Hohes Risiko in Niedersachsen Anzahl gesprengter Geldautomaten auf Rekordhoch

Von dpa

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Ein zerstörter Geldautomat nach einer Sprengung. Foto: dpa/Matthias BeinEin zerstörter Geldautomat nach einer Sprengung. Foto: dpa/Matthias Bein

Wiesbaden. Die Anzahl gesprengter Geldautomaten erreicht nach Schätzungen des Bundeskriminalamtes im Jahr 2018 ein Rekordhoch.

 Im ausklingenden Jahr 2018 verging kaum eine Woche, in der nicht irgendwo in Deutschland ein Gerät in die Luft flog oder eine Sprengung zumindest versucht wurde. "Nach einem leichten Rückgang im Jahr 2017 auf 268 Fälle rechnen wir für das Jahr 2018 mit einem neuen Höchststand und mindestens 350 Fällen", teilt dazu das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden mit. 

"Die Gefährdung ist immens", sagt Jörg Reinemer, der Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen mit Blick auf die schwer einzuschätzenden Folgen einer Detonation. Das Risiko betreffe vor allem die Täter, in Einzelfällen aber auch unbeteiligte Dritte. Zum Glück geht es meistens glimpflich aus: Der Polizei wurde etwa im Jahr 2017 kein einziger Fall mit Verletzten bekannt.

Von Januar bis Oktober zählte das BKA insgesamt 311 Taten, wobei die Diebe nur in 122 Fällen Beute machen konnten. Die meisten Automaten-Angriffe wurden nach den vorläufigen Zahlen in Nordrhein-Westfalen verübt, gefolgt von Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz sowie Berlin.Wie viel Beute genau die Diebe machen konnten, ist unklar. Es handelt sich einem BKA-Bericht zufolge aber um "teils beträchtliche Geldbeträge". 

Vorgehen der Kriminellen ähnelt sich

Die Täter suchen sich Automaten, die verkehrsgünstig gelegen sind. So können sie schnell über Bundesstraßen oder Autobahnen fliehen. Das tun die Täter gerne mit stark motorisierten Wagen und rücksichtsloser Fahrweise, sagt Reinemer. Die Beamten gehen davon aus, dass die Diebe "mit hoher Wahrscheinlichkeit" zur organisierten Kriminalität gehören. Ein Großteil agiere bandenmäßig, arbeitsteilig und sehr professionell.

Gleichwohl gehen die Diebe ein großes Risiko ein: Für ihre Taten nutzen sie meist ein Gasgemisch – dessen Sprengkraft nur schwer zu kalkulieren ist. "Oft verläuft eine Sprengung nicht wie erhofft", berichtet Polizeisprecher Reinemer. Dann reicht die Kraft nicht, um den Automaten aufzuknacken. Oder die Wucht der Detonation ist so groß, dass sie nicht nur das Gerät zerstört, sondern auch das Gebäude in Mitleidenschaft zieht.

"Die durch die Straftaten verursachten Sachschäden übersteigen die Beuteschäden in vielen Fällen deutlich", heißt es im Bundeslagebild "Angriffe auf Geldautomaten" für 2017. Genaue Zahlen gibt es dazu aber nicht. Die Deutsche Kreditwirtschaft hat dazu ebenfalls keine Daten.

Täter kommen oft aus dem Ausland

Die Diebe nehmen oftmals weite Wege in Kauf, um ihre Taten zu begehen: Bei den meisten Verdächtigen handelt es sich um reisende Täter aus dem europäischen Ausland, stellt das BKA fest. Das erschwert die Ermittlungen. Was sie außerdem schwierig macht: Durch die Explosionen werden häufig Spuren vernichtet und es fehlen Zeugen, wie Reinemer auflistet.

Dass seit Jahren die Zahl der Delikte in Deutschland steigt – 2008 gab es noch 33 Fälle, davon 14 Versuche –, hat nach BKA-Angaben auch mit der Präventionsarbeit in Nachbarländern zu tun: "Der deutliche Anstieg ab dem Jahr 2016 ist insbesondere auf einen Verdrängungseffekt aus den Niederlanden und dortiger technischer Sicherungsmaßnahmen zurückzuführen".

Die gibt es natürlich auch hierzulande: Die deutschen Geldhäuser setzen für ihre Automaten "Sicherungskonzepte ein, die durch das Zusammenwirken von baulichen, mechanischen, elektronischen und organisatorischen Maßnahmen auf eine höchstmögliche Prävention und Vermeidung von Tatanreizen fokussieren", teilte ein Sprecher der Deutschen Kreditwirtschaft mit. Welche Maßnahme ergriffen werde, hänge immer von der jeweiligen Gefährdungssituation eines Standortes ab. Pauschale Lösungen könne es nicht geben.

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