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Ein Besuch der Weihnachtsshow Warum ein Helene-Hasser jetzt die Fischer liebt

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Schlagersängerin ohne Ecken und Kanten? Der Erfolg von Helene Fischer ist kaum zu stoppen - auch unser Autor ist ihr nun verfallen. Foto: Michael Zargarinejad/ZDFSchlagersängerin ohne Ecken und Kanten? Der Erfolg von Helene Fischer ist kaum zu stoppen - auch unser Autor ist ihr nun verfallen. Foto: Michael Zargarinejad/ZDF

Düsseldorf. Sängerin Helene Fischer gilt vielen als seelenloses Kunstprodukt der Musikindustrie, inszeniert bis hin zur scheinbar perfekten Beziehung zum Kollegen Florian Silbereisen. Die ist Geschichte, und das schon einige Zeit, wie man nun weiß. Bei der Aufzeichnung ihrer Weihnachtsshow war dies noch nicht bekannt und auch nicht zu bemerken. Unser Autor hat sich die Show angesehen - und musste danach seine Meinung über die Künstlerin revidieren.

„Achtung, Achtung, es geht los“, sagt eine männliche Stimme aus den Lautsprechern während das Licht in der Halle langsam heruntergefahren wird. Er bittet um einen freundlichen Applaus, doch was folgt, ist mehr als freundlich. Als die ersten Takte von „Atemlos“ anspielen und eine blonde Frau in einem knappen weißen Kleid mit ihren Tänzern die Bühne betritt, springt die Menge von ihren Stühlen und klatscht frenetisch mit.

"Helene Fischer erscheint als Übermensch ohne Ecken und Kanten, als Inkarnation der Perfektion."

Diese Frau ist keine geringere als Helene Fischer – die erfolgreichste und beliebteste deutsche Schlagersängerin unserer Zeit. Mit einem geschätzten Jahreseinkommen von umgerechnet 32 Millionen US-Dollar soll sie laut dem "Forbes"-Magazin sogar Britney Spears und Celine Dion hinter sich gelassen haben. Und ich sitze nur ein paar Meter von diesem Mega-Star entfernt. (Weiterlesen: "Helene wer?" Das Ausland rätselt über Deutschlands Schlager-Königin) Aus nächster Nähe habe ich einen unverstellten Blick auf ihren gestählten Körper und kann ihre beeindruckenden Bauchmuskeln zählen. Es gibt Fans, die viel für meinen Sitzplatz geben würden.

Für mich ist der Hype um die gebürtige Russin unverständlich. Ja, sie kann gut singen und tanzen – und sieht auch noch sehr gut aus. Das ist bei anderen Künstlern aber auch der Fall und bei denen gibt es nicht diese hörige Anhängerschaft. Zumal sie als ein Übermensch ohne Ecken und Kanten erscheint, als die Inkarnation der Perfektion, eine Erfindung von Musikmanagern. Singen, tanzen, moderieren – es gibt kaum etwas, was ihr nicht gelingen will. Alles an ihr ist so glatt wie an einer Barbie-Puppe. Viele Menschen feiern sie dafür und sehen sie als Vorbild. Mich hat diese Makellosigkeit immer abgestoßen, ich musste sie erst live sehen, um meine Meinung zu ändern.

Helene Fischer im Duett mit Eros Ramazzotti. Foto: Michael Zargarinejad/ZDF

Am zweiten Adventswochenende wird „Die Helene Fischer-Show“ in Düsseldorf vor insgesamt 20.000 Zuschauern aufgezeichnet. Zwei Abende sind dafür eingeplant. Aus dem umfangreichen Material wird dann die dreistündige Show geschnitten, die am ersten Weihnachtstag im ZDF zu sehen ist und mittlerweile zur Tradition im Fernsehprogramm gehört. Im vergangenen Jahr sahen mehr als sechs Millionen Menschen zu. Das ist ein Wert, den heute selbst nicht mehr viele Samstagabendshows erreichen. Auch bei einigen „Wetten, dass…“-Ausgaben schalteten zuletzt weniger Zuschauer ein.

Zeitgemäße und berührende Musik

Wie macht sie das bloß? Es ist wahrscheinlich eine Mischung aus vielen Faktoren. Zum einen glänzt sie durch ihre Darbietungen, sei es beim Gesang oder beim Tanzen. In ihrer Weihnachtsshow bringt sie nicht nur ihre eigenen Songs zum Besten, sondern singt mit bekannten nationalen und internationalen Künstlern wie Michelle und Maite Kelly oder Eros Ramazotti und Luis Fonsi überzeugende Duette. Die Musik ist zeitgemäß und bewegt im wahrsten Sinne des Wortes die Menschen. In der Messehalle in Düsseldorf springen die Zuschauer regelmäßig von ihren Stühlen und bewegen sich zum Takt der Musik. Einige versinken so sehr in die Musik, dass sie die Sitzreihe zu ihrer privaten Disco machen und die Songtexte auswendig mitsingen können. Andere halten liebevoll die Hand ihres Partners. 

Auch bei den akrobatischen Einlagen macht die 34-Jährige stets eine gute Figur. Was zum Zeitpunkt der Aufzeichnung noch keiner weiß: Einer der Akrobaten, der sie durch die Luft wirbelt, soll laut Medienberichten der neue Mann an ihrer Seite sein. Die Beziehung zu Moderator und Sänger Florian Silbereisen, mit dem Fischer zehn Jahre zusammen war, ist Geschichte - man sei "schon eine Weile getrennt", gibt das Paar am 19. Dezember auf seinen Social-Media-Kanälen bekannt. (Weiterlesen: Helene Fischer bestätigt Trennung) Fischer selbst wird in dem Facebook-Post noch deutlicher: "Ja, es gibt einen neuen Mann in meinem Leben und daraus will ich kein Geheimnis machen", schreibt sie und dankt dem Ex für "die Größe", mit der dieser damit umgehe. Der wiederum verrät sogar den Namen des Neuen: "Wenn es nun Bilder von Helene mit einem anderen Mann gibt, dann möchte ich nur klarstellen, dass ich Thomas schon lange kenne, er ein toller Kerl ist und ich den beiden ganz viel Glück wünsche", schreibt Silbereisen bei Facebook.

