zuletzt aktualisiert vor

Höchste Alarmstufe Wetterchaos in Italien: Zahl der Toten bei Unwettern steigt weiter

Von dpa

Meine Nachrichten

Um das Thema Vermischtes Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Elf Menschen sind bei dem schweren Unwetter in Italien ums Leben gekommen. Foto: picture alliance/Antonio Calanni/AP/dpaElf Menschen sind bei dem schweren Unwetter in Italien ums Leben gekommen. Foto: picture alliance/Antonio Calanni/AP/dpa 

Genua. Orkanwinde peitschen die italienische Riviera, Bäche werden zu reißenden Flüssen. Bäume stürzen auf Menschen, Erdrutsche begraben Häuser: Schwere Unwetter wüten in weiten Teilen Italiens.

Die Zahl der Toten nach den schweren Unwettern in Italien ist auf mindestens zwölf gestiegen. In der nordöstlichen Provinz Belluno wurde der Leichnam eines Handwerkers aus einem Wildbach geborgen, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete. Weitere Todesfälle gab es unter anderem in Südtirol und in der angrenzenden Provinz Trient. Nahe dem Adria-Ort Rimini starb ein Kite-Surfer.  

Zu den Toten gehören ein freiwilliger Feuerwehrmann, der in St. Martin in Thurn in Südtirol am Montagabend von einem Baum erschlagen wurde. In der Region Trentino kam eine Frau ums Leben, als ein Erdrutsch ihr Haus begrub. Ein Fischer wurde dort zudem tot auf einem See geborgen. 

Der Flughafen von Genua musste vorübergehend geschlossen werden und konnte erst wieder am späten Dienstagnachmittag öffnen. 

Weiterhin höchste Alarmstufe

In den Alpen saßen laut Ansa rund 180 Touristen und Saisonarbeiter fest, nachdem das Stilfser Joch von heftigem Schneefall blockiert worden war. Alle seien wohlauf, hieß es. "Weil sie sich nicht auf der Piste vergnügen können, entspannen sie sich beim Schwimmen im Pool oder in der Sauna", sagte ein Hotelier über seine Gäste. Das 2757 Meter hohe Stilfser Joch ist der höchste Gebirgspass Italiens und verbindet Südtirol mit der Lombardei.

Angespannt blieb die Lage vor allem weiterhin in den Regionen Venetien um die Lagunenstadt Venedig und in Trentino im Norden Italiens, wie der Zivilschutz mitteilte. In beiden Gebieten galt auch für Mittwoch die höchste Alarmstufe. In Südtirol besserte sich demnach die Wetterlage etwas.

Lesen Sie: Pizza-Kellner in Gummistiefeln – Video aus Venedig geht viral

Die Schlechtwetterfront mit Starkregen und Sturmböen lähmt seit Tagen weite Teile Italiens. Auch der berühmte Markusdom in Venedig blieb nicht von dem schlimmsten Hochwasser seit zehn Jahren verschont, das die Lagunenstadt am Montag heimgesucht hatte. 

Altstadt zu 70 Prozent unter Wasser

In dem Gotteshaus habe das Wasser 16 Stunden lang bis zu 90 Zentimeter hoch gestanden, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa Verwaltungschef Carlo Alberto Tesserin am Dienstag. "An einem einzigen Tag ist die Basilika um 20 Jahre gealtert, und das ist noch eine optimistische Einschätzung", sagte er demnach. In Venedig war am Montag das Hochwasser auf 156 Zentimeter über dem Meeresspiegel gestiegen, 70 Prozent der Altstadt standen unter Wasser. Am Dienstag besserte sich die Lage dort etwas.

Wegen der Unwetter hatten in der nordwestlichen Region Ligurien alle Häfen geschlossen werden müssen. Ankommende Schiffe sollten vor der Küste auf ein Ende des Sturmes warten, hatte Regionalpräsident Giovanni Toti am Montagabend in der Regionalhauptstadt Genua mitgeteilt. Acht bis zehn Meter hohe Wellen brachen sich an der Küste der italienischen Riviera.

Der berühmte Luxus-Badeort Portofino war am Dienstag von der Außenwelt abgeschnitten: Heftiger Sturm hatte die Zufahrtsstraße beschädigt. Zu den dort gestrandeten Menschen gehöre auch ein Sohn von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi, hieß es.

20.000 Haushalte ohne Strom

Im nördlich von Portofino gelegenen Küstenort Rapallo, rund 30 Kilometer südöstlich von Genua, hatte der Sturm Luxusjachten aus ihren Vertäuungen gerissen und ans Ufer gschleudert. Fast 200 Jachten wurden durch die bis zu zehn Meter hohen Wellen zerstört, darunter auch die des Berlusconi-Sohnes Pier Silvio, meldete die Zeitung "Corrierre della Sera". 

Lesen Sie: Kuriose Bilder: Venedig-Marathon versinkt im Wasser

In Ligurien an der italienischen Riviera waren in der Nacht zum Mittwoch noch 20.000 Menschen ohne Stromversorgung. Regionalpräsident Giovanni Toti schätzte die Schäden auf mehrere Hundert Millionen Euro. Der Luxusbadeort Portofino ist von der Außenwelt abgeschnitten.

Die Bahnstrecke zum Brennerpass war am Dienstagmorgen unterbrochen, die Brennerautobahn einspurig befahrbar. In Dimaro in der Provinz Trient trat ein Wildbach über die Ufer, 200 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Eine Sprecherin der Europäischen Kommission sprach Italien in Brüssel ihre Anteilnahme aus. Die EU sei "bereit, jede erdenkliche Unterstützung und Hilfe zu bieten".


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN