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30.10.2018, 12:39 Uhr KOMMENTAR ZU HANDEL MIT WILDTIERTEILEN

Legale Medizin aus Tigerknochen - ein verheerendes Signal

Kommentar von Katharina Ritzer

Erinnert sich noch jemand an Sudan? Das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn starb im März 2018, seither gibt es nur noch zwei Weibchen dieser Art. Für den Schutz von bedrohten Wildtierarten sind die Pläne Chinas, Wildtierteile in Medizin zu legalisieren, verheerend. Foto: Daniel Irungu/EPA/dpaErinnert sich noch jemand an Sudan? Das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn starb im März 2018, seither gibt es nur noch zwei Weibchen dieser Art. Für den Schutz von bedrohten Wildtierarten sind die Pläne Chinas, Wildtierteile in Medizin zu legalisieren, verheerend. Foto: Daniel Irungu/EPA/dpa

Osnabrück. China will den Handel mit Knochen von Tigern und Nashorn-Hörner wieder lockern. Die Beteuerungen, dies solle streng reguliert geschehen, sind wertlos: Die Erfahrung zeigt, das legaler Handel vom Schwarzmarkt als Deckmantel missbraucht wird. Tierschützer protestieren, doch es braucht Druck auf politischer Ebene. Ein Kommentar.

Erinnert sich noch wer an Sudan? So hieß das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn, das im März dieses Jahres gestorben ist. Wieder eine Art weniger. Seit 1970 ist die Zahl der Wildtiere um drastische 60 Prozent geschrumpft, vom Aussterben bedroht sind neben Nashörnern auch Tiger, Elefanten, Leoparden und andere sehr große und sehr kleine Arten. Schuld daran ist immer der Mensch, der die Tiere entweder bei der Jagd direkt tötet oder die Lebensräume der Arten tödlich verkleinert.

Bekannt ist dies schon lange und trotzdem hat es für viele Arten zu lange gedauert, bis etwas zu ihrem Schutz unternommen worden ist – siehe Breitmaulnashorn Sudan. China hatte vor 25 Jahren immerhin den Handel mit Nashorn-Hörnern und Tigerknochen verboten. Jetzt soll das Verbot aber wieder fallen, was ein verheerendes Signal ist.

Klar, es gab immer einen Schwarzmarkt ähnlich wie etwa beim Elfenbein. Aber nur ein Verbot mit drakonischen Strafandrohungen macht deutlich, wie gefährlich dieser Handel für die Arten ist. Jede Lockerung mit welchen Auflagen auch immer kurbelt immer auch die Nachfrage und damit den Schwarzmarkt an, der seine illegalen Produkte leichter waschen kann. Und auch die Wilderei wird steigen und damit die Gefahr für Tiere in freier Wildbahn. Genau wie bei den Japanern, die ihren Walfang ganz dreist mit wissenschaftlichen Zwecken verbrämen, bleibt den Tierschützern nur der Protest. Und der verhallt, solange nicht andere Staaten Druck auf China machen.


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