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Ein d oder i hinter m und w Das dritte Geschlecht

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Das dritte Geschlecht findet sich immer häufiger in Stellenanzeigen. Foto: HausfeldDas dritte Geschlecht findet sich immer häufiger in Stellenanzeigen. Foto: Hausfeld

Viele Job-Bewerber staunen seit einiger Zeit nicht schlecht, wenn sie Stellenausschreibungen durchforsten und dabei buchstäblich eine Begegnung der dritten Art erleben. Denn die Suche beschränkt sich oftmals nicht nur auf Männer oder Frauen. Was hat es damit auf sich?

Politischer Hintergrund der Erweiterung des Geschlechterspektrums ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes aus dem vergangenen Jahr. Dort entschied der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts, dass es im Geburtenregister neben den Einträgen „männlich“ und „weiblich“ die Möglichkeit geben muss, ein drittes Geschlecht eintragen zu lassen. Das sei nötig, um die geschlechtliche Identität auch derjenigen zu schützen, die sich dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet Diskriminierung aufgrund des Geschlechts – und dazu gehört nun nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts eben auch das dritte.

Ein abgelehnter Bewerber, der sich von einer Stellenausschreibung diskriminiert fühlt, kann klagen und hat möglicherweise Aussicht auf eine Entschädigung in einer Höhe von bis zu drei Monatsgehältern (§ 15 AGG). Bereits beschäftigten Mitarbeitern steht ein Beschwerderecht zu (§ 13 AGG). Arbeitgeber oder Vorgesetzte müssen die Beschwerde prüfen und geeignete Maßnahmen treffen, damit sich die Benachteiligung nicht wiederholt.

Diskriminierung vermeiden

Bereits kurz nach dem Urteil machten Arbeitsrechtler darauf aufmerksam, dass es künftig nicht mehr ausreichen könnte, in Stellenanzeigen hinter die Position lediglich ein „m/w“ (für männlich/weiblich) einzufügen. Arbeitgeber sind zur geschlechtsneutralen Ausgestaltung von Stellenausschreibungen verpflichtet und müssen nun auch die Diskriminierung des dritten Geschlechts vermeiden.

Diese Verpflichtung geht aus der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 10. Oktober 2017 hervor. In der entsprechenden Pressemitteilung des Gerichts heißt es: „Das allgemeine Persönlichkeitsrecht (Artikel 2, Absatz 1 in Verbindung mit Artikel 1 des Grundgesetzes) schützt auch die geschlechtliche Identität derjenigen, die sich dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen. Darüber hinaus verstößt das geltende Personenstandsrecht auch gegen das Diskriminierungsverbot, soweit die Eintragung eines anderen Geschlechts als männlich und weiblich ausgeschlossen wird.“

Anrede ausgeklammert

Der Gesetzgeber hat bis zum 31. Dezember 2018 Zeit, eine Neuregelung zu schaffen. Arbeitgeber, Gerichte und Verwaltungsbehörden dürfen bis dahin die geltenden Normen nicht mehr anwenden, soweit sie für Personen, deren Geschlechtsentwicklung gegenüber einer weiblichen oder männlichen Geschlechtsentwicklung Varianten aufweist und die sich deswegen dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen, eine Pflicht zur Angabe des Geschlechts begründen.

Bis zu einer konkreten gesetzlichen Reglung wird die Verwendung für ,d‘ wie ,divers‘ oder ,i‘ wie ,inter‘ empfohlen. Als wahrscheinlich gilt aber, dass sich der Gesetzgeber auf das Wort „divers“ für das dritte Geschlecht festlegt. Korrekt bei einer Stellenanzeige wäre dann der Zusatz: (m/w/d). In einem Ausschreibungstext sind Arbeitgeber auf der sicheren Seite, wenn Sie Ihre potenziellen Bewerber direkt ansprechen oder neutral formulieren, zum Beispiel: „Wir bieten Ihnen …“ oder „Diese Fähigkeiten setzen wir voraus…“. Eine Empfehlung der kommunalen Arbeitgeberverbände bezieht sich lediglich auf die Klammerzusätze. Wenn in einer Ausschreibung beispielsweise „eine Fachangestellte/ein Fachangestellter“ gesucht wird, reichen diese Bezeichnungen aus, da es für eine Anrede in dritter Form noch keine entsprechende Formulierungslösung gibt.


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