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SEK-Einsatz in Berlin Clan-Kriminalität: Razzia wegen Geldtransporter-Überfall

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SEK Beamte stehen vor einem Haus in Kreuzberg bei einem Einsatz nach einem Überfall auf einen Geldtransporter im Oktober. Foto: Christoph SoederSEK Beamte stehen vor einem Haus in Kreuzberg bei einem Einsatz nach einem Überfall auf einen Geldtransporter im Oktober. Foto: Christoph Soeder

dpa/bb Berlin. Der Überfall auf den Geldtransporter verlief aufsehenerregend. Die Täter schießen auf Polizisten - und verlieren am Ende ihre Beute. Bei der Suche nach den Tätern kommt die Polizei offenbar voran.

Rund drei Monate nach dem spektakulären Überfall auf einen Geldtransporter nahe dem Berliner Alexanderplatz hat die Polizei zwei weitere mutmaßliche Täter ins Visier genommen.

Mit einem Großeinsatz ging sie am Morgen gegen die beiden verdächtigen Männer vor. Kriminalpolizisten und Staatsanwälte durchsuchten vier Wohnungen, um Beweise für eine Beteiligung an dem Überfall am 19. Oktober 2018 sicherzustellen, wie ein Polizeisprecher sagte.

Die Verdächtigen im Alter von 25 und 38 Jahren wurden laut Polizei den Durchsuchungen angetroffen, aber nicht verhaftet. Der 25-jährige Deutsch-Libanese soll mit einem der polizeibekannten arabischstämmigen Clans in Beziehung stehen. Der verdächtige 38-Jährige ist ein Deutsch-Iraker.

Ein weiterer 38-Jähriger kurdisch-libanesischer Herkunft wurde bereits Anfang Dezember verhaftet und sitzt seitdem im Gefängnis. Drei Tage später wurde ein 32-jähriger mutmaßlicher Helfer gefasst. Auch diese beiden Männer sollen Verbindungen zu einem arabischstämmigen Clans haben.

An dem aktuellen Einsatz in den Stadtteilen Tempelhof, Steglitz und Kreuzberg waren ein Spezialeinsatzkommandos (SEK) sowie 180 weitere Polizisten zur Absicherung beteiligt. „Bei dem Überfall haben die Täter auch scharfe Schusswaffen eingesetzt. Entsprechend vorsichtig sind wir nun“, sagte der Sprecher.

„Die Männer werden mit der Tat in Verbindung gebracht“, so der Sprecher. Die beschlagnahmten Gegenstände sollen nun ausgewertet werden. In zwei der vier Wohnungen lebten die Männer, die beiden anderen waren angegebene Meldeadressen. Während der Razzia waren die Männer laut Polizei in Gewahrsam.

Am 19. Oktober 2018 hatten fünf maskierte und schwer bewaffnete Männer mit zwei gestohlenen Autos den Geldtransporter in der Schillingstraße gestoppt. Mit Maschinenpistolen hielten sie die Fahrer in Schach. Dann brachen sie mit einem von der Feuerwehr gestohlenen Hydraulik-Spreizgerät die Hecktür auf und luden acht Geldkisten in eines ihrer Autos.

Auf der hektischen Flucht verloren die Männer erste eine große Geldkisten und schossen dann auf ein Polizeiauto, das sie verfolgte. Bei einem Unfall wurde ein Fluchtwagen so beschädigt, dass die Räuber ihn stehen lassen mussten - und mit dem Auto auch die weiteren sieben Geldkisten. Den Tätern soll so eine Beute in beträchtlicher Höhe entgangen sein, hieß es.

Dem als erstes verhafteten 38-jährigen Verdächtigen wird nach damaligen Angaben der Staatsanwaltschaft neben schwerem Raub auch versuchter Mord an den verfolgenden Polizisten vorgeworfen. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung waren laut der Polizei Beweise gefunden, die im Zusammenhang mit dem Überfall standen. Nach Zeitungsberichten kam die Polizei dem Mann durch DNA-Spuren in einem der Fluchtwagen und an Geldkisten auf die Spur.

In einer Autowerkstatt in Tempelhof hatten die Räuber möglicherweise ihr Vorgehen getestet. Dort hatte es vor dem Überfall einen Einbruch gegeben. Ein Transporter, der dort stand, soll von den Einbrechern mit einem Spreizgerät aufgebrochen worden sein. Und: dieser Transporter soll der gleichen Sicherheitsfirma gehört haben, die auch von dem Überfall betroffen war. Der Verdacht liegt nahe, dass die Täter interne Informationen zu der Geldtransport-Firma erhielten.

Der Berliner Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Norbert Cioma, teilte mit: „Sich mal in den Wohnungen von Tatverdächtigen umzuschauen, ist gerade in dem Bereich ein essenzieller Bestandteil der Ermittlungsarbeit, da wir innerhalb der Familien und des sozialen Umfelds so gut wie keinerlei Kooperation erwarten können.“ Dass es bereits drei Monate nach der Tat Durchsuchungen gebe, sei ein großer Erfolg für die Kripo-Ermittler.


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