Achtung: Verwechslungsgefahr Hamburger findet riesigen Bernstein auf Helgoland

Gerrit Hencke

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Carsten Kny ist derzeit beruflich auf Helgoland und entdeckte den Bernstein eher zufällig. Foto: KnyCarsten Kny ist derzeit beruflich auf Helgoland und entdeckte den Bernstein eher zufällig. Foto: Kny

Helgoland. Er ist 800 Gramm schwer und knapp 15 Zentimeter lang. Der Stein lässt das Herz von Bernsteinsammlern höher schlagen.

Bei seiner Arbeit hat Carsten Kny am Sonnabend auf Helgoland eine außergewöhnliche Entdeckung am kleinen „Strand“ auf der Westseite der Insel gemacht. Zwischen den Felsen entdeckte der Kampfmittelbeseitiger der Hanseatischen Kampfmittelbergung aus Hamburg einen großen Bernstein. Das Exemplar misst fast 15 Zentimeter in der Länge und wiegt nach Angaben seines Finders rund 800 Gramm.

Wann und wo findet man am ehesten Bernstein?

Kny, der derzeit als Fachbauleitung bei der Sanierung des Binnenhafens arbeitet, ist eigentlich gar kein Bernsteinsammler und fand das fossile Harz eher zufällig. Tipps für Nachahmer kann er daher kaum geben. „Was wohl wichtig ist, ist, dass das Wasser kalt genug sein muss, damit der Bernstein 'aufschwimmen' kann. Und es soll vorher einen Sturm gegeben haben“, sagte er unserer Redaktion.

Tatsächlich treibt es den Bernstein erst nach oben, wenn das salzige Meerwasser kalt ist und dadurch eine hohe Dichte besitzt. Die besten Chancen, Bernsteine zu finden, haben Sammler daher nach Stürmen mit auflandigen Winden, vor allem im Herbst und Winter. Das ausgehärtete fossile Harz lässt sich hierzulande an der deutschen Nord- und Ostseeküste und sogar im Mittelgebirge finden.

An der schleswig-holsteinischen Ostsee hat man allerdings nur selten Erfolg. In Mecklenburg-Vorpommern stehen die Chancen auf Rügen und Usedom sowie der Halbinsel Fischland-Darß besser. Schon eher lohnt sich die Suche an der Nordsee Schleswig-Holsteins, hier insbesondere auf der Düne von Helgoland oder im Watt vor St. Peter-Ording. Nur selten hat man allerdings das Glück von Carsten Kny und stößt auf Stücke, die so groß sind.

Carsten Kny ist derzeit beruflich auf Helgoland und entdeckte den Bernstein eher zufällig. Foto: Kny

Bernstein: Verwechslungsgefahr mit Phosphor 

Besonders bei der Bernsteinsuche an der Ostsee ist jedoch Vorsicht geboten. Neben Bernsteinen ist es dort möglich, dass Phosphor in die Taschen gelangt. Im Zweiten Weltkrieg war Peenemünde auf Usedom Ziel von Luftangriffen mit Phosphorbomben. Dabei landeten auch einige im Meer, die mit der Zeit korrodierten und das Phosphor freisetzten. Immer wieder mal gibt es seither Meldungen von Bernsteinsuchern, die sich durch den Stoff verletzen. Denn verwitterter Phosphor sieht Bernstein in Form und Farbe sehr ähnlich. Hebt man den vermeintlichen Bernstein aus dem Wasser, trocknet dieser an der Luft oder in der Hosentasche und entzündet sich in Verbindung mit Sauerstoff bereits bei 20 bis 40 Grad Celsius selbst.

Kny als Kampfmittelbeseitiger mahnt ebenfalls zur Vorsicht. Den Unterschied zu erkennen sei bereits für einen Profi schwer, für einen Laien fast unmöglich. Er rät: „Niemals Bernstein vom Strand in die Tasche stecken, sondern lieber in einen Beutel, den man zur Not wegwerfen kann.“ Auch ein Glas oder eine Metallbüchse bieten sich zum Transport an.

Größter je gefundener Bernstein wog 68 Kilogramm

Im Vergleich zum bisher größten gefundenen Bernstein ist der Fund von Kny allerdings immer noch ein Winzling. Der weltweit größte Bernstein wurde 1991 in Indonesien entdeckt und wog 68 Kilogramm. Er wurde anschließend in mehrere Teilstücke aufgebrochen. Die beiden größten davon (zusammen 23 Kilogramm) finden sich heute im Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart.

Was Kny nun mit dem Stein vorhat, weiß er noch nicht genau. „Erstmal kommt er in die Vitrine. Wenn es ein tolles Angebot gibt, trenne ich mich auch von ihm.“ Fest steht: Ein solcher Fund ist selten und lässt sicher das Herz des ein oder anderen Sammlers höher schlagen. Vielleicht klopft ja schon bald das Bernsteinmuseum in St. Peter-Ording bei dem Hamburger an die Tür.


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