Schnee-Chaos in Europa Mehrere Verletzte: Lawine in der Schweiz rollt bis in Hotelrestaurant

Von dpa

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Seit dem Wochenende versinken Teile der Alpen im Schnee. Foto: imago/Eibner EuropaSeit dem Wochenende versinken Teile der Alpen im Schnee. Foto: imago/Eibner Europa

München. Mindestens sieben Menschen sind seit dem Wochenende in Österreich im Schnee gestorben. Eine Lawine hat in der Ostschweiz mehrere Menschen verletzt und sich bis in ein Hotelrestaurant hinein Bahn gebrochen.

Züge stehen still, Lastwagenfahrer stehen über Nacht im Stau, Dörfer sind von der Außenwelt abgeschnitten – das Winterwetter bedeutet vielerorts den Ausnahmezustand.

Hundwil: Eine etwa 300 Meter breite Lawine ist in ein Hotelrestaurant gekracht und hat drei Menschen leicht verletzt. Wie die Polizei am Donnerst mitteilte, suchten Einsatzkräfte am Abend nach möglichen Vermissten. Dabei kamen neben technischem Gerät auch Lawinenhunde zum Einsatz. Ein Polizeisprecher sagte der Schweizer Zeitung "Blick", dass keine Hotelgäste vermisst würden, aber möglicherweise Passanten verschüttet wurden. Die Verletzten werden der Polizei zufolge medizinisch und psychologisch betreut.

Der Lawinenabgang ereignete sich gegen 16.30 Uhr auf der Schwägalp im Kanton Appenzell Ausserrhoden auf rund 1300 Metern Seehöhe. Die Lawine löste sich am Hang gegenüber des Hotels. Mehr als ein Dutzend Autos und Teile des Hotel-Restaurants wurden von den weißen Massen verschüttet. Auf Fotos war zu sehen, wie sich der Schnee durch Fenster und Türen auch in mehrere weitere Räume des Gebäudes gedrückt hat. Laut Polizei war auch ein Personalhaus und das Gebäude einer Alpkäserei betroffen.

Ein Gast des Restaurants sagte der Schweizer Zeitung "Tagblatt", er habe draußen plötzlich Schnee herumwirbeln sehen und zunächst an eine Dachlawine geglaubt. "Dann gab es einen Riesenlärm, und im hinteren Bereich drangen die Schneemassen ins Restaurant ein."

Berchtesgaden: Wegen der Schneefälle gilt nun in drei oberbayerischen Landkreisen der Katastrophenfall. In dieser Region fallen durch das Wetter auch viele Züge aus. Rund um Berchtesgaden sind immer mehr Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Die Orte Vorderbrand und Ettenberg seien nun nicht mehr erreichbar, teilte das Landratsamt mit. Die Zufahrtsstraßen seien gesperrt, weil Bäume unter der Schneelast umzukippen drohten. Eine Notversorgung der Bewohner sei eingerichtet. Zuvor waren schon die Straßen zur Siedlung Buchenhöhe in Berchtesgaden und zur Gemeinde Jachenau zugeschneit worden.

Aying: Ein neunjähriger Junge ist in Aying bei München von einem umstürzenden Baum erschlagen worden. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, war der Baum unter der hohen Schneelast zusammengebrochen. Erst nach 20 Minuten entdeckten Zeugen den darunter begrabenen Bub und alarmierten die Rettungskräfte. Diese versuchten rund eine Stunde lang vergeblich, das Kind wiederzubeleben.

Buchenhöhe nahe Berchtesgaden ist von der Außenwelt abgeschnitten. Foto: Imago/Zeitungsfoto.at

Salzburg: In Österreich starben seit dem Wochenende mindestens sieben Menschen im Schnee – darunter zwei Deutsche, die am Sonntag in Vorarlberg von Lawinen verschüttet wurden. Am Mittwoch wurde ein 16 Jahre alter Deutsch-Australier vor den Augen seiner Familie beim Skifahren von einer Lawine in den Tod gerissen. Unter anderem starben zwei Skifahrer, die bei Stürzen im meterhohen Schnee versanken, sowie zwei junge Schneeschuhwanderer, die am Montag tot unter einem Lawinenkegel gefunden wurden. Die andauernden Schneefälle in weiten Teilen Österreichs haben der Tourismusbranche einen Dämpfer versetzt: Bei der österreichischen Wirtschaftskammer ist bereits von einem Minus von 50 Prozent bei kurzfristigen Buchungsanfragen die Rede.

Allgäu: Polizisten retteten in Kaufbeuren (Bayern) einen frierenden Säugling vor dem Schnee und hielten ihn mit einer Uniformjacke warm. Passanten hatten die hilflose Mutter des Kindes betrunken im Schnee neben einem Gehweg entdeckt, die Frau hielt ihr nur unzureichend bekleidetes Baby im Arm. Die Streifenbeamten wickelten das kleine Mädchen in eine Uniform und legten es in den Polizeiwagen, bis der Rettungsdienst kam: "Nachdem es im warmen Rettungswagen noch eine Mütze aufgesetzt bekommen hatte, fiel es sofort in Schlaf."

Bad Wörishofen im Allgäu hat sich zum Winterwunderland verwandelt. Foto: Imago/Bernd Feil

Ruhpolding: Mit vielen Helfern kämpfen die Organisatoren vor dem Biathlon-Weltcup in Ruhpolding (Bayern) gegen die Schneemassen. Der örtliche Ski-Club hatte in einem öffentlichen Aufruf darum gebeten, den Schnee in der Chiemgau-Arena zu beseitigen, um die Veranstaltung in der nächsten Woche nicht zu gefährden. Engelbert Schweiger, der Generalsekretär des Weltcup-Organisationskomitees, sagte dem "Traunsteiner Tagblatt": "Der Weltcup ist derzeit nicht gefährdet." Doch er ergänzte: "Dass wir aber vor großen logistischen Herausforderungen stehen, ist nicht zu bestreiten."

Hermsdorf: Auf der A9 in Thüringen kam es in der Nacht zum Donnerstag zu einem zeitweise rund 50 Kilometer langen Stau. Die Fahrer Dutzender Lastwagen mussten die Nacht in ihren Fahrzeugen auf der Autobahn verbringen. Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks und des Deutschen Roten Kreuzes verteilten warme Decken und heiße Getränke. Der Stau löste sich am Donnerstag auch deshalb nur zögerlich auf, weil viele Fahrer erst hätten geweckt werden mussten.

Ulm: Auch auf der A8 saßen in der Nacht zum Donnerstag Hunderte Lastwagen- und Autofahrer wegen Schneefalls und Glätte fest. Der Verkehr sei dadurch zwischen Ulm und Nellingen in Baden-Württemberg auf einer Länge von etwa 35 Kilometern zum Erliegen gekommen. In dem stockenden Verkehr starb bei Dornstadt eine 54 Jahre alte Autofahrerin. Sie stand Polizeiangaben zufolge in dem Stau und saß allein in ihrem Fahrzeug. Die Todesursache werde geklärt, sagte ein Polizeisprecher. Ein Verbrechen schließe die Polizei aus.

Chemnitz: In der sächsischen Stadt finden bis zum 14. Januar aus Sicherheitsgründen keine Beerdigungen auf dem Städtischen Friedhof statt. Alle bis Montag geplanten Beisetzungen wurden abgesagt. Wegen der hohen Schneebruchgefahr bleibe der Friedhof vorerst geschlossen.


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