Essen aus Supermarkt-Mülltonnen Umstrittenes "Containern": Zwei Studentinnen in Bayern verurteilt

Vielerorts Fundgrube für Bedürftige und Umweltaktivisten: Mülltonnen von Supermärkten. Symbolfoto: imago/Sabine GudathVielerorts Fundgrube für Bedürftige und Umweltaktivisten: Mülltonnen von Supermärkten. Symbolfoto: imago/Sabine Gudath

Olching . Weil sie einen Abfallcontainer eines Edeka-Marktes aufschlossen und mehrere Lebensmittel daraus mitnahmen, sind am Mittwoch zwei Studentinnen in Olching, Bayern, zu Sozialstunden und einer Geldstrafe verurteilt worden.

Das "Mülltauchen" oder "Containern", bei dem Nahrungsmittel aus Abfalltonnen von Lebensmittelmärkten gesammelt werden, ist nach Auffassung vieler Juristen Diebstahl. Viele Verfahren werden jedoch eingestellt. Nicht so ein aktueller Fall am Amtsgericht Fürstenfeldbruck. Dort sind zwei Essenssammlerinnen zu einer Geldstrafe und Sozialarbeit verurteilt worden.

Was war passiert?

Zwei Studentinnen, 25 und 28 Jahre alt, hatten im Juni mit einem Vierkantschlüssel den Müllcontainer des Edeka-Marktes im bayrischen Ort Olching aufgeschlossen und Waren im Neuwert von rund 100 Euro herausgefischt. Die Polizei erwischte sie mit vier vollen Taschen, dokumentierte die Beute und warf sie zurück in die Tonne. Die Supermarkt-Leitung erstattete Anzeige, das Amtsgericht erließ Strafbefehle wegen "schweren Diebstahls". Demnach sollten die Studentinnen je 1200 Euro Strafe zahlen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Weil diese das ablehnten, kam der Fall vors Gericht.

Wie argumentieren die Studentinnen?

Ihr Anwalt betonte, der Supermarkt habe mit der Entsorgung der Lebensmittel seinen Besitzanspruch daran aufgegeben. Die Aneignung der Abfälle wäre also nicht kriminell gewesen. Die Studentinnen sehen sich selbst als "Essensretterinnen", die noch genießbare Lebensmittel vor der Müllverbrennung bewahren.

Wie begründet das Gericht die Strafe?

Der Richter lobte die Intention der Studentinnen, deutete den Fall aber als Diebstahl. Die Frauen handelten nicht etwa aus einer Notlage – wie Hunger – heraus und begingen "schweren Diebstahl" (§243 StGB), weil sie sich Zugang zu einem besonders gesicherten Container verschafft hatten. Die Strafe: Je acht Stunden Sozialarbeit in der Tafel und 225 Euro Geldstrafe auf Bewährung.

Wo dürfen Supermärkte keine Lebensmittel wegwerfen?

In Frankreich ist großen Märkten seit 2016 verboten, Lebensmittel wegzuwerfen, sie müssen wohltätigen Zwecken gespendet werden. Tschechien hat ein ähnliches Gesetz Anfang des Jahres eingeführt. 

In Deutschland ist der Zwang zur Essensspende umstritten. CDU/CSU und Grüne lehnen ihn ab, da die meisten Lebensmittel ohnehin in Privathaushalten entsorgt werden und nur ein Bruchteil der bundesweiten Abfälle aus Supermärkten stammt. Einige Händler spenden aussortierte Produkte bereits freiwillig an örtliche Tafeln.


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