Tote Deutsche auf Balearen-Insel Jörg Kachelmann zum Unwetter auf Mallorca: "Man hätte warnen können"

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Jörg Kachelmann: "Immer schwierig vorherzusagen, wann und wo ein Gewitter genau auftritt". Foto: Tobias Hase/dpaJörg Kachelmann: "Immer schwierig vorherzusagen, wann und wo ein Gewitter genau auftritt". Foto: Tobias Hase/dpa 

Artà. Ein schweres Unwetter sucht Mallorca heim. Es gibt ein Dutzend Tote, darunter sind auch drei Deutsche. Warum die spanischen Behörden erst sehr spät warnten und der Klimawandel Schuld sein könnte, erklärt Meteorologe Jörg Kachelmann.

Das tödliche Unwetter auf Mallorca kam unerwartet. Innerhalb weniger Stunden überschwemmte sintflutartiger Regen die Balearen-Insel, Straßen verwandelten sich in reißende Flüsse, mehr als zehn Menschen starben. Auch Deutsche sind wohl unter den Todesopfern. Fatal: Die spanischen Behörden hatten offenbar zu spät vor dem Unwetter gewarnt. 

Niederschlagsmengen auf Mallorca am 9. Oktober: Schwer getroffen von dem Unwetter ist die Region in Artà im Osten der Insel. Grafik: dpa

Der spanische Wetterdienst setzte wegen des Unwetters am Montag gegen 18 Uhr die zweithöchste Warnstufe (Gelb).

Erst gegen 22:21 Uhr teilte der Wetterdienst via Twitter mit, dass auf Teilen der Insel die höchste Warnstufe (Rot) gelte. Zu diesem Zeitpunkt entfaltete das Unwetter bereits seine verheerende Wirkung. 

"Sicher hätte man mit einer Vorwarnzeit von 30-45 Minuten warnen können, bei uns hätte man frühzeitig einen Sturzflut-Hinweis ausgegeben", sagt Meteorologe Jörg Kachelmann gegenüber unser Redaktion. Es sei immer schwierig vorherzusagen, wann und wo ein Gewitter genau auftrete.

Auch Adrian Leyser, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst, meint: "Kräftige gewittrige Niederschläge auf lokaler Ebene sind immer schwer vorherzusagen." Verschiedene Vorhersage-Modelle lieferten zwar Signale, doch erst wenige Minuten bis vielleicht eine Stunde vorher lasse sich erkennen, welcher exakte Ort von einem Unwetter betroffen sei. "Eine genaue Regionalisierung ist also erst möglich, wenn Gewitter bereits entstanden sind und das ist das große Problem", sagt Leyser. 

Sind solche Unwetter auch in Deutschland möglich? 

Das mag Jörg Kachelmann nicht ausschließen: "Es war ein langsam ziehendes Gewitter mit sehr viel Regen, ähnliche Regenmengen sind auch bei uns denkbar, aber selten". Typisch sei das Unwetter hingegen für den Mittelmeerraum gewesen: "Das Wasser ist noch sehr warm, aber Höhenkaltluft ist schon da – jetzt ist die Unwettersaison auf den Balearen". Dieses Jahr sei es wegen der nördlichen Hochs auf den Balearen noch nasser als sonst.

Wie entstand das Unwetter auf Mallorca?

DWD-Meteorologe Adrian Leyser erklärt:
"Gewittrige Niederschläge entstehen wenn sehr feuchte und warme Luftmassen vorhanden sind, die labil geschichtet sind. Heißt: die Temperatur nimmt mit der Höhe recht rasch ab. Dann kann es zu auf- und absteigenden Luftbewegungen kommen. Im Bereich der aufsteigenden Luftbewegung entsteht eine sehr hochreichende Gewitterwolke, die an Ort und Stelle abregnen kann und vor allem dann hohe Niederschlagmengen verursacht, wenn sie langsam zieht. Das war bei dem Unwetter auf Mallorca der Fall. Ein Grund für die Entstehung des Unwetters könnte auch gewesen sein, dass sich die Luft an einer Bergwand staute."

Ist der Klimawandel Schuld?

Laut Leyser sind hohe Niederschläge in der Mittelmeerregion gerade im Herbst kein neues Phänomen. Ob es bedingt durch den Klimawandel in den kommenden Jahren eine Häufung geben werde, müsse beobachtet werden. Bislang gebe es noch keine haltbare Statistik, mit der sich solch eine Annahme belegen ließe. Denkbar sei jedoch, dass sich mit ansteigendem Meeresspiegel auch das Niederschlagspotential erhöhe. Das sieht auch Kachelmann so: "Die höheren Wassertemperaturen werden dazu führen, dass bei Gewittern größere Regenmengen wahrscheinlich sind als früher."  

Sind weitere Unwetter im Mittelmeerraum in Sicht?

Im Bereich des westlichen und zentralen Mittelmeerraumes erwartet Meteorologe Leyser in den kommenden Tagen Starkregen, der regional begrenzt niedergeht. Auf auf der italienischen Insel Sardinien und in Südfrankreich gab es bereits ungewöhnlich heftige Regenfälle – auch hier kamen Menschen ums Leben. Im weiteren Verlauf könnten noch Korsika und Sizilien betroffen sein. Ähnlich fällt die Vorhersage beim Wetterdienst von Jörg Kachelmann aus.

Eine zerstörerische Kraft verglichen mit der des Unwetters auf Mallorca sei nicht auszuschließen, sagt Leyser. Wo genau es dann herunterkomme, könne aber eben erst sehr kurzfristig gesagt werden.


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