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Sexismus-Vorwürfe WDR schneidet Stelter-Szene nach Witz über Doppelnamen raus

Bernd Stelter will an seinem Witz über den Namen von Annegret Kramp-Karrenbauer festhalten. Foto: dpa/Marius BeckerBernd Stelter will an seinem Witz über den Namen von Annegret Kramp-Karrenbauer festhalten. Foto: dpa/Marius Becker

Köln. Auf einer Karnevalsveranstaltung macht Bernd Stelter einen Witz über Doppelnamen, eine Frau stürmt daraufhin die Bühne und auf Twitter wird über Alltagssexismus diskutiert. Der WDR entscheidet sich daraufhin, die Szene rauszuschneiden.

Wo fängt Humor an und wo hört er auf? An dieser Frage scheiden die Geister sich schon seit Jahren und selten kommt man dabei auf einen Nenner. Aktuell sorgt ein Witz von Bernd Stelter bei einer Karnevalssitzung beziehungsweise die offene Kritik einer Frau daran für heftige Diskussionen. Dabei geht es um den sperrigen Doppelnamen der neuen CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer und den Vorwurf von Sexismus. Jetzt hat sich der WDR dazu entschlossen, die Szene nicht zu veröffentlichen. 

"Doppelnamen sind doppelscheiße"

Was war passiert? Als der 57-jährige Komiker Stelter, der vielen noch von der RTL-Show "Sieben Tage – Sieben Köpfe" bekannt sein dürfte, anfängt, seinen Witz über den langen Namen der CDU-Politikerin aufzubauen, sind bereits erste Buh-Rufe aus dem Publikum zu hören. Kurz darauf betritt eine Dame die Bühne und outet sich als die Buh-Ruferin. 

Grund für ihren Unmut ist, dass sich Witze über Doppelnamen immer nur an Frauen richten würden: "Männernamen sind immer toll und Frauennamen sind immer scheiße. Und Doppelnamen sind doppelscheiße", sagt die Dame wütend, bevor sie von der Bühne gebeten wird. Stelter rechtfertigt sich – sichtlich verdutzt: "Was ich mache, sind Witze."

Nun dreht sich die Diskussion nicht allein darum, ob der Witz nun gut war oder Humor alles darf, sondern, ob Witze über Doppelnamen sexistisch sind, weil meistens Frauen davon betroffen seien. Tatsächlich ist es erst seit April 1994 möglich für Ehepaare, ihre Familiennamen auch nach der Hochzeit beizubehalten – also eine Ehe mit unterschiedliche Namen zu führen. Zuvor musste man sich auf einen Namen einigen, was dazu führte, dass noch vor vierzig Jahren 98 Prozent der Ehepaare den Familiennamen des Mannes annahmen. 

Kramp-Karrenbauer hatte keine Wahl

Wenn eine Frau also ihren Nachnamen beibehalten wollte, blieb ihr lediglich die Wahl des Doppelnamens. So auch bei Annegret Kramp-Karrenbauer, die ihren Mann Helmut Karrenbauer 1984 heiratete und ihren Namen – Kramp – behalten wollte. Ihr Vater verstarb ein Jahr vor der Hochzeit, weswegen sie seinen Namen unbedingt weiterführen wollte, verriet sie in einem Interview.

Wenn Bernd Stelter also innerhalb seines Witzes meint, dass ein Standesbeamter Annegret Kramp-Karrenbauer doch daraufhinweisen hätte müssen, dass das mit ihrem Namen so nicht gehe, zeugt das vielleicht von gewisser Unwissenheit des Sprücheklopfers, was die Geschichte der Namenswahl in Deutschland angeht, aber ob man ihm deshalb auch Sexismus unterstellen kann, steht auf einem anderen Blatt. 

Gegenüber der Kölnischen Rundschau erklärte die echauffierte Frau von der Karnevalsveranstaltung, die namentlich Gabriele Möller-Hasenbeck heißt: "Ich habe selbst einen Doppelnamen und muss das nicht über mich ergehen lassen. Dieser Witz hat mich verletzt", sagt sie der Zeitung.

So oder so wird der Comedian bei seinem Witz bleiben, wie er nach seinem Auftritt bekanntgab. Auch wenn er in der öffentlichen Diskussion hier und da Sexismus unterstellt wird. Er mache schließlich nur Witze und die Frau hätte sich nur auf den Schlips getreten gefühlt, weil sie ebenfalls einen Doppelnamen habe. 

WDR streicht Stelter-Szene

Die Sendung "Karneval in Köln", die am Rosenmontag um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen ist, sei ein Zusammenschnitt zweier jeweils sechsstündiger Aufzeichnungen von Kölner Karnevalssitzungen im Gürzenich, teilte der WDR am Mittwoch mit. "Die in den Medien diskutierte Störung der Rede Bernd Stelters durch eine Zuschauerin erstreckte sich mit Unterbrechungen über mehrere Minuten und ist in vielen Teilen akustisch in der Aufzeichnung nicht hörbar und teilweise unverständlich." 

Deshalb habe der Sender entschieden, die Szene in dem Zusammenschnitt nicht zu zeigen. Während der Ausstrahlung der Rede von Stelter werde es für die Fernsehzuschauer einen Hinweis via Laufband geben, der auf eine Videotextseite mit Zusatzinformationen zu dem Auftritt verweise.


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