Bei der Aufzeichnung ist von den Veränderungen im Privatleben nichts zu bemerken. Scheinbar mühelos schwingt Helene Fischer mit einer Hand am Trapez durch die Halle. Kurz danach steht sie wieder auf der Bühne und moderiert – meistens völlig locker – den nächsten Gast an.

Die Gäste der "Helene Fischer-Show 2018"

  • Kiefer Sutherland
  • Eros Ramazzotti 
  • Luis Fonsi
  • Maite Kelly
  • Michelle
  • Kerstin Ott
  • Florian David Fitz
  • Olaf Schubert
  • Martin Schneider
  • Ben Zucker
  • Farid
  • Eli
  • Luca Hänni
  • u.a.

Hochprofessionell ist auch Helene Fischers Umgang mit Fehlern, die während der mehrstündigen Aufzeichnung durchaus auch vorkommen. Als sie den aus der Telekom-Werbung bekannten Sänger Eli ankündigen will, schleicht sich ein Versprecher in ihre Anmoderation. Statt Telefonanbieter sagt sie Telefonkonferenz. Sie fängt den Satz von vorne an und sagt wieder das Falsche. „Ich hoffe, ihr habt Zeit“, sagt sie zum Publikum, das laut zu klatschen anfängt. Später passieren ihr noch ein paar weitere Patzer, kleine Verhaspler oder falsche Einsätze. Doch das macht die scheinbar perfekte Frau nur menschlicher. Besonders sympathisch wirkt sie, als sie sich an einer Stelle dafür entschuldigt, „so dumm“ zu sein. Wieder klatscht die Menge ausgelassen. Das ist wohl das Erfolgsgeheimnis von Helene Fischer: Nicht alles wirkt einstudiert, sondern manches tatsächlich spontan. Als Zuschauer hat man das Gefühl: Hier ist ein Star zum Anfassen.

Die 34-Jährige mit Akrobat Laurent Coin. Foto: Michael Zargarinejad/ZDF

Dass sie Nähe zu ihrem Publikum zulässt wird auch bei der Aufzeichnung deutlich. In einer Umbaupause entdeckt sie ein kleines Mädchen mit blonden Locken, das ein Schild hält. „Mein allergrößter Wunsch ist, Dich zu drücken“, steht darauf. Prompt fordert Helene Fischer das Mädchen auf die Bühne. „Das lass ich mir nicht entgehen“, sagt sie und lacht. Dann fragt sie, ob auch ihr Bruder gedrückt werden möchte. Der will aber nicht. Großes Gelächter bei den Zuschauern. Scheinbar gekränkt von der Zurückweisung fragt sie: „Wer will noch? Ich verteil heute eine Runde.“ Schlagartig schnellen die Hände hoch.

Das Menschelnde kommt nicht zu kurz

Das sind Szenen, die später im Fernsehen nicht zu sehen sein werden. Doch das Menschelnde ist auch Teil des Programms. Ein Zaubertrick mit einem Faden nutzen der Magier Farid und die Sängerin als Aufruf an sich zu glauben. „Ich hatte auch meine Zweifel, habe mich in einen Kokon geflüchtet“, sagt sie. „Ihr seid alle auf Eure Weise einzigartig. Habt Mut und breitet die Flügel aus wie ein Schmetterling.“ Kurz danach rieseln sie aus buntem Papier minutenlang von der Decke auf die Bühne nieder.

„Die Show war einfach so so schön und hat mir wieder so viel Kraft gegeben, weiter zu machen und daran zu glauben, dass alles gut wird.“Eine Nutzerin bei Twitter

Diese doch etwas kitschigen Einlagen kommen beim Publikum an. Eine Nutzerin schreibt anschließend bei Twitter: „Die Show war einfach so so schön und hat mir wieder so viel Kraft gegeben, weiter zu machen und daran zu glauben, dass alles gut wird.“ In einer Zeit, in der viel Unsicherheit existiert, bietet die Sängerin eine Heldengeschichte, die Orientierung gibt. Es ist die Geschichte von einer hart arbeitenden Frau, die es nach ganz nach oben geschafft hat und dabei immer noch bodenständig und volksnah geblieben ist.

Helene Fischer und Magier Farid. Foto: Michael Zargarinejad/ZDF

Ich kann verstehen, dass einige Menschen das übertrieben finden und Helene Fischer nach so viel Medien-Präsenz nicht mehr sehen können. Nach einem Besuch ihrer Show muss ich aber einfach festhalten: Sie liefert perfekt inszenierte Unterhaltung auf der Höhe Zeit und scheint ihr Publikum wirklich zu lieben.

Es kann allerdings sein, dass wir das Multitalent schon bald vermissen werden. Gerade erst hat sie angekündigt, dass sie 2019 eine Auszeit nehmen will. Und auch der Vertrag zwischen ihr und dem ZDF läuft Ende dieses Jahres aus. „Ich hoffe, wir sehen uns im nächsten Jahr wieder!“, sagt sie am Ende der Aufzeichnung unter Tränen. Ich hoffe es auch.


„Die Helene Fischer-Show“

25. Dezember, 20.15 Uhr, ZDF.

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