmeter). Und möglicherweise noch nicht das Ende der Fahnenstange. Dem Magazin Spiegel sagte Knopp: „Wir haben uns weitere Flächen gesichert und können jederzeit anbauen.“

Der Bedarf wächst

In Bad Bramstedt baut Aphria Deutschland zudem einen Hochsicherheitsbunker für die Lagerung von fünf Tonnen importierten Cannabis-Blüten und -Ölen. Denn die vom BfArM ausgeschriebenen Mengen reichen nicht aus, um den Bedarf in Deutschland zu decken. Dieser steigt, seit die Verschreibung von Cannabis-Medikamenten im Jahr 2017 erlaubt wurde.

Bereits in der erneuten Ausschreibung hatte die Bundesregierung 2018 auf Kritiker reagiert, die einen deutlich höheren Bedarf prognostizierten. Die Gesamtmenge wurde für vier Jahre von 6,6 auf 10,4 Tonnen Cannabis für vier Jahre erhöht.

Cannabis-Agentur

Frei verkaufen dürfen die Cannabis-Anbauer ihre Ernte in Deutschland nicht. Das BfArM beauftragt den Anbau und nimmt die Ernte von den Produzenten zu einem vereinbarten Preis ab. Im Anschluss verkauft das BfArM als Cannabis-Agentur den Medizinalhanf ohne Gewinn an Hersteller von Cannabisarzneimitteln, Großhändler oder Apotheken.


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