Neues aus der Wissenschaft Der Morgen nach Weiberfastnacht – Was am besten gegen den Kater hilft

Von dpa

Auch Einhörner brauchen mal eine Auszeit. Foto: imago/Ralph PetersAuch Einhörner brauchen mal eine Auszeit. Foto: imago/Ralph Peters
Ralph Peters

Köln. Erst Tag zwei der Karnevalsfeierlichkeiten und schon machen Sie schlapp? Wer an Weiberfastnacht zu sehr dem Alkohol frönt, plagt sich am nächsten Tag mit einem Kater. Rund um die Folgen des Alkoholrauschs kursieren etliche Weisheiten. Nicht alle halten einer wissenschaftlichen Prüfung stand.

Wer an den Karnevalstagen ein paar Gläser mehr trinkt, könnte einen ungebetenen Gast bemerken: den Kater nach dem Rausch. Die Wissenschaft hat sich den Folgen des Alkoholkonsums ausgiebig gewidmet. Ein Überblick: 

In welcher Reihenfolge man trinkt, ist dem Kater egal

"Bier auf Wein, das lass' sein. Wein auf Bier, das rat' ich dir." Forscher der Universität Witten/Herdecke haben den prominenten Rat zur Katervermeidung mit einem feuchtfröhlichen Experiment als Mythos entlarvt. Ihre Erkenntnis: Für den Kater spielt es keine Rolle, in welcher Reihenfolge man Bier und Wein in sich hineingeschüttet hat. Die Teilnehmer der Studie tranken an zwei verschiedenen Abenden zunächst nur Wein oder Bier und wechselten bei 0,5 Promille Alkohol im Blut auf das jeweils andere Getränk. Für den Morgen danach machte das keinen Unterschied. "Wir haben eindeutig gezeigt: Das Sprichwort stimmt nicht – zumindest für Weißwein und Lagerbier", sagt der Mediziner Kai Hensel, der das Experiment in Witten geleitet hat.

Nur Weicheier bekommen einen Kater

Nach einer durchzechten Nacht mit Kater aufzuwachen, ist kein Zeichen von Schwäche. Das ist das Fazit einer Befragung niederländischer Studenten, die Wissenschaftler der Universität Utrecht durchgeführt haben. Es gab keine Unterschiede beim Wohlbefinden oder der sonstigen Widerstandsfähigkeit zwischen denen, die anfällig für Kater sind und denen, die weniger unter den Folgen des Trinkens leiden. "Am Ende des Tages ist das Katerempfinden aber natürlich subjektiv, denn es ist ja eine Form von Schmerz", sagt Wissenschaftler Hensel dazu.

Das sind die typischen Symptome einer durchzechten Nacht

Die Utrechter Alkoholforscher haben niederländische Studenten auch dazu befragt, wie sich ihr Kater äußert. Dabei kam heraus: Müdigkeit, Durst und Konzentrationsprobleme sind die Symptome, die von mehr als 95 Prozent der an Kater leidenden Befragten genannt wurden. Außerdem sehr häufig waren Kopfschmerzen und Übelkeit. Gut jeder fünfte Befragte berichtete von Angstzuständen.

Jeder Alkohol miaut anders

Ein Experiment US-amerikanischer Forscher zeigte: Bourbon verursacht einen heftigeren Kater als Wodka. Die Wissenschaftler führen das darauf zurück, dass Bourbon einen rund 37-fach höheren Anteil an sogenannten Kongeneren hat – das sind chemische Substanzen, die bei der Gewinnung von Alkohol entstehen. Außerdem können Inhaltsstoffe wie Kohlensäure oder Glukose einen Kater verstärken. 

Was zu viel Alkohol ist, das ist wissenschaftlich ermittelt: Untersuchungen zufolge haben etwa 50 Prozent der Trinker einen Kater, wenn sie mehr als 1,5 Gramm puren Alkohol pro Kilo Körpergewicht konsumiert haben. Wer 70 Kilo wiegt, riskiert also wissenschaftlich betrachtet sehr wahrscheinlich einen Kater, wenn er einen Liter Wein trinkt.

Aber was hilft denn nun wirklich?

Das perfekte Katermittel ist leider noch immer nicht gefunden. Wirklich helfen tut das berühmte Glas Wasser zu jedem Drink. Durch den Alkohol trocknet unser Körper aus und verliert wichtige Mineralien. Um das auszugleichen wird zusätzliche Flüssigkeit zum Beispiel in Form von Mineralwasser benötigt. 

In Bezug auf Mineralien ist salzhaltige Nahrung eine gute Wahl. Ohnehin sollte vor oder während des Alkoholgenusses ausreichend gegessen wird – am besten fettig. Da fettreiche Nahrung lange im Magen bleibt, hält sie den Alkohol zurück, der so langsamer in das Abbausystem des Körpers gelangt. 

Von Hausmitteln und verrückten Selbstversuchen

Der kanadische Wissenschaftler und Autor Shaughnessy Bishop-Stall behauptet, das perfekte Katermittel gefunden zu haben. Zehn Jahre lang machte er den Selbstversuch und testete am eigenen Körper, welche Mittel seinen Kater verringern. Sein Ergebnis: Der Arzneistoff N-Acetylcystein heilt den Kater am schnellsten und nachhaltigsten. Auch die Vitamine B1, B6 und B12 sollen helfen, genauso wie ein langes Bad oder ein Besuch im Schwimmbad. (Mehr zu dem Selbstversuch und eine wissenschaftliche Einschätzung der möglichen Wundermittel lesen Sie hier.)

Koreanische Forscher verabreichten einer Gruppe von 25-jährigen Männern erst 100 Milliliter Whiskey und dann eine Wasserlösung mit rotem Ginseng. Eine Kontrollgruppe bekam nach dem Whiskey nur ein wirkungsloses Placebo. Bei der Ginseng-Gruppe verringerte sich der Alkoholgehalt im Blut deutlich schneller - und damit auch das Risiko eines üblen Katers.


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