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Jahresabschluss ohne Böller An immer mehr Orten ist das Silvesterfeuerwerk verboten

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Sieht zwar schön aus, kann aber auch krank machen: Das Silvesterfeuerwerk. Foto: dpa/Tobias KleinschmidtSieht zwar schön aus, kann aber auch krank machen: Das Silvesterfeuerwerk. Foto: dpa/Tobias Kleinschmidt

Hamburg. Jedes Jahr verballern die Deutschen zum Jahreswechsel zwischen 100 und 150 Millionen Euro – und setzen dabei rund 4500 Tonnen Feinstaub frei. Weil die Partikel krank machen können, wird in immer mehr Städten das Silvesterfeuerwerk verboten. Und auch in der Bevölkerung wird der Ruf nach einem Verbot lauter. Um es deutschlandweit durchsetzen zu können, wäre allerdings eine Gesetzesänderung nötig.

An diesem Freitag startet der Verkauf von Silvesterböllern. Am 31. Dezember und 1. Januar dürfen die Raketen, Batterien und Knallkörper abgebrannt werden – allerdings mit immer weiteren Einschränkungen. 

Offiziell ist das Abschießen von Pyrotechnik der Kategorie F2 zwar nur in bestimmten Bereichen verboten, beispielsweise in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen. Immer mehr Städte weiten dieses Verbot allerdings aus. Und immer mehr Menschen fordern zudem ein komplettes Verbot der Silvesterböllerei – vor allem aus gesundheitlichen Gründen.

Feinstaubpartikel können Krankheiten auslösen

"Feinstaub aus Böllern und Feuerwerkskörpern ist ein echtes Gesundheitsrisiko", sagte der Mediziner und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach vor einem Jahr im Gespräch mit dem "Spiegel". Immer wenn das neue Jahr anbricht, verziehe er sich deswegen um kurz nach Mitternacht in seine Wohnung und verschließe alle Fenster. 

Kleinste Feinstaubpartikel könnten sich im Gehirn ablagern und dort zu chronischen Entzündungen führen, am Ende sogar Demenz auslösen, und auch das Herzinfarkt-Risiko steige dadurch, so Lauterbach. Vor allem ältere Menschen seien gefährdet. Trotzdem verballern die Deutschen zum Jahreswechsel zwischen 100 und 150 Millionen Euro – und setzen dabei rund 4500 Tonnen Feinstaub frei. Das entspricht etwa 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Menge.

Böller-Verbote in Bremen, Hannover und auf einigen Inseln

Lauterbach ist deswegen auch nicht der einzige, der das Abschießen von Feuerwerkskörpern an Silvester als eine "unterschätzte Gefahr" bezeichnet. Während das Böllern in Paris, London und Venedig schon lange verboten ist, ziehen auch hierzulande immer mehr Städte nach. Beispielsweise in Bremen gilt zumindest der Marktplatz als knallfreie Zone, in Lüneburg, Tübingen oder Düsseldorf die Altstadtbereiche sowie Teile der Innenstadt von Hannover und der Nordseeinseln Sylt, Föhr und Amrum. 

Eine aktuelle Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstitut Civey hat zudem ergeben, dass sich eine Mehrheit der Bundesbürger komplette Feuerwerksverbote in deutschen Innenstädten wünscht. Auf die Frage "Sollte das Zünden von Feuerwerk Ihrer Meinung nach an Silvester in deutschen Innenstädten verboten werden?" antworteten demnach 41 Prozent der 5000 Befragten mit "Ja, auf jeden Fall", weitere 18,6 Prozent sagten dazu "eher ja". 

Um so etwas durchsetzen zu können, müsste allerdings der Bund tätig werden – und das Sprengstoffgesetz ändern. 

Petition gegen Silvesterfeuerwerk

Doch es gibt auch immer wieder private Initiativen. Jedes Jahr entstehen neue Facebook-Gruppen und -Events wie "Silvester ohne Böller", zudem gibt es aktuell wieder eine entsprechende Online-Petition. In Köln beantragte ein Mann kürzlich, das Silvesterfeuerwerk wegen der hohen Feinstaubbelastung zu verbieten und in München gab es auf Bürgerversammlungen immer wieder ähnliche Anstöße. Gescheitert sind beide aufgrund des besagten Sprengstoffgesetzes. 

Wer aber persönlich auf das Abfeuern von Böllern und Raketen verzichten möchte, der kann das Geld beispielsweise spenden. Bereits seit 1981 gibt es die Kampagne "Brot statt Böller" des evangelischen Hilfswerks "Brot für die Welt". Dort wird es nicht verfeuert – stattdessen geht es an Straßenkinder in Afrika.


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