Ingenieure aus Deutschland Nach Dammbruch in Brasilien: Polizei nimmt Tüv-Süd-Mitarbeiter fest

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Eine Schlammlawine rollte am Freitag über mehrere Siedlungen in Brasilien hinweg und hinterließ eine Schneise der Zerstörung. Foto: Imago/Antonio LacerdaEine Schlammlawine rollte am Freitag über mehrere Siedlungen in Brasilien hinweg und hinterließ eine Schneise der Zerstörung. Foto: Imago/Antonio Lacerda

São Paulo. Nach dem Dammbruch an einer Eisenerzmine in Brasilien hat die Polizei zwei Mitarbeiter des Münchner Unternehmens Tüv Süd festgenommen.

Die Polizei im brasilianischen Teilstaat São Paulo hat am Dienstag zwei für den deutschen Tüv Süd tätige Ingenieure festgenommen. Laut Medienberichten sollen die beiden Ende September die Stabilität des Damms in Brumadinho attestiert haben, der am Freitag gebrochen war. Dabei barst das Abraumbecken des Bergbauunternehmens Vale. Bislang wurden 65 Leichen aus dem Schlamm geborgen. 279 Personen werden weiter vermisst. 

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Die Polizei durchsuchte am Dienstagmorgen (Ortszeit) das Büro des Tüv Süd in São Paulo, sie soll Computer und Unterlagen beschlagnahmt haben. Das Gutachten des Tüvs Süd diente laut Medienberichten als Grundlage für die im Dezember erteilte Betriebsgenehmigung. In der entscheidenden Sitzung soll aber auch über Risiken des Damms gesprochen worden sein. Ein Vertreter der staatlichen Umweltbehörde Ibama soll sich gegen die Genehmigung ausgesprochen haben.

Fälschungs-Verdacht bei Vale

Die Polizei nahm am Dienstag auch drei Mitarbeiter des Konzerns Vale fest, die für die Kontrolle des Damms verantwortlich waren. Medien zufolge besteht der Verdacht, dass die Kontrollen nicht sorgsam durchgeführt oder die Risikostudien sogar gefälscht wurden.

Die staatliche Umweltbehörde hat bereits Umweltstrafen von umgerechnet 58 Millionen Euro verhängt. Zudem fror Brasiliens Justiz auf Konten des Bergbauunternehmens vorsorglich rund 2,75 Milliarden Euro für mögliche Entschädigungen und künftige Strafen ein, wie es hieß. Vale kündigte an, jeder betroffenen Familie eine Soforthilfe von rund 23.250 Euro auszuzahlen. Das Unternehmen verlor am Montag an der Börse in São Paulo 16,5 Milliarden Euro, über 24 Prozent seines Börsenwerts. 

Unterdessen beklagte das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat, der Bruch des 1976 von einer Tochter des deutschen Thyssen-Konzerns gebaute Damm sei "ein weiteres vorhersehbares Verbrechen der Bergbauindustrie an Mensch und Umwelt". Begriffe wie Katastrophe, Unfall oder Tragödie seien abzulehnen, erklärte Adveniats Brasilien-Referent Norbert Bolte. "Denn wir wissen, dass die Bergbauindustrie aus Habgier und ungebremstem Gewinnstreben unsere Berge, Wälder, das Grundwasser, die Flüsse, Fauna und Flora sowie unser historisches und kulturelles Erbe zerstört und das Leben so vieler Menschen vernichtet." 

Nicht der erste Dammbruch

Das Hilfswerk lehne ein "allein auf die Logik der Gewinnmaximierung ausgerichtetes Wirtschaftsmodell ohne Rücksicht auf das Leben der Menschen, die Umwelt und die begrenzten Ressourcen des Planeten" ab, wie es sich besonders in der Bergbauindustrie zeige, so Bolte.

Bereits vor drei Jahren seien bei einem Staudammbruch 19 Menschen getötet worden. Deren Angehörige warteten bis heute auf angemessene Entschädigung und Gerechtigkeit, erklärte Adveniat. "Der 25. Januar 2019 darf nicht in Vergessenheit geraten und es darf sich die Straflosigkeit nicht wiederholen wie im Fall des Verbrechens in Mariana", heißt es in der Solidaritätserklärung der von Adveniat unterstützten Umweltkommission Mariana.


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