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Jeden Tag mehr Opfer Waldbrände in Kalifornien nicht unter Kontrolle – bislang 58 Tote

Von dpa

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Simi Valley: Ein Löschflugzeug ist am Ronald Reagan Freeway im Einsatz. Foto: dpa/AP/Ringo H.W. ChiuSimi Valley: Ein Löschflugzeug ist am Ronald Reagan Freeway im Einsatz. Foto: dpa/AP/Ringo H.W. Chiu 

Los Angeles/San Francisco. Große Gebiete in Kalifornien stehen in Flammen. Das "Camp"-Feuer fordert die meisten Todesopfer in der Geschichte des Bundesstaats. Im Süden wütet der "Woolsey"-Brand. Rettungskräfte befürchten, dass die Zahl der Toten weiter steigen könnte.

Die Großbrände in Kalifornien sind noch lange nicht unter Kontrolle und fordern jeden Tag mehr Opfer. Beim "Camp"-Feuer im Norden des Bundesstaats stieg die Zahl der Toten auf 56, nachdem in Trümmern 8 weitere Leichen gefunden wurden, wie der Sheriff von Butte County, Kory Honea, am Mittwochabend (Ortszeit) mitteilte. Dies sind mehr Tote als je zuvor bei einem Feuer in dem Bundesstaat. 

Von dem kleinen Ort Paradise blieben nur qualmende Ruinen übrig. Der Chef der Katastrophenschutzbehörde FEMA, Brock Long, sagte, der Wiederaufbau und die vorübergehende Versorgung der Menschen dort seien eine enorme Herausforderung.

Im Süden Kaliforniens bei Malibu nordwestlich von Los Angeles wo weiter das "Woolsey"-Feuer wütete, waren bislang zwei Leichen entdeckt worden. Beide Brände haben bereits Hunderte Quadratkilometer Wald und Tausende Häuser zerstört. Das "Camp"-Feuer war am Mittwoch zu rund einem Drittel eingedämmt, das "Woolsey"-Feuer fast zur Hälfte. Im Süden belief sich die Zahl der Todesopfer bislang auf zwei. Insgesamt starben bislang also 58 Menschen durch die verheerenden Feuer.

Satellitenbild: Das "Camp Fire" brach nördlich von Sacramento aus. Foto: imago/ZUMA Press/NASA

Paradise glich unterdessen einer Geisterstadt, wie eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur von vor Ort berichtete. Bewohner wurden noch nicht wieder in den Ort zurückgelassen, während die Such- und Aufräumarbeiten voranschritten. Der Ort sei massiv zerstört, an vielen Stellen qualme es noch. Die Luft sei komplett verraucht, es rieche beißend, alle Menschen trügen Schutzmasken. Die Schutzunterkünfte rund um den Ort herum seien voller Bedürftiger, massenhaft würden Spenden abgegeben.

Knochentrockende Landschaft

Einsatzkräfte gingen davon aus, dass starke Winde und die knochentrockene Landschaft, in die sich die Feuer zunehmend fressen, die Lage verschärfen dürften. Die leicht entflammbare Vegetation, fehlender Niederschlag und eine geringe Luftfeuchtigkeit seien die "perfekten Zutaten für ein explosives dynamisches Brandwachstum", sagte Chris Anthony von der kalifornischen Brandschutzbehörde der "Los Angeles Times". Die Kalifornier sollten sich auf eine "lange und potenziell tödliche" Feuersaison einstellen. Es werde schlimmer, als es sich die Bevölkerung jemals habe vorstellen können.

Die Brände, die am Donnerstag ausgebrochen waren, haben bereits Hunderte Quadratkilometer Wald verkohlt, Tausende Häuser zerstört – und sind noch lange nicht eingedämmt. Hunderttausende Menschen mussten sich in Sicherheit zu bringen.

US-Präsident Donald Trump stellte den Betroffenen finanzielle Unterstützung vom Bund in Aussicht. Das Weiße Haus teilte mit, dass unter anderem Menschen, deren Häuser oder Geschäfte abgebrannt sind, finanzielle Hilfen des Bundes beantragen können - etwa um eine vorübergehende Unterkunft oder Reparaturen zu bezahlen. Die Unterstützung solle Aufbauhilfen des Bundesstaates und auf lokaler Ebene ergänzen, hieß es.

Trump schrieb bei Twitter, er habe schnell reagieren wollen, um das Leiden der Betroffenen etwas zu mildern. Er stehe alle Betroffenen bei. Der Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown, hatte die Unterstützung des Bundes angefordert.

In den vergangenen Tagen waren mehrere Tausend Feuerwehrleute im Einsatz, um die Flammen zu bekämpfen. Der größte der drei Brände, das sogenannte "Camp"-Feuer in Nordkalifornien, war am Montagabend (Ortszeit) aber noch immer nur zu 25 Prozent eingedämmt. Der kleine Ort Paradise nördlich von Sacramento wurde durch das Feuer zu großen Teilen zerstört. Mehr als 6450 Wohnhäuser fielen dort den Flammen zum Opfer, rund 15.000 Gebäude sind weiter vom Feuer bedroht.

