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Italienische Mafiaorganisation Europaweite Razzia gegen 'Ndrangheta – 14 Festnahmen in Deutschland

Von dpa

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Polizisten in einer Eisdiele in Duisburg. Foto: dpa/Christoph ReichweinPolizisten in einer Eisdiele in Duisburg. Foto: dpa/Christoph Reichwein 

Wiesbaden. Ermittler in Deutschland, Italien, den Niederlanden und Belgien sind am Mittwoch mit einer großangelegten Razzia gegen Mitglieder der italienischen Mafiaorganisation 'Ndrangheta vorgegangen. Nach Angaben der italienischen Polizei wurden bislang 90 Menschen in Europa und in Ländern Südamerikas gefasst.

Harter Schlag gegen die Mafia: Mit einer großangelegten Razzia sind Ermittler in Deutschland, Italien, den Niederlanden und Belgien gegen die italienische Mafia-Organisation 'Ndrangheta vorgegangen. Deutsche Schwerpunkte der Aktion waren das Rheinland und das Ruhrgebiet sowie Bayern. Dutzende mutmaßliche 'Ndrangheta-Mitglieder wurden am Mittwochmorgen festgenommen, zahlreiche Wohnungen und Lokale durchsucht, wie das Bundeskriminalamt in Wiesbaden mitteilte.

90 Personen festgenommen

Nach Angaben der italienischen Polizei wurden bislang 90 Menschen in Europa und in Ländern Südamerikas gefasst. Ihnen wird unter anderem Drogenhandel, Geldwäsche und die Zugehörigkeit zu einer Mafiaorganisation vorgeworfen.

Die Europäische Justizbehörde Eurojust koordinierte die internationale Aktion mit dem Codenamen "Pollino". Sie sei das Ergebnis "einer intensiven gemeinsamen Ermittlungsarbeit, die im Jahr 2016 begann und europaweit koordiniert wurde", heißt es in einer Pressemitteilung von Eurojust.

Ermittlungen in Deutschland gegen 47 Beschuldigte

Allein in Deutschland haben die Ermittler 14 Menschen festgenommen. Gegen sechs von ihnen hätten Haftbefehle aus Italien, Belgien und den Niederlanden vorgelegen, teilte das Bundeskriminalamt (BKA) am Mittwochnachmittag in Wiesbaden mit. Bei den Durchsuchungen seien größere Mengen Bargeld und mehrere mutmaßliche Kurierfahrzeuge für den Drogenschmuggel sichergestellt worden.

Ermittelt werde in Deutschland bislang gegen 47 mutmaßliche Mitglieder und Helfer der `Ndrangheta, sagte der Vize-Präsident des BKA, Peter Henzler. Vorgeworfen würden ihnen vor allem der Handel mit Kokain und Geldwäsche, berichtete das BKA.

Insgesamt seien rund 440 Beamte des BKA und der Bundespolizei am Mittwoch im Einsatz gewesen, durchsucht wurden demnach 65 Wohnungen oder andere Objekte mit Schwerpunkten in Nordrhein-Westfalen und Bayern. Die mit mehreren europäischen Ländern koordinierte Aktion dauerte am Nachmittag noch an.

Nach den Worten von Henzler hat der Schlag im Kampf gegen die `Ndrangheta in Deutschland eine herausragende Bedeutung, allein wegen der großen Zahl der Beschuldigten. Die Ermittlungen seien besonders anspruchsvoll gewesen, da die Verdächtigen unter anderem mit technisch präparierten Smartphones kommunizierten und die Halter der Kurierfahrzeuge regelmäßig wechselten.

Das BKA habe derzeit in Deutschland insgesamt rund 600 Angehörigen identifiziert, die den verschiedenen Mafia-Organisationen zugeordnet worden seien, sagte Henzler.

Italiens mächtigste Mafia-Organisation

Die kalabrische 'Ndrangheta gilt inzwischen als die mächtigste italienische Mafia-Organisation. Sie dominiert den Drogenschmuggel nach Europa und ist auch in Deutschland aktiv. So gingen die Mafia-Morde von Duisburg auf ihr Konto. Im August 2007 waren dort vor einer Pizzeria sechs Menschen erschossen worden. Ein Streit zwischen dem Pelle-Vottari-Clan und dem Strangio-Nirta-Clan war der Auslöser für die Bluttat. In Italien richteten sich die Augen am Mittwoch vor allem auf die Region um Reggio Calabria. Der Operation habe sich gegen verschiedene Mitglieder bekannter Clans gerichtet, die im Herzen der Region um Locri bei Reggio Calabria operierten. Aus dieser Gegend stammten auch die Täter der Mafia-Morde von Duisburg. Die jetzige Aktion sei Ergebnis jahrelanger Ermittlungen der Behörden in Italien, Deutschland und den Niederlanden, betonte die Polizei.

Seit langem warnen Ermittler in Italien davor, dass die 'Ndrangheta ein außerordentlich wichtiges Standbein in Deutschland hat. Im Sommer erklärte die nationale Anti-Mafia-Behörde, dass die kalabrische Mafia in Deutschland ähnliche Strukturen aufgebaut habe wie in ihrer Heimat. Deutschland, darunter der Hamburger Hafen, seien für den Drogenhandel von "besonderem Interesse" für die Clans.

Zwar gelingen italienischen Ermittlern immer wieder Schläge gegen die Clans, jedoch streckt die 'Ndrangheta ihre Tentakeln immer weiter aus. Anders als es in Filmen dargestellt wird, führt die Mafia weniger blutige Straßenkämpfe aus: Stattdessen agiert sie meist im Verborgenen und infiltriert staatliche und wirtschaftliche Einrichtungen.

Anders als in Italien gibt es in Deutschland keine strengen Anti-Mafia-Gesetze. Dort ist schon die Mitgliedschaft in einer mafiösen Organisation eine Straftat – in Deutschland nicht.

NRW immer wieder im Fokus

Traditionell ist die Mafia in Deutschland unter anderem in Nordrhein-Westfalen stark vertreten, wenngleich sie keine herausragende Rolle unter den organisierten Kriminellen spielt. In 214 Verfahren aus diesem Spektrum, die zwischen 2012 und 2016 in den Polizeibehörden des Landes bearbeitet wurden, gab es nur in zehn Fällen überwiegend italienische Tatverdächtige, wie aus früheren Angaben des NRW-Innenministeriums hervorgeht. 

Insgesamt zählt die Polizei in NRW etwa 120 Personen zum Spektrum "Italienische Organisierte Kriminalität" (IOK). Sie werden vor allem den mafiösen Organisationen der 'Ndrangheta, Cosa Nostra sowie in geringerem Umfang der Camorra und der apulischen organisierten Kriminalität zugerechnet. Aufgefallen sind sie vor allem wegen Umsatzsteuerhinterziehung, Drogenhandel und -schmuggel sowie das "Verschieben" von Autos ins Ausland.



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