Anwesen von Prominenten abgebrannt

Auch in Südkalifornien blieb die Lage angespannt. Neu aufkommende Winde fachten die Flammen neu an. Insbesondere das sogenannte "Woolsey"-Feuer nordwestlich von Los Angeles richtete viel Zerstörung - unter anderem in dem Küsten-Ort Malibu, in dem viele Prominente leben. Dort wurden bislang mehrere Hundert Häuser zerstört. Nach offiziellen Angaben sind aber 57.000 Gebäude vom Feuer bedroht.

Auch die Villen mehrerer Stars brannten ab – darunter die Häuser von Moderator Thomas Gottschalk und US-Popstar Miley Cyrus sowie das von ihrem Partner, Schauspieler Liam Hemsworth. Hollywood-Star Gerard Butler und "Doctor Strange"-Regisseur Scott Derrickson ereilte das gleiche Schicksal. Auch Sänger Robin Thicke und der kanadische Rocker Neil Young schrieben in sozialen Medien über den Verlust ihrer Häuser.

Dana Schweiger verließ fluchtartig das Haus

Dana Schweiger, die Ex-Frau von Schauspieler Til Schweiger, musste mit ihrer Tochter Emma (16) fluchtartig ihr Haus in Malibu verlassen. "Die dicken Rauchwolken waren schon über uns und kamen näher. Es war schrecklich", berichtete sie der "Bild"-Zeitung. Ob das Haus noch stehe, wisse sie nicht. Der US-Rapper Kanye West und seine Frau Kim Kardashian hatten Medienberichten zufolge ihr Anwesen in Hidden Hills mit privaten Feuerwehrleuten vor dem Brand schützen können und damit wohl auch die Flammen von angrenzenden Grundstücken ferngehalten.

Stars wie Lady Gaga riefen dazu auf, die Feuerwehr oder Hilfsorganisationen in Kalifornien mit Spenden zu unterstützen. Das Paar Cyrus/Hemsworth spendete nach CNN-Angaben 500.000 US-Dollar (rund 444.000 Euro) für die Waldbrandopfer. Es sei "großartig zu sehen, wie die Gemeinschaft zusammenhält, um sich gegenseitig auf jede mögliche Weise zu helfen", schrieb Hemsworth auf Twitter. "Malibu ist eine starke Gemeinde, und dieses Ereignis wird sie nur stärker machen."

Weiterlesen: Waldbrände in Kalifornien: Diese Promis müssen vor den Flammen flüchten

Die Einsatzkräfte rechnen wegen anhaltender Trockenheit, Wärme und heftigen Winden nicht mit einer schnellen Entspannung der Lage. Der Feuerwehr gelang es aber zumindest, den kleineren der beiden Brände in Südkalifornien – das sogenannte "Hill"-Feuer – bis Montagabend (Ortszeit) zu 80 Prozent einzudämmen.

In Venice Beach ist die riesige Rauchwolke des Woosley Feuers in Malibu zu sehen.

Gouverneur schiebt Brände auf Klimawandel

Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown zeichnete ein düsteres Bild für den dürregeplagten Westküstenstaat. Brown vertritt die Position zahlreicher Forscher, die den Klimawandel mit steigenden Temperaturen für schlimmere Dürren, heftigere Waldbrände und andere Wetterextreme verantwortlich machen. "Dies ist nicht die neue Normalität, es ist die neue Abnormalität", sagte Brown.

Brown hat in Washington rasche Bundeshilfe für die Opfer der Feuerkatastrophe angefordert. US-Präsident Donald Trump und der liberale Westküstenstaat sind oft auf Kollisionskurs. So hatte Trump mit Blick auf die jüngsten Brände den Behörden Missmanagement vorgeworfen und mit dem Entzug von Bundesmitteln gedroht. "Es gibt keinen Grund für diese massiven, tödlichen und teuren Feuer in Kalifornien außer dem schlechten Forstmanagement", schrieb Trump auf Twitter.

Das hatte viel Empörung ausgelöst. Kaliforniens Feuerwehrverband etwa beklagte, die Aussagen des Präsidenten seien "fehlinformiert, schlecht getimt und demütigend sowohl für die, die leiden, als auch die Männer und Frauen an der Einsatzfront". Auch der kalifornische Gouverneur Jerry Brown wies Trumps Vorwürfe vehement zurück. Trump und der liberale Westküstenstaat sind oft auf Kollisionskurs. 

Am Montag meldete sich Trump mit versöhnlicheren Tönen zu Wort und lobte in einem Tweet die Feuerwehrleute, Katastrophenschützer und Rettungskräfte in Kalifornien als "großartig und sehr mutig".